«Wie ein Hürdenlauf» – Die Geschichte einer Bachelorarbeit

Ich schlage Seite um Seite um, korrigiere hier und da wieder ein Komma oder einen Formatierungsfehler, drucke nach spätestens zwei korrigierten Seiten diese wieder neu aus und lege sie behutsam zum kleinen Stapel links neben mir. Da liegt sie – meine Bachelorarbeit, die ich letzten Sommer zu schreiben begonnen habe.

Einleitung
Im Schummerlicht spät abends kurz vor der Deadline habe ich schwitzige Hände, bin hungrig und sollte duschen. Ich ignoriere alles und korrigiere konzentriert weiter. Mein Magen zieht sich mit jeder korrigierten Seite etwas mehr zusammen, die Abgabe rückt näher. Was für ein Semester, denke ich mir. Dass ich die Seminararbeit, die für Bachelorstudenten der Deutschen Philologie als Abschlussarbeit gilt, überhaupt fertig schreiben kann, ist irgendwie ein Wunder. Ein, zwei Stolpersteine beim Schreiben einer Arbeit sind ja normal – das hier wurde aber regelrecht zu einem sportlichen Hürdenlauf, den ich mir schlussendlich selbst eingebrockt habe. Damit ihr nicht über dieselben Hürden müsst wie ich, erzähle ich hier die wundersame Geschichte einer Bachelorarbeit und was man alles beachten sollte, damit es auch eine Geschichte wird, die man (mehr oder minder) gerne erzählt oder eben schreibt.

1. Zeit ist Luxus, den man sich selbst schaffen muss
1.1.
Kapazitäten nicht überschätzen
Ich wollte die Arbeit ursprünglich letzten Sommer fertig schreiben, doch eine grosse Prüfung im September hinderte mich daran. Anschliessend hatte ich mir einen Tag in der Woche für das Schreiben der Arbeit während dem Herbstsemester freigeräumt. An Folgendes hatte ich jedoch nicht gedacht: Die ausgewählten Veranstaltungen, die ich besuchte, erforderten enorm viel Zeit. Abgaben von Übungen, Termine mit dem Veranstaltungspartner, Probleme mit dem Stoff, die nicht immer sofort gelöst werden konnten – oder eigentlich gar nie sofort. Und so kam es, dass sich die Arbeit nicht nur in den Sommerferien hinauszögerte, sondern auch während dem Semester.

2. Computercrashs sind Albträume, die wahr werden können
2.1. Backups erstellen

Mein guter alter Kasten: Damit hatte ich bereits die Maturarbeit geschrieben und damals lief das gute Ding auch noch einigermassen flüssig. Doch mit dem Alter kamen immer mehr spontane Abstürze. Er wurde immer langsamer und reagiert inzwischen empfindlich auf grosse Worddateien.

Als er dann einen Memorystick nicht mehr erkannt hat und ich versucht habe, diesen Fehler zu beheben, hat er sich komplett aufgehängt. Einige Schweissausbrüche später konnten mir drei Mitstudenten, darunter zwei Informatiker, aushelfen und immerhin alle Dateien auf einer externen Festplatte sichern. Der Fehler liess sich nicht mehr beheben, weswegen ich Windows komplett neu installieren musste – und alles gelöscht wurde. Von selbst hatte ich lediglich einmal, irgendwann in der ersten Hälfte der Arbeit, ein Backup erstellt. Ich stünde jetzt also ohne Arbeit da, hätten mir meine Mitstunden nicht ausgeholfen.

3. Materialien zur Hand haben, bevor man sie effektiv benötigt
3.1. Vorausplanen

Der Kern meiner Arbeit sollte eine Analyse von zwei Textausschnitten bilden. Doch welche Ausschnitte sich genau eignen würden, stand am Anfang der Arbeit noch nicht richtig fest. Als es dann an die Analyse gehen sollte, wartete ich immernoch auf die Rückmeldung eines externen Experten, der mir Textmaterial empfehlen sollte. Die Antwort liess einige Wochen auf sich warten, weswegen sich – ihr könnt es ahnen – die Arbeit verzögerte. Für mich heisst es zukünftig: Vorausdenken, vorausplanen, ohne Stress arbeiten können.

4. Fazit und Ausblick
Fettnäpfchen sind immer da, drauftreten tut man selbst. Alle beschriebenen Hürden habe ich mir auf die eine oder andere Weise selbst zu verdanken.
Trotzdem bin ich unendlich froh, als ich die letzte Seite fertig korrigiere, den Papierstapel zurechtrücke und in einem Mäppchen für den kommenden Tag bereitlege. Morgen werde ich die Arbeit in der UB heften und dann abgeben. Bestimmt werden mir in den kommenden Tagen noch Dinge einfallen, die ich noch hätte besser machen können. So geht es mir immer. Doch zunächst einmal tue ich das, was nach der Abgabe einer Bachelorarbeit zu tun ist: Duschen, dann essen und dann etwas feiern gehen.

5. Danksagung
Ich bedanke mich bei allen, die mich ausgehalten und mich bei meiner Bachelorarbeit unterstützt haben und speziell bei unserer WG-Kaffeemaschine. Die hat gelitten.

Andjelka Antonijevic

Andjelka Antonijevic studiert Germanistik und Mathematik und fällt regelmässig in kleine Identitätskrisen, wenn sich ein gedehnter Vokal oder aspiriertes 'k' in ihren Aargauer Dialekt verirrt. Sie verbringt viel Zeit beim Stöbern in Brockis, möchte aber eigentlich gerne mehr Kurzgeschichten schreiben. Nach Lernphasen flüchtet sie mit Rucksack und Zelt aus dem Basler Alltag.

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