Weihnachtszeit – ein Gedicht

Das Semester neigt sich dem Ende zu und viele Studierende zieht es pünktlich zur Weihnachtszeit gen Heimat. Doch nicht immer verschafft die Reise zur Familie die nach der Prüfungsphase so dringend benötigte Erholung. Frei nach dem Motto «Schlimmer geht’s immer» haben wir den Worst Case in einem kleinen Gedicht zusammen gefasst und hoffen euch mit einem Schmunzeln in die Feiertage zu entlassen.

Weisse Flocken zieren die Luft,
Eilige Schritte durchbrechen den Schnee,
Zimt-, Orangen- und Nelkenduft;
Fest umschlossen in der Hand der Tee

Er nimmt sich einen Schluck,
Sprintet die Treppen hinauf.
Da gehen mit einem Ruck
Schon die Türen auf

Datum, Name und Unterschrift,
Dann die Antwortkreuze im Prüfungsbogen,
Beharrlich führt der Student seinen Stift,
Hat viel gewusst und wenig gelogen.

Alsbald überbringt er die akademische Kür,
der Dozent nimmt sie soeben entgegen,
Da ist der Student auch schon aus der Tür.
Ende Prüfungsphase – Was für ein Segen.

Zuhause zieht er den Rucksack auf,
Die gepackten Taschen fest im Arm,
Mit dem Fahrrad noch eben zum Bahngleis rauf,
Und schnell in den Zug – da ist es warm

Herzlich ist der familiäre Empfang
Und idyllisch leuchtet der Heimatort.
Der Student wirft die Tasche in den Gang
Und seine Sinne tragen ihn fort.

Zur herrlich duftenden Plätzchendose.
Zügig steckt er die Hand hinein.
Beim ersten Bissen haut‘s ihn fast aus der Hose.
„Mama, da gehört Zucker und Salz nicht rein!“

Der Schreck ist verdaut, das Gebäck noch nicht,
Als der Weihnachtsmann den Wohnraum betritt.
Onkel Klaus steckt im Kostüm, fällt vornüber aufs Gesicht;
Scheint viel zu betrunken für einen geraden Schritt.

Sein weisser Bart färbt vom Blut sich rot.
Die Kleinen beginnen schreiend zu weinen:
„Ist der Weihnachtsmann jetzt tot?“
Doch da steht er schon wieder auf den Beinen.

Der Onkel reckt sich, rülpst einmal laut.
Die Tante holt zur Wundkühlung Bier,
Als der Vater verzweifelt zur Mutter schaut:
„Nächstes Mal machen das wieder wir.“

Derart abgelenkt war keinem aufgefallen,
Dass in der Hitze vom lodernden Weihnachtsbaum
Die Christbaumkugeln ganz lustig zerknallen.
Ein wahrhaftiger Feuerwehrmann-Alptraum!

Zum Glück hat Onkel Klaus eine zündende Idee
Und löscht ohne etwas zu sagen
Mit einem Gemisch aus Bier und Jagertee;
Direktexport aus seinem Magen

Die Katastrophe ist vorbei –
Echtwachskerzen sind gestrichen.
Doch die Familie wundert sich,
Der Rauch ist noch immer nicht gewichen?

Da dämmert es ihnen langsam:
Der Rauch kommt aus der Küche.
Und zum Rauch mischt sich ein Schwarm
Stark Verbrannter Essensgerüche

Und so versammelt sich
Zwischen Rauch und LED-Kerzenschein
Die Familie spätabendlich
Bei Lieferdienstpizza und Tankstellenwein

«Welch katastrophales Abendprogramm»,
Mag so mancher sich beim Lesen jetzt denken.
Doch der Student schaut in die Runde von seine Familienstamm
Und denkt sich: „Was besseres kann man gar nicht schenken“

Und obwohl der Baum verkohlt
Und das Essen schwarz verbrannt,
Ist er froh, dass sie ihn hergeholt
Und den Essenstisch bemannt

 

Wir wünschen euch schöne Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr und verabschieden uns in die Weihnachtspause!

Christoph Zäh

Während seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wurde Christoph Zäh klar, dass er seine Zukunft der Arbeit mit Menschen widmen möchte. Das Psychologiestudium soll nun die absolute Erleuchtung bringen. Wenn er sich nicht gerade durch die Statistiken der Welt wühlt oder in Embryonalstellung vor sich hin wimmert, weil Druckertinte jetzt teurer ist als menschliches Blut, dann boxt er sich den Kopf im Boxkeller frei oder sucht sich auf dem Rennrad, mit dem Snowboard oder im Kajak neue Herausforderungen.

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