Weshalb mein Studienfachwechsel eine meiner besten Entscheidungen war

Bist du dir nicht sicher, ob du das richtige Studienfach gewählt hast? Dann bist du nicht allein! Über die Hälfte aller Studierenden schliessen ein anderes Studienfach ab, als sie angefangen haben. Auch ich habe mein Fach gewechselt. Rückblickend war das eine meiner besten Entscheidungen.  

Bevor wir das Studium beginnen, wissen wir nicht genau, was uns erwartet. Es fühlt sich eher an wie der Sprung ins kalte Wasser. Wir klicken uns durch die gefühlt hundert Bachelorstudiengänge und versuchen uns für einen oder vielleicht zwei davon zu entscheiden. Im September, pünktlich zum Studienbeginn, wird man dann schon am ersten Tag mit vielen neuen Eindrücken überhäuft. Neue Stadt, neue Menschen, neue Atmosphäre: Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Der Schein trügt
Ich entschied mich für ein Studium der Sozialwissenschaften an einer anderen Universität. Dieser Studiengang behandelt Themen der Soziologie, der Politik und der Medien. Das erste Semester und der Universitätsalltag gefielen mir gut: Ich konnte meine Zeit individueller einteilen und fand schnell Freunde. Schon im zweiten Semester kamen jedoch erste Unsicherheiten auf. Das Einführungsjahr hat mir zu schaffen gemacht. Ich hatte immer mehr Schwierigkeiten zu folgen und mein Interesse gegenüber den Vorlesungen schwand. Es ist nicht so, als hätte ich nicht alles versucht: Ich habe Lerngruppen gesucht, Nachhilfe genommen, doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass meine Bemühungen keine Erfolge bringen.

Wie soll es weiter gehen?
Ich dachte sehr viel über meine Zukunft nach und fiel jeden Tag kaputt ins Bett. Tief in meinem Inneren hatte ich die Entscheidung zu wechseln schon lange getroffen, konnte es mir aber noch nicht ganz eingestehen. Ich hatte immer das Gefühl, es wäre eine Art von Versagen, wenn ich das Studium abbrechen oder wechseln würde. Heute weiss ich, dass das keineswegs der Fall ist. Markus Diem, Leiter der Studienberatung an der Universität Basel, hat mir erklärt: «Heutzutage studiert die Mehrheit der Studierenden nicht das fertig , was sie angefangen haben.»

Mir persönlich hat es sehr geholfen, Gespräche mit Freunden und meiner Familie zu führen. Am meisten hat mir allerdings das Gespräch mit Menschen geholfen, die schon einmal in einer ähnlichen Situation waren. Einige merken es gleich zu Beginn, bei anderen dauert es etwas länger.

Das rät der Experte
Im Kindesalter sagt man uns, wir sollen auch einmal etwas durchziehen und nicht vor jeder Herausforderung wegrennen, sonst wird aus uns nie etwas. Markus Diem meint hingegen: «Im Studierendenalter kann es jedoch sinnvoll sein, flexibler vorzugehen.» Wenn einem das Studienfach nicht gefällt,ist es nicht immer ratsam sich durchzuboxen. «Wichtig ist, dass man nicht aus einer Laune heraus das Studium hinschmeisst», rät Diem und weiter: «Der Entscheid zu wechseln sollte gründlich durchdacht sein.»

Wenn man bereits an der Uni immatrikuliert ist, so hat man grundsätzlich die Möglichkeit (fast) jede Veranstaltung zu besuchen, die einem interessiert. Dieses Angebot sollte man nutzen, legt mir der Leiter der Studienberatung nahe, um ein Gespür für Fächer zu bekommen, die man vielleicht vom Gymnasium noch nicht kennt.

Viele haben auch Angst davor, dass sich ihr Studium bei einem Wechsel unnötig in die Länge zieht. Dank dem Bologna-System kann man aber versuchen, seine Kreditpunkte übertragen zu lassen. Wenn man in einem sehr ähnlichen Feld weiterstudiert oder es einen Bereich mit freien Leistungen gibt, sollte dies kein Problem sein. Der Wechsel muss also nicht zwingend zu einer Verlängerung des Studiums führen.

Ich studiere mittlerweile seit einem Jahr an der Universität Basel. Mit meinem Medien- und Politikwissenschaftsstudium bin ich sehr zufrieden und froh, dass ich noch rechtzeitig gewechselt habe. Die Fächerkombination erfüllt meine Erwartungen ans Studium – und das ist schliesslich das Wichtigste.

Romina Gilgen

Den Kleiderschrank voller Polaroids, weil Momente festgehalten werden wollen und weisse Schränke sowieso zu langweilig sind. Romina sieht das Leben als wunderschönes Chaos, mit all seinen Höhen und Tiefen und doch in seiner Gesamtheit wunderschön. Um ihre Neugierde zu stillen, bereist sie die ganze Welt, sofern es ihr Budget erlaubt. Ihre unerschöpfliche Inspirationsquelle ist die Erde, mit all ihren interessanten Menschen und den Wundern der Natur.

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