Was macht eigentlich gute Studierende aus?

Diese Frage habe ich vier Personen gestellt, die in unterschiedlichen Phasen ihres Studiums stecken oder ihr Studium bereits beendet haben. Finde heraus, was sie geantwortet haben und ob auch du den unterschiedlichen Massstäben gerecht wirst.

Jasmin Kälin hat gerade das erste Jahr ihres Pharmaziestudiums absolviert. Ihre Antwort:

Für mich ist ein guter Student jemand, der sein Studium ernst nimmt und nicht eine ‚ich probiere diese Prüfung einfach mal‘ – Einstellung hat. Das bedeutet aber nicht, dass man jede einzelne Vorlesung besucht und alle Prüfungen beim ersten Versuch besteht. Vielmehr ist wichtig, dass man ein gutes Verhältnis zwischen Universität und Freizeit findet, wobei beide Seiten nicht zu kurz kommen sollten!

Nathalie Meier hat diesen Sommer ihren Bachelor in Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Luzern abgeschlossen und beantwortete die Frage so:

Eine gute Studierende kann Verantwortung übernehmen, sowohl beispielsweise über das Zeitmanagement der Lernphasen sowie über die Finanzierung des Studiums. Zudem finde ich, dass gute Studierende das im Studium erlernte Wissen nicht nur auswendig, sondern auch verknüpfen können müssen. Viel wichtiger als die Noten während dem Studium ist, dass man sein Wissen nach dem Studium auf viele Bereiche anwenden kann.

Die nächste Antwort stammt von einer Person, bei welcher das Studium bereits einige Jahre her ist. Ueli Mäder ist emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Basel.

Gute Studierende sind neugierig, kritisch und selbst-reflexiv. Sie wollen Zusammenhänge ergründen und verstehen. Sie fragen, was wichtig ist und möglichst allen ein gutes Leben ermöglicht.

Die letzte Antwort stammt von Joe Burkart, auch bei ihm ist das Studium schon einige Jahre her. Joe hat eine Ingenieurfirma gegründet und mehrere Jahre geführt. Seine Antwort:

Gute Studierende sind:
-wissbegierig und fleissig
-mehr am Stoff als an den ECTS Punkten interessiert
-sich des Privilegs bewusst und dankbar, dass sie studieren dürfen.

Jetzt fehlt noch eine Antwort von einer Person, die am Ende ihres Studiums steht. Das wäre dann wohl ich. Meine Definition von guten Studierenden hat sich im Laufe der Jahre geändert. Zu Beginn meines Studiums dachte ich, dass ich mich als guter Student möglichst intensiv mit dem Vorlesungsstoff auseinandersetzen muss. Denn studieren war ja nun – als frisch gekrönter Student – meine Hauptaufgabe. Da ich den Inhalt der Vorlesungen meistens spannend fand, fiel mir dies zum Glück leicht.

Bei anderen Studierenden war dies jedoch nicht so. Sie fanden den Inhalt der Vorlesungen nicht so spannend oder hatten gerade andere, wichtigere Dinge zu tun (vom Zimmer aufräumen mal abgesehen). Ich merkte schnell, dass diese Studierenden deshalb nicht schlechter waren als ich. Daher habe ich diese Definition relativ bald wieder über den Haufen geworfen.

Es musste also eine neue Definition her, denn studieren umfasst weit mehr als gute akademische Leistungen erbringen. Studieren ist ein Lebensabschnitt, den man nicht auf eine Seminarleistung oder eine Abschlussnote reduzieren kann. Gerade die Vielfalt der durch das Studium eröffneten Möglichkeiten macht eine Definition von guten Studierenden so schwierig. Meine nächste Antwort war eine Reaktion auf diese Schwierigkeit:

Gute Studierende versuchen das Beste aus dem Lebensabschnitt des Studierens und den sich daraus eröffnenden Möglichkeiten zu machen. Zudem sind sie sich auch des Privilegs des Studierens bewusst und haben keine ‚Ich habe keinen Bock‘-Attitüde.

Diese Definition beachtet, dass schlussendlich jeder Studierende für sich selbst klären sollte, was ein guter Studierender ist. Hat man diese Frage für sich beantwortet, sollte man versuchen, ihr bestmöglich gerecht zu werden. Natürlich wird sich die Antwort auf diese Frage während des Studiums ändern, wichtig ist nur, dass man sie sich stellt. Und gegebenenfalls Anpassungen vornimmt.

So kann man am Ende seiner Uni-Karriere auf ein gutes Studium zurückblicken, mit welchem man zufrieden ist und welches man nicht nach externen Masstäben ausgerichtet und beurteilt hat.

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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