Warum ich nicht mehr auf mein Velo verzichten möchte

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Im Nachhinein frage ich mich, wieso ich so lange gewartet habe. Wieso habe ich mir erst nach drei Jahren in Basel ein Velo zugelegt? Wieso all diese Stunden im vollgestopften 30er Bus? Wieso das Warten in Eiseskälte, weil es mal wieder zu einer Störung der Linie 8 kam? Wieso diese Momente der Verzweiflung, wenn man abends nach einem kurzen Sprint an der Haltestelle ankommt und den letzten Bus um die Ecke biegen sieht? Heute weiss ich: Das Velo verschönert und erleichtert in Basel das Leben. Meine sieben Gründe fürs Velofahren in Basel:

1. Mit dem Velo ist man schneller.
Wie unsere Bloggerin Manuela schon festgestellt hat, ist Basel eine langsame Stadt, wenn man sich auf den ÖV verlässt. Da ist das Velo vor allem für Langschläfer ein Pluspunkt. Die Vorlesung beginnt schon in 15 Minuten? Kein Problem! Auch wenn man in Kleinbasel wohnt, schafft man das noch, wenn man sich schnell auf den Sattel schwingt. Mit dem Bus oder Tram wird das schwierig. Wor allem, wenn man noch 7 Minuten warten muss. Und wach wird man auf dem Velo auch.

2. Mit dem Velo ist man flexibler.
Spontane Planänderung? Mit dem Velo kein Problem. Alles ist in Reichweite. Wenn die Lieblingsbar schon voll ist, fährt man einfach ein paar Strassen weiter und sucht sich dort ein Plätzchen.

3. Nachts ist das Velo Trumpf.
Überhaupt: Was macht man eigentlich nachts ohne Velo? Die Nachtbusse fahren so selten, dass man meist zu Fuss schneller ist.

4. Mit dem Velo sieht die Stadt anders aus.
Wen man mit dem Velo unterwegs ist, hat man eine andere Sichtweise. Man lernt nicht nur, wie man am geschicktesten Strassen mit vielen Ampeln umfährt. Man entdeckt so manchen Ort, der einem durch die Tramfensterscheibe nie aufgefallen wäre. Nicht nur, weil man andere Strecken fährt, sondern wegen des anderen Blickwinkels.

5. Velofahren spart Geld.
Ja, man muss einmal investieren. Dafür spart man sich dann aber das U-Abo. Und billiger als Benzin ist die Luft zum Reifenaufpumpen allemal.

6. Mit dem Velo verlangsamt man den Klimawandel.
Man spart nicht nur Geld, sondern auch CO2. So kann man vollkommen reinen Gewissens raus ins Grüne fahren und die Stadtluft hinter sich lassen.

7. Velofahren hält fit.
Mit dem Velo ist man in vielerlei Hinsicht gesund unterwegs. Man trainiert diverse Muskeln, stärkt die Abwehrkräfte und das Kreislaufsystem. Ausserdem sorgt die gute Sauerstoffversorgung des Gehