Was bringen Studienwahltests?

Psychologie, Wirtschaft oder doch lieber Jus? Für viele ist die Wahl des Studiums keine einfache Entscheidung. Studienwahltests sollen da Klarheit schaffen. Ob die Tests diese Versprechen halten können, weiss Markus Diem, Leiter der Studienberatung der Universität Basel.

Kühe können fliegen, weil sie Flügel haben. Vögel haben keine Flügel. Also können Vögel nicht fliegen. Ob diese Konklusion stimme, will der Studienwahltest von mir wissen. Es ist schon spät, gut zwei Stunden sitze ich nun schon vor meinem Laptop und beantworte Fragen, um schlussendlich zu erfahren, ob ich denn auch wirklich das Richtige studiere.

Mit der Dauer des Tests wächst auch die Angst davor, dass dies laut bevorstehendem Resultat nicht der Fall sein könnte und ich dann wohl oder übel den Studiengang wechseln müsste. Dementsprechend gespannt klicke ich nach Beendigung des Tests auf «Resultate anzeigen». Psychologie steht auf dem ersten Platz, Wirtschaftswissenschaften mit gut neun Punkten Rückstand immerhin noch auf Platz vier. Philosophie steht auf Platz zwei und hat mich, wenn ich nun so darüber nachdenke, auch ursprünglich mehr interessiert als Wirtschaftswissenschaften. Wären da nur nicht die etwas unsicheren Berufsaussichten. Und genau dieser Punkt könnte die Abweichung in den Resultaten erklären.

Das Thema Berufsaussichten wird von solchen Tests nämlich häufig nicht erfasst. «Studienwahltests zielen in der Regel auf die Interessen und Fähigkeiten. Dies ist aber nur einer von vier Punkten, die für die Studienwahl wichtig sind. Der zweite Aspekt ist der Beruf, der aus dem Studium resultiert. Nur bei wenigen Studiengängen ist der anschliessende Beruf schon mehr oder weniger definiert. Da die Berufsmöglichkeiten nach Abschluss eines Studienganges häufig so vielfältig sind, ist das Thema Beruf ein entscheidender Faktor. Dieser wird aber von Studienwahltests meistens nicht abgedeckt oder kann gar nicht abgedeckt werden», erklärt Markus Diem.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Struktur des Studiengangs und die damit verbundene Art der erforderten Fähigkeitserbringung: «Bei Phil I-Studiengängen müssen die Studierenden vor allem Arbeiten schreiben. Im Medizin- und Psychologiestudium muss man hingegen viel auswendig lernen und dieses Wissen dann bei Multiple-Choice-Prüfungen abrufen können. Passt die durch das Studium geforderte Fähigkeitserbringung nicht zu einem selbst, führt das zu Problemen», führt Markus Diem aus. Auch die Struktur des Studiums sei wichtig. Gibt es viele Präsenzzeiten? Wird der Stoff vor allem durch Vorlesungen oder Seminare vermittelt?

Zudem ist für die Studienwahl die Persönlichkeit entscheidend. «Jedes Studium hat seinen eigenen Groove. Schlussendlich sollte man sich also auch mal in eine Vorlesung setzen und schauen, wie das dort so ist,» rät Diem. Nur so findet man heraus, ob die zukünftigen Kommilitonen und der Groove zu einem passen bzw. ob man sich zumindest damit arrangieren könne.

Studienwahltests als Ideenfinder
Aus diesen Gründen sollte man sich also nicht blind auf die Resultate solcher Tests verlassen. «Studienwahltests sind optimal, um auf Ideen zu kommen. Diese kann man dann näher überprüfen kann. Solche Tests sind also ein sehr guter Einstieg in die Entscheidungsfindung. Deshalb sollte man auch mehrere machen und man sollte auf keinen Fall denken, dass Platz eins dann auf jeden Fall gewählt werden muss», so Diem weiter.

«Wenn man sich dann über die durch den Test entstandene Vorauswahl genauer informiert hat, sollte man nach seinem Bauchgefühl entscheiden. Dabei ist es wichtig, dass man die Komplexität der Studienwahl aber zuerst zulässt. Dann muss man darauf vertrauen, dass unser Hirn aus dieser Komplexität eine Haltung entwickelt, welche sich dann im Bauchgefühl widerspiegelt.» Dieser Rat deckt sich auch mit dem von Renato Frey, einem Entscheidungsforscher an der Universität Basel (hier geht’s zum Artikel).

Was, wenn die Wahl doch nicht passt?
Lara Babbi, Psychologiestudentin an der Universität Basel, schreibt ihre Masterarbeit zum Thema Leidenschaft im Studium. In einer Onlineumfrage hat sie Teilnehmende unter anderem gefragt, ob sie den Studiengang schon einmal gewechselt haben und falls ja, was der Grund dafür sei. Gut 246 Studierende haben an der Umfrage teilgenommen, davon studieren 164 an der Universität Basel. Gut ein Viertel der Teilnehmenden hat den Studiengang bereits einmal gewechselt. Als Begründung wurde meist ein mangelndes Interesse angegeben: „Es hat mir nicht so gefallen, wie ich gedacht hatte.“ , „Kein Interesse am damaligen Studienfach“ , „Zu wenig Interesse für das Studium“ sind einige Beispiele.

Es ist also gar nicht so selten, dass die Erstwahl nicht passt. Markus Diem rät in solch einer Situation zu einem Studiengangwechsel. «Mit der Erstwahl heiraten sie nicht. Dank dem Kreditpunktesystem kann man sich bei einem Studiengangwechsel nach einem Jahr zumindest einen Teil der schon geleisteten Kreditpunkte anrechnen lassen.» Der Rat von Markus Diem lautet deshalb: «Auch im Zweifelsfall einfach mal mit etwas anfangen. Falls man dann nach einem Jahr wirklich merkt, dass es doch nicht das Richtige ist, sollte man dann aber auch tatsächlich wechseln. Mit dieser Sichtweise haben Eltern häufig Mühe. Dumm wäre jedoch, wenn man nach einem Jahr merkt, dass man im falschen Film ist und trotzdem bis zum Bachelor weitermacht. Denn dann gibt es beim Wechseln wirklich einen Verlust.»

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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