Wenn das Wühlen im Abfall Spass macht: Containern

Es ist dunkel, das Fahrradlicht flackert, die Person auf dem Velo vor mir sehe ich nur schemenhaft. Ich fahre Stefan* nun schon eine ganze Weile hinterher. „Heute könnten wir erfolgreich sein“, hatte er zuvor gemeint. Er holt regelmässig Lebensmittel aus Containern heraus. Zusammen mit meinem Mitbewohner darf ich bei Stefan mitgehen und erhalte auf unserer Tour einen Einblick in den Kampf gegen Foodwaste.

Dass Stefan regelmässig nach Ladenschluss Container durchsucht, hört sich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig an. Er tut dies aus Überzeugung: Lebensmittelgeschäfte werfen häufig ganze Packungen weg, deren Inhalt man noch gut konsumieren könnte. Meist ist lediglich Einzelnes verdorben oder zerdrückt, oder die Packung hat gerade erst das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Auch wenn die meisten Lebensmittelhändler um Nachhaltigkeit bemüht sind, lassen sich auf Grund der strengen Auflagen für den Verkauf von Nahrung volle Container kaum vermeiden.

Selbst einmal Containern
Beim Containern lässt sich viel Gutes finden, wie ich feststelle. Etwas ausserhalb der Stadt durchsuchen wir mit einer Taschenlampe die Müllsäcke. Natürlich fühlt sich dies zunächst einmal merkwürdig an, ich grabe schliesslich nicht jeden Tag im Abfall. Überraschenderweise macht es aber unheimlich Spass. Der Abfallsack als Wundertüte. Als wir dann nach wenigen Minuten fündig werden, freut sich auch mein Studentenportemonnaie: Mein Mitbewohner und ich können an diesem Abend Pepperonis, Clementinen, Bananen, Eier, Joghurts, Salate und Honig für die WG mitnehmen. Etwas kriminell fühle ich mich dabei schon.

Meine Ausbeute

Meine Ausbeute

Darf ich überhaupt containern?
Die Rechtslage des Containerns in der Schweiz lasse ich mir von einem Professor der juristischen Fakultät kurz erklären. Containern ist erlaubt, solange es sich nicht um Sammelcontainer oder –boxen handelt, zum Beispiel für gemeinnützige Organisationen. Auch das Betreten von eingezäunten oder gesperrten Geländen sowie das Aufbrechen von Schlössern ist tabu. Ganz anders sieht es in Deutschland aus, dort ist das ganze Unterfangen verboten.

Das kleine ABC des Containerns
Stefan betont, dass es beim Containern auch Regeln gibt. Zum einen ist es ein Muss, nach dem Durchsuchen des Containers diesen wieder so zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Vorsicht ist natürlich auch bei der Geniessbarkeit der Lebensmittel geboten: Es bringt niemandem etwas, wenn man eindeutig schlechte Lebensmittel mitnimmt, konsumiert und schlimmstenfalls medizinische Probleme kriegt. Oftmals wird auch gesagt, dass man immer etwas für den nächsten, der beim Container vorbeischaut, zurücklassen sollte. Stefan ist da aber anderer Meinung. „Du hast keine Garantie, dass die Lebensmittel noch vor Abfuhr von jemand anderem gerettet werden. Besser ist es, sie mitzunehmen und in einen Fair-Teiler zu legen.“

Fair-Teiler sind normalerweise kleine Regale, aus denen ihr Lebensmittel rausholen oder reinlegen könnt. In Basel gibt es bereits sieben an der Zahl, meistens gut gefüllt mit Lebensmittel, die auch ohne Kühlschrank eine Weile halten: Obst, Gemüse und Brot. Auf foodsharing.de findet ihr die Standorte der Basler Fair-Teiler. Vieles, was Stefan aus den Containern holt, gibt er auch bei der Schanze ab. Dort werden die Lebensmittel zu einer Mahlzeit verarbeitet und als Mittagessen gegen eine freiwillige Kollekte bereitgestellt. Stefan hofft jedoch, dass er in Zukunft immer öfter bei seiner Suche nach essbarem Abfall leer ausgeht. „Das würde nämlich bedeuten, dass weniger weggeworfen wird.“

Die Schanze

Die Schanze

 

*Name geändert

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