Basels beste Döner

Ich sitze mit meinen Kommilitonen am Rheinufer. Wir essen Döner. Zwischen Knoblauchfahne und Spatzen, die verloren geglaubte Brotkrumen einer neuen Bestimmung zuführen, beginnen wir zu philosophieren. Was macht eigentlich einen guten Döner aus? Schnell ist klar, so einfach wird hier heute kein klarer Konsens gefunden werden. Jeder hat einen Lieblingsdöner oder einen Geheimtipp. Es muss also ein Praxistest her.

Die Gesellschaft darf nicht länger in einem Schwebezustand der Ungewissheit auf das falsche Fladenbrot (fast hätte ich Pferd geschrieben, aber das könnte nach den Pferdefleischskandalen 2013 noch falsch konnotiert sein) setzen. Und somit heisse ich sie herzlich willkommen, zum:

Dönerreport Basel, 2018

Eine Sache vorweg: Pferdefleisch haben wir keins gefunden. Auch von Knorpeln, schlecht gelagerter Ware oder Ungeziefer können wir nicht berichten. Die hier  in einem unabhängigen Test behandelten Restaurants und Dönerbuden sind top-notch. Die Auswahl erfolgte über persönliche Empfehlungen und Zuschriften aus äusserst kompetenten WhatsApp-Gruppenchats. Alle Informantinnen und Informanten haben mindestens eine dreistellige Menge an Döner in ihrem Leben konsumiert und sind mit Basel und der Umgebung seit Jahren vertraut.

Isbilir

Lage: Das Isbilir Döner Restaurant liegt, umrankt von einigen Kletterpflanzen, in der Feldbergstrasse 89, nahe der Matthäuskirche in Kleinbasel. Zwei grosse Fensterfronten und einige Tische laden zum Verzehr im Restaurant ein. Einen Aussenbereich gibt es nicht, dafür hat man von innen einen guten Blick nach draussen und kann dem bunten Treiben auf den Strassen folgen.

Döner: Das Restaurant Isbilir überzeugt mit einem gut abgestimmten Rundumpaket. Von einem Hackfleischspies werden lange saftige und knusprig angebräunte Streifen abgeschnitten. Von diesen Fleischstreifen bringt der Dönerkoch eine ordentliche Menge im frischgebackenen Steinofen-Fladenbrot unter. Das Fladenbrot kommt ohne Sesam daher, ist aussen angenehm knusprig und unaufdringlich im Eigengeschmack. Dazu kommen Zwiebeln, Petersilie, Rotkraut, Salat und Mais. Die Joghurtsauce schmeckt dezent nach Knoblauch und süss-säuerlich im Nachgeschmack. Wer es scharf mag, kann an den Tischen nach Belieben mit Chili nachwürzen. Der Döner macht satt, hat einen hohen Fleischanteil und das Fleisch – eine Kalb-Rindfleischmischung aus der Schweiz – ist gut gewürzt. Das Brot und das Gemüse sind frisch und die einzelnen Komponenten sind in Menge und Geschmack passend abgestimmt. Lediglich der Mais schmeckt etwas dominant.

Preis: 8CHF

Fazit: Für Fleischfans, die ein solides Gesamtergebnis zu schätzen wissen.


Isbilir (Nein, das ist kein Fehler)

Lage: In der Feldbergstrasse 113 liegt, in unmittelbarer Nähe zum bereits erwähnten Isbilir Döner Restaurant, ebenfalls ein Isbilir. Die TagesWoche weiss mehr über die Hintergründe der Namensdopplung. Das Isbilir Restaurant bietet jedenfalls ausgiebigen Platz zum Sitzen, sowohl im Restaurant als auch im Aussenbereich.

Döner: Der Döner im Isbilir Restaurant ist grosszügig gefüllt mit Dönerfleisch, Rotkraut, Mais, Salat, Zwiebeln und Tomaten. Das Fleisch hat seinen Herkunftsort in der Schweiz und der Spies ist eine Kalbfleisch-Rindfleisch-Mischung. Der Döner wird mit einer hausgemachten Joghurtsauce serviert und schmeckt frisch und würzig. Das Gemüse ist knackig und im Verhältnis gut propotioniert. Das Brot wird vom Teig bis zum fertigen Dönerbrötchen vor Ort selbst gebacken und ergänzt den Inhalt des Döner ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem würzigen Fleisch ergibt sich daraus ein qualitativ hochwertiger, geschmacklich bunter und sättigender Döner, dem man die 16 Jahre Erfahrung im Dönergewerbe, welche die Inhaberin mitbringt, positiv anmerkt.

Preis: 8CHF

Fazit: Für einen stimmigen Döner vom Fach.


