Geld oder Leben?

Woran soll man sich bei der Wahl des Studienfaches eigentlich orientieren? Am Einstiegslohn? Oder ist die Begeisterung fürs Fach ausschlaggebend?

Jedes Mal, wenn wir uns zwischen verschiedenen Studienfächern oder Jobs entscheiden müssen, tauchen ähnliche Fragen auf. Was ist wichtiger, eine gute berufliche Perspektive oder Freude am Thema? Lohnt es sich, für einen spannenden Studiengang auf einen Teil der doch so wertvollen Freizeit zu verzichten? Schliesslich sind wir nie mehr so jung und fit wie jetzt. Und Zeit für Freunde und Sport muss doch wirklich sein. Oder? Angesichts der teuren Hobbys wäre es aber schon auch wichtig, bald mal mehr Geld zu verdienen. Durchstarten kann man am besten jetzt und später vielleicht nicht mehr. Und überhaupt ist doch das Wichtigste, später mal Teilzeit arbeiten zu können. Oder spielt das Arbeitszeitmodell keine Rolle, solange man eine richtig spannende, herausfordernde Aufgabe hat?
Dass einfache Fragen so kompliziert sein können! Denn es geht ja nicht nur ums Fach, sondern darum, was glücklich macht. Finanzielle Sicherheit und Luxus? Freunde und Freizeit? oder Liebe zu dem was man macht?

Der Studienberater Markus Diem ist praktisch täglich mit solchen Fragen konfrontiert. Er findet, DAS richtige Kriterium für die Studienfachwahl gäbe es sowieso nicht. Es wäre falsch zu sagen, Begeisterung fürs Fach sei das wichtigste Argument. Wenn jemand grossen Wert auf einen gehobenen Lebensstil legt, dann könne es durchaus sinnvoll sein, dass der spätere Lohn stärker gewichtet wird als das inhaltliche Interesse.

Ich zieh mir doch kein Hemd an für die mündliche Prüfung!
Markus Diem betont aber, dass die Studienfachwahl nicht auf ein Abwägen zwischen persönlichen Interessen und beruflichen Perspektiven reduziert werden dürfe. Es gibt noch andere entscheidende Fragen zu klären. Wichtig sei zum Beispiel, dass die Struktur des Studiums den persönlichen Fähigkeiten entspricht. In den Geisteswissenschaften ist viel Eigenverantwortung gefordert und das kann den Chaotinnen und Chaoten zum Verhängnis werden. Aber auch das Auswendiglernen im Medizinstudium liegt nicht allen gleich gut.

Und dann kommt noch ein weitere wichtiger Punkt: Nämlich, dass man sich im jeweiligen Umfeld wohl fühlt. Die Wirtschaftswissenschaften ziehen andere Menschen an als Altertumswissenschaften. Darauf muss man gefasst sein. Wer sich nicht damit abfinden kann, sich für die mündlichen Prüfungen schick anziehen zu müssen, der solle sich das mit dem Jus-Studium noch einmal überlegen, so der Studienberater.



Interessen, Fähigkeiten, spätere berufliche Möglichkeiten, das soziale Umfeld, die Struktur des Studiums – alle diese Dinge müsse man in Betracht ziehen, so Diem und einen Kompromiss suchen, der möglich gut zu einem passt. Primär setzt so eine Entscheidung also ziemlich viel Wissen voraus. Einerseits muss en détail geklärt werden, welche Fähigkeiten das Fach verlangt, wie gelernt wird, was gelernt wird und wie sich das Ganze überhaupt anfühlt. Und dann muss man natürlich auch wissen, worauf man selber im Leben Wert legt. Womit wir dann wieder bei der Einstiegsfrage wären.

Der Studienberater weiss aber auch hier weiter: Man solle einfach so viel wie möglich selber ausprobieren: Praktika machen, sich in eine Vorlesung rein setzen, mit Leuten aus den verschiedenen Fächern sprechen, zur Studienberatung gehen, den Infotag besuchen. Und dann, wenn man das alles gemacht hat, auf das Bauchgefühl vertrauen.

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