Wie ich vom «Null-Bock Schüler» zum Vorzeigestudenten wurde

Während der Zeit am Gymnasium versuchte Dominik meist, möglichst wenig Zeit mit dem Lernen für Prüfungen zu verbringen. Das hat sich im Psychologiestudium grundlegend geändert. Warum, erklärt er in seinem Gastbeitrag: 

Die sechs Jahre am Kollegium St. Fidelis in Stans waren für mich nur ein Zwischenschritt zum eigentlichen Ziel – dem Psychologiestudium. Und der Schlüssel zu diesem Ziel war das Maturazeugnis.

Ich wollte Psychologie studieren, um unser Verhalten zu verstehen. Damals hat mich besonders die Ignoranz der Menschen gegenüber dem Klimawandel beunruhigt. Vom Psychologiestudium versprach ich mir Antworten auf die Frage, wieso uns Menschen dieses nahende Riesenproblem scheinbar egal ist.

Ich glaubte, dass mir der Schulunterricht die Antwort auf diese Frage nicht liefern kann. Deshalb versuchte ich, möglichst wenig Zeit mit dem Lernen für Prüfungen zu verbringen, um stattdessen in meiner Freizeit Antworten auf meiner Meinung nach viel drängendere Fragen zu finden. Diese Attitüde spiegelte sich natürlich auch in meinen Noten wieder. Aber das war mir egal, denn für mein Ziel brauchte ich ja nur die Matura und nicht etwa gute Noten.

Wendepunkt Uni?
An der Uni angekommen, dachte ich, der vermittelte Lernstoff wird mir die nötigen Kompetenzen liefern, um Antworten auf meine Fragen zu finden. Und so wurde ich vom «Kein Bock»-Schüler zum Vorzeigestreber. Ich wollte das Gelernte wirklich verstehen, denn die Antwort könnte überall liegen. Gute Noten waren dabei ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht das eigentliche Ziel.

Man muss nicht Psychologie studiert haben, um zu merken, dass diese Verhaltensänderung etwas mit meinen Zielen zu tun hat. Genauer gesagt mit meiner Zielorientierung. Die Psychologie unterscheidet in der Zielorientierungstheorie zwischen «Lern»- und «Leistungszielen».

Besucht ein Student eine Vorlesung mit dem Ziel, sich neue Fähigkeiten anzueignen und bereits vorhandenes Wissen zu verbessern, verfolgt er ein Lernziel. Ein Leistungsziel zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass man im Vergleich zu einer bestimmten Personengruppe (z.B. seinen Mitstudierenden) besonders gut abschneiden will. Das erworbene Wissen ist dabei nebensächlich und nur ein Mittel zum Zweck (im Vergleich zu den anderen gut abschneiden).

Man wird es ahnen: Lernziele sind gegenüber Leistungszielen zu bevorzugen. Und tatsächlich schnitten Studierenden mit Lernzielen im Vergleich zu Studierenden, welche Leistungsziele verfolgten, besser ab. Sie erzielten bessere Noten und waren nachhaltiger motiviert.

Wie können wir diese Erkenntnisse für uns nutzen? Zuerst müssen wir uns unserer Ziele bewusst werden, denn wir alle verfolgen zu unterschiedlichem Masse sowohl Lern- wie auch Leistungsziele. Da Lernziele nachhaltiger sind, sollten wir vor allem in diese investieren.

Wie meine «Null-Bock-Schüler» zu Vorzeigestudent-Transformation zeigt, sollten wir dabei sicher stellen, dass unsere Hauptaktivitäten kongruent sind mit unseren Lernzielen. Denn die oben genannten Vorteile von Lernzielen gelten nur für Aktivitäten, welche unser Lernziel direkt unterstützen.

Die Art dieser Aktivität, solange sie uns unserem Lernziel näherbringt, spielt dabei keine Rolle. So merkte ich nach drei Jahren studieren, dass das Psychologiestudium auch nicht der heilige Gral für meine Fragen ist. Deshalb investiere ich nun mehr Zeit und Energie in ausseruniversitäre Projekte. Mein Lernziel blieb dasselbe, aber die Tätigkeiten, mit denen ich dieses erreichen will, änderten sich. Aber die Zugkraft, das Motivationspotential von meinem Lernziel, blieb bestehen. Und so bin ich auch heute so motiviert wie eh, dieses Ziel zu erreichen. Klimawandel, zieh dich warm an!

Was sind Eure Lernziele und wie versucht ihr diese zu erreichen?

2 Kommentare

  1. Dennis Weber
    Fr, 13. Oktober 2017 / 16:37 Uhr

    Lese ich richtig, lieber Dominik,
    Du hast Dir also eine mittelmässige Matura und ein abbrechendes Psychologiestudium angeeignet? Nun, das klingt mir nicht wie eine gute Empfehlung für jetzige Schüler_innen und Student_innen. Vielleicht liegt das daran, dass man auch für übergeordnete Ziele nie weiss, wann ein bisschen Wissen in dem Einen oder Anderen Bereich noch nützlich sein kann. Wir sind uns einig, dass Lernziele die besseren Ziele sind, aber ich glaube nicht, dass Dich eine monothematische Hauptaktivität zum Vorzeigestudenten macht. Vielmehr denke ich, dass Student_innen und Schüler_innen ihre Zeit nutzen sollten, auch mal links und rechts zu schauen. Denn wer weiss schon, ob sich das jahrelange Lernziel schliesslich als der heilige Gral herausstellt.
    Herzlich, Dennis

  2. Dominik Meier
    Di, 17. Oktober 2017 / 22:39 Uhr

    Lieber Dennis, vielen Dank für deinen Kommentar!
    Du hast mich nicht ganz richtig verstanden, aber grundsätzlich sind wir uns wohl einig. Du hast recht, auch für übergeordnete Ziele weiss man nie genau, wann ein bisschen Wissen in dem Einen oder Anderen Bereich noch nützlich sein kann. Genau das meinte ich, als ich schrieb, dass das Psychologiestudium auch nicht der heilige Gral für meine Fragen sei. Ich merkte zum Beispiel, dass menschliches Verhalten auch stark von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmt wird.
    Um meinem Lernziel (uns Menschen und unser Verhalten zu verstehen) näher zu kommen, müsste ich also auch diesen Aspekt verstehen. So Begann ich im dritten Semester zusätzlich zum Psychologiestudium noch ein Wirtschaftsstudium. Die Motivation dafür schöpfte ich aus meinem Lernziel.
    Das Psychologiestudium blieb dabei aber immer meine erste Priorität, von Abbruch ist also keine Rede. Denn auch da stimme ich Dir zu, eine gewisse Kontinuität in der Zielverfolgung ist sehr wichtig. Die Frage, ob denn das verfolgte Lernziel wirklich das «richtige» ist, Masse ich mir nicht an zu beantworten. Ich wollte lediglich aufzeigen, wie man Lernziele für sich nützen kann.
    Herzlich,
    Dominik

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