Aziz

Lage: Nicht weit entfernt von unserem ersten Testort entfernt, in einer Seitenstrasse zwischen Kasernenareal und Matthäuskirche liegt Aziz Imbiss. Der Imbiss selbst ist klein und bietet keine Sitzmöglichkeiten, allerdings findet man auf dem kleinen Vorplatz immer ein Treppchen oder ein Fassadenstück, um den Döner vor Ort sitzend zu verzehren. Adresse: Haltingerstrasse 10.

Döner: Der Inhaber von Aziz Imbiss ist gelernter Bäcker und bietet neben Döner auch allerlei türkische Gebäckspezialitäten an. Das Brot wird dementsprechend jeden Morgen frisch zubereitet. Beim Fleisch stehen geschichtetes Poulet oder geschichtetes Kalbfleisch zur Auswahl – ich entscheide mich für die klassische Kalbfleischvariante. Der Döner kann dann nach belieben mit Salat, gewürzten Zwiebeln, frischem Chili und Tomaten belegt werden. Eine selbstgemachte Chili- und eine selbstgemachte Joghurtsauce runden den Döner ab. Das Fleisch ist knusprig, hat einen einzigartigen Eigengeschmack, das Brot ist bissfest und schmeckt für sich genommen bereits fantastisch. Das Verhältnis der Zutaten ist stimmig und die Sauce ist geschmacklich frisch und nicht zu aufdringlich.

Preis: 7 CHF

Fazit: Für Anhänger der Schichtfleischkultur und Brotliebhaber.


The Kebab Factory

Lage: Zwischen der Johanniterbrücke und der Dreirosenbrücke liegt auf der Kleinbasler Seite The Kebab Factory. Ein junger Laden in der Klybeckstrasse 73 mit einer gemütlichen Sitzreihe an der Fensterfront zur Strasse hin und einigen Sitzmöglichkeiten an einer langen Tischzeile im Laden. Die Wände sind behangen mit selbst gemalten Aushängeschildern und allerlei kreativem Output. Die Atmosphäre ist detailverliebt, stilvoll und modern.

Döner: Knusprig angebräuntes Rindfleisch aus einer kleinen Produktion in der Schweiz und ein dünnes, frisch gebackenes Brot bilden die Basis des Döners. Zu Gurke, Tomate, Salat, Krautsalat, frischer Petersilie und gewürzten Zwiebeln können zusätzlich auch Feta, Paprika, Jalapeños und Antipasti-Varianten für die Füllung ausgewählt werden. Ausserdem hat der Kunde die Möglichkeit, sich zwischen vier hausgemachten Saucen zu entscheiden: Joghurt-, Cocktail-, Chili- oder vegane Sesamsosse. Ein besonderes Highlight sind zudem die hausgemachten Falafel nach geheimer grossmütterlicher Rezeptur – ein Gedicht. Der Döner hat einen tollen frischen Geschmack, das Fleisch ist eine 50/50 Mischung aus gehacktem und gestapeltem Kalbsfleisch und schmeckt saftig, würzig, gut.

Preis: 8 CHF

Fazit: Für eine besondere Atmosphäre und einen ausgewählten Döner.


Ubeck

Lage: Am Wettsteinplatz 4 in Kleinbasel findet sich der Ubeck Döner. Ein gemütlicher Dönerladen mit Sitzgelegenheiten drinnen und draussen. Wer es sich draussen unter den Sonnenschirmen bequem macht, kann dabei das Gewusel auf dem Wettsteinplatz genauer ergründen.

Döner: Der Dönerspiess ist hausgemacht und selbst mariniert. Das Fleisch ist Pouletfleisch und wird gemeinsam mit Tomaten, Fetakäse, Mais, Rotkraut, Salat, Gurken und Zwiebeln serviert. Das Brot wird im Ofen frisch gebacken und man hat als Kunde die Auswahl zwischen einer Joghurt-, einer Chili- und einer Cocktailsauce. Das Brot ist knusprig, mit einigen Sesamkörnern an der Aussenseite und das Fleisch schmeckt saftig und aromatisch. Die Marinade ist gelungen und gemeinsam mit dem Gemüse schmeckt der Döner frisch und abwechslungsreich.

Preis: 7,90 CHF

Fazit: Für Pouletfleisch-Connaisseure und Draussensitzer.


Restaurant Pinar

Lage: Das Restaurant Pinar ist in der Stadt Basel der erste in Grossbasel eröffnete Döner. Es liegt zwischen dem Petersplatz und dem Universitätsspital in der Herbergsgasse 1. Das Restaurant hat einen Aussen- und einen Innenbereich und ist stilvoll und kulturtypisch ausgestattet.

