Wie die skuba gegen die Abschaffung des Studi-GAs kämpft

Nächstes Jahr soll es kein Generalabonnement für Studierende mehr geben. Das hat die SBB im Juni bekannt gegeben. Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) hat eine Petition lanciert, um sich gegen die Abschaffung zu wehren. Ein Gespräch mit Elischa Link, Vizepräsident der skuba und Verantwortlicher für das Ressort Äusseres.

Nachdem ich dieses Jahr von meinem Erasmus-Semester in die Schweiz zurückkehrte, bekam ich es am eigenen Portemonnaie zu spüren, was es bedeutet, in diesem Land ohne Abo jeglicher Art die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Ein Ausflug nach Zürich hätte mich 68 Franken gekostet, meine Eltern zu besuchen knapp 60 und für meinen Arbeitsweg musste ich neu 47.60 Franken hinblättern.

Ich habe über einen Monat lang hin und her überlegt, ob ich mir ein Halbtax oder ein GA kaufen soll. In dieser Zeit habe ich Sparbillette ergattert und mir akribisch notiert, wann ich von wo nach wo fuhr und wieviel mich diese Rumfahrerei kostete. Am Ende des Monats habe ich Bilanz gezogen und bin zum Schluss gekommen, dass sich ein GA in meinem Falle lohnen würde. Der Gang zum SBB-Schalter fiel mir dennoch schwer. 2650 Franken ist viel Geld, wenn man es sich neben einem Vollzeitstudium verdienen muss.

Im Juni dieses Jahres hat die Alliance SwissPass in einer Medienmitteilung bekannt gegeben, dass das Generalabonnement «Junior für Studierende» per 2021 abgeschafft werde. Im kommenden Jahr werden 25 bis 30-jährige Studierende nicht mehr 2650 Franken für das GA bezahlen, sondern neu den regulären Preis von 3860 Franken. Eine Preiserhöhung um mehr als 45 Prozent also.

Ich könnte mir das GA dann nicht mehr leisten. Elischa Link, Vizepräsident der skuba und Verantwortlicher für das Ressort Äusseres, fällt zwar noch nicht in die betroffene Alterskategorie, dennoch würde auch er auf das GA zum normalen Preis verzichten. «Das ist einfach zu viel – da müsste ich soviel arbeiten, dass es sich wirklich nicht mehr rentieren würde.»

Elischa Link | Bild: zVg

Seit der Bekanntmachung der Pläne für die Abschaffung des Studierenden-GAs setzt sich der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) gegen dieses Vorhaben ein. Auch die skuba leistet ihren Beitrag und Elischa hat dabei die Federführung.

Als der Entscheid fiel, erklärt er mir im Gespräch, habe man gemeinsam mit dem VSS überlegt, was gegen die Abschaffung unternommen werden könnte. Seither wurde eine Petition lanciert, Erfahrungsberichte von Betroffenen gesammelt, Gespräche mit der Alliance SwissPass geführt und bald wird ein Brief an die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga versandt. «Damit wollen wir darauf aufmerksam machen, dass es sich bei der Abschaffung des Studierenden-GAs nicht um eine rein operative Entscheidung handelt, sondern auch um eine strategische, was umweltpolitische und bildungspolitische Themen betrifft.»

Anfang Juli sammelte die skuba Erfahrungsberichte von jenen, die direkt von der Abschaffung betroffen wären. «Wenn man sich die Zahlen anschaut, sind zwar nicht viele Studierende von der Abschaffung betroffen. Aber wenn mam dann Einzelschicksale kennt und sieht, dass Menschen aufgrund dieser Entscheidung ernstzunehmende Probleme haben, dann wird die Diskussion nochmals in ein anderes Licht gerückt.»

Elischa betont, dass durch die Abschaffung des Studierenden-GAs vor allem jenen Studierenden Hürden in den Bildungsweg gelegt würden, die es sowieso schon schwierig hätten. «Die Entscheidung betrifft vor allem Studierende, die etwas älter sind und zum Beispiel vor dem Studium bereits eine Ausbildung absolviert haben oder deren Studium sich wegen der Notwendigkeit zu arbeiten verlängert. In finanzieller Hinsicht ist diese Gruppe besonders verletzlich, weil sie vom Elternhaus kaum noch unterstützt wird und sich das Studium selber finanzieren muss. Gleichzeitig noch die Mobilitätskosten zu tragen, ist schwierig. Oft sind das auch Menschen, die es sich nicht leisten können, nach Basel zu ziehen und die damit auf die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind.»

Elischa befürchtet, dass durch die Abschaffung des Studierenden-GAs nicht nur die Chancengerechtigkeit gemindert wird, sondern dass auch die freie Studienwahl gefährdet sei. Wenn die Mobilitätskosten steigen, werden Studierende künftig Universitäten und Studiengänge wählen, die näher an ihren Wohnorten liegen. «Dass man auf die freie Studienwahl verzichtet, weil man es sich aus finanziellen Gründen nicht leisten kann, ist für uns von der skuba inakzeptabel.» Zudem führe die Einschränkung der Mobilität immer auch zur Minderung von akademischem, kulturellem und sprachlichem Austausch, der für den Bildungsstandort Schweiz unabdingbar sei.

Den Druck, den der VSS bisher auf die Entscheidungsträger*innen der Alliance SwissPass ausüben konnten, hat bereits begonnen, erste Früchte zu tragen. Reicht das denn zeitlich überhaupt noch, die Abschaffung zu verhindern? Schliesslich steht 2021 sozusagen vor der Tür. «Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, wenn wir es nicht schaffen, bis Dezember so viel Druck zu erzeugen, dass die Alliance SwissPass ihre Entscheidung nochmals überdenkt, dann müssen wir vermutlich damit leben, dass es das Studierenden-GA in der jetzigen Form nicht mehr geben wird.»

Was kann ich gegen die Abschaffung des Studierenden-GAs tun?
Hier kannst du die vom VSS lancierte Petition unterschreiben. Ein wichtiges Druckmittel sind zudem Stimmen, die sich gegen die Abschaffung laut machen. Hierzu hat der VSS vergangene Woche eine Aktion gestartet, in denen Studierende aufgerufen werden, in kurzen Videobeiträgen darzulegen, weshalb sie die Abschaffung des Studierenden-GAs missbilligen. Hier geht’s zur Aktion.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von VSS UNES USU (@vss_unes_usu) am

Lisa Gianotti

Beim Betrachten einer zerbrechlich verkrampften Hand von Egon Schiele hat sich Lisa Gianotti dazu entschieden, Kunstgeschichte zu studieren. Von der schwerwiegenden Nebeldecke über dem Aargau ist sie der Sonne nach Basel gefolgt. In Museen findet sie die Ruhe, die in ihrem Kopf nicht immer herrscht. Wenn sich keine Leinwand vor ihren Augen befindet, dann tönen Klänge im Ohr. Sie würde gerne seltener Seminararbeiten und öfter Gedichte schreiben und ist in allem, was sie tut, nur halb so schnell wie ihre Mitmenschen.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Bevor dieser veröffentlicht wird, wirft noch jemand aus der Redaktion einen Blick darauf. Das kann ein bis zwei Arbeitstage dauern.
Ups. Ein Fehler ist aufgetreten. Bitte versuche es noch einmal.