Zwischen dicken Wälzern und Vernissagen: Kunstgeschichte studieren

Mosaik am Eingang des Kollegienhauses: Kennen und Erkennen von Coghuf (1965)

Was gibt es Schöneres, als sich im Studium und Beruf mit Kunst zu umgeben? Für Olga Thiel nichts. Die Masterstudentin erklärt in ihrem Gastbeitrag, was man genau in einem Studium der Kunstgeschichte macht und welche Berufswege man damit einschlagen kann. Und welche nicht.

„Ich studiere Kunstgeschichte“. Von diesem Satz bleibt bei den meisten Menschen „Kunst“ hängen – und halten einen für eine Künstlerin. Doch Studierende der Kunstgeschichte sind keine Künstler. Auf dem Lehrplan stehen weder praktisches Malen noch Steinmetzen. Kunstgeschichte studieren heisst Bücher wälzen. Und Werkbetrachtungen vor Originalen: Es geht raus aus dem Hörsaal, rein in die Museen, Architekturwunder, Galerien und Happenings.

Im Kunstgeschichtsstudium beschäftigt man sich auf theoretische Weise mit Kunst – von der Antike bis zur Gegenwart. Unterschiedliche Interpretationen, historische Zusammenhänge sowie gesellschaftliche Bedeutungen eines Kunstwerkes werden diskutiert. Wer Kunstgeschichte studiert, beschäftigt sich also täglich mit den schönen Dingen des Lebens. Jedoch auch mit seinen hässlichsten Fratzen. Kunst ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie ist seit Urzeiten ein Mittel, um soziale Umbrüche und politische Prozesse anzustossen, abzubilden und zu hinterfragen. Mal belustigt das Gesehene, mal verstört es, lässt einen nachdenken, weiterdenken. In der Kunst lässt sich Bestehendes verherrlichen, aber auch konterkarieren, Ungesehenes sichtbar machen und Unbekanntes ausprobieren.

Lieblingsfarbe Schwarz
Studierende der Kunstgeschichte sind keine professionellen Modeberater, werden bei einer Einladung zum Abendessen nur ungern über den Wert des Gemäldes über dem Kamin ausgefragt und sind sicherlich die falsche Begleitung für einen Einkaufsbummel in ein gewisses schwedisches Einrichtungshaus unter dem Motto „Welches Bild passt am besten zum Sofa?“.

Was angehende KunsthistorikerInnen umso mehr mögen, ist die Farbe Schwarz. Sie investieren ihr Geld gerne in ein schwarzes Moleskine-Notizbuch und verwenden bei Referaten hauptsächlich schwarze Folien, welche die Bilder besonders gut zur Geltung bringen.

Das Studium der Kunstgeschichte unterscheidet sich eigentlich nicht grundlegend von anderen Fächern der Philosophisch-Historischen Fakultät. Nur räumlich schafft der Seminarstandort direkt neben dem Kunstmuseum etwas Distanz zum Uniquartier. Der Ort bietet jedoch ideale Voraussetzungen für das Studium der Kunstgeschichte. In der Mittagspause lässt sich – dank Gratiseintritt in alle Museen – das eine oder andere Originalwerk bestaunen oder im Hof des Kunstmuseums ein Gelato geniessen.

Und wie geht es nach dem Studium weiter?
Wie bei jedem Studienabschluss ohne genau definierten Berufsbild sind die Möglichkeiten für AbsolventInnen der Kunstgeschichte sehr vielfältig. Kenntnisse über visuelle Komposition sind bei der Arbeit im Museum ebenso gefragt wie bei einem Job beim Fernsehen. Der erlernte Umgang mit Texten kann zu einer Tätigkeit im Journalismus oder Verlagswesen führen. Andere KunsthistorikerInnen gehen in den Kunsthandel oder beginnen mit der Promotion, die für viele begehrte Stellen Voraussetzung ist.

Dank des flexiblen Stundenplans sind längere studienbegleitende Praktika eine tolle Möglichkeit, Kontakte in der Kunstwelt zu knüpfen und den Berufseinstieg zu vereinfachen. Aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen zwar, dass MasterabsolventInnen der Kunstgeschichte mehr Probleme beim Berufseinstieg haben als andere Studienabgänger. Dennoch würden rückblickend 70 Prozent das Studium der Kunstgeschichte erneut wählen. Das entspricht übrigens dem allgemeinen Durchschnitt.

 

Mehr zum Studiengang Kunstgeschichte an der Universität Basel findet ihr hier.

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