Döner: Der Döner im Restaurant Pinar ist eine Zusammenstellung aus liebevoll ausgewählten Zutaten und hausgemachten Spezialitäten. Am Morgen unseres Besuches wurde der Dönerspiess frisch handgeschichtet. Das Fleisch hat Bio-Qualität und kommt von der Metzgerei Jenzer in Arlesheim. Der Brotteig wird ebenfalls selbst gemacht und frisch gebacken. Dazu kommt eine Joghurtsauce, welche aus hausgemachtem Joghurt, Pfefferminze und etwas Knoblauch besteht. Ausserdem wird der Döner mit frischem Salat und Tomaten belegt. Der Döner wirkt auf den ersten Blick sehr puristisch, verglichen mit den teils bunten Dönerkreation aus anderen Restaurants. Wenn man den Döner dann probiert, wird schnell klar wieso. Die einzelnen Zutaten sind sorgfältig ausgewählt und aufeinander abgestimmt. Die Sosse schmeckt einzigartig frisch, nach Joghurt, einem Hauch Minze und einer milden Säure. Das Fleisch schmeckt nach Fleisch, gut gewürzt aber nicht durch Marinadengeschmack überdeckt. Das Brot ist bissfest, frisch und luftig. Der Döner verzichtet bewusst auf einige, allgemein hin als dönertypisch bekannte Zutaten und legt den Fokus darauf, was beim Döner wirklich zählt: Gutes Fleisch, Brot, Sosse und ein frischer Salat. Alles hausgemacht und qualitativ hochwertig – grossartig!

Preis: 9,80

Fazit: Eine besondere Philosophie, eine besondere Qualität und ein besonderes Produkt.


Von Meisterhand

Lage: In der Markthalle Basel, Steinentorberg 20, befindet sich das Dönerangebot Von MeisterhandEin moderner Marktstand inmitten der beeindruckenden Atmosphäre der alten Markthalle mit ausreichend Sitzgelegenheiten.

Döner: Das Dönerfleisch besteht zu 100% aus Entrecôte, besonders hochwertigem Rindfleisch, welches der gelernter Fleischermeister selbst mariniert und von Hand schneidet. Das Fleisch kommt aus der Schweiz, genauer aus Buckten bei Sissach. Typischerweise wird das Fleisch auf einem Teller mit frischem Salat, drei hausgemachten Saucen, Reis und Yufka-Ecken serviert. Es wird aber auch eine Dürümvariante im Fladenbrot angeboten. Was soll ich sagen? Das Fleisch schmeckt unglaublich zart und fleischig-würzig und man bekommt eine grosse Menge davon auf den Teller. Die Paprika-Chili-Sauce, der Hummus und die Joghurtsauce bilden eine vielfältige Bandbreite an Geschmäckern ab und lassen sich wunderbar mit dem Reis oder den Yufka-Ecken verzehren. Der Salat ist frisch mit Tomaten, Kräutern und einem leckeren Dressing angereichert und ergänzt mit seiner Leichtigkeit das mächtige Beilagen- und Fleischpaket. Kein klassischer Döner im Brot, aber absolut beeindruckend.

Preis: 15 CHF (Dürümvariante 10 CHF)

Fazit: Für eine unvergessliche Dönererfahrung und eine vielfältige Hauptmahlzeit.


Das war der Dönerreport 2018. Mein besonderer Dank gilt allen beteiligten Gastronomen für die Teilnahme an diesem Artikel und Fabio Coviello (@fantafabiolous) für seinen grossartigen Bilderbeitrag im Rahmen dieses Artikels. Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Appetit und freue mich über jedes Feedback zu dieser Auswahl. Wem das Wasser beim Döner noch nicht im Munde zusammengelaufen ist, darf ich unseren Burger-Artikel zum Thema „Basels bester Burger“ ans Herz legen.

Christoph Zäh

Während seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wurde Christoph Zäh klar, dass er seine Zukunft der Arbeit mit Menschen widmen möchte. Das Psychologiestudium soll nun die absolute Erleuchtung bringen. Wenn er sich nicht gerade durch die Statistiken der Welt wühlt oder in Embryonalstellung vor sich hin wimmert, weil Druckertinte jetzt teurer ist als menschliches Blut, dann boxt er sich den Kopf im Boxkeller frei oder sucht sich auf dem Rennrad, mit dem Snowboard oder im Kajak neue Herausforderungen.

1 Kommentar

  1. burim
    Mi, 5. September 2018 / 14:58 Uhr

    Über Döner schreiben wollen, aber nicht zum RICHTIGEN Izbilir gehen? Sehr peripher recherchiert wodurch dem ganzen Beitrag die Glaubwürdigkeit genommen wird.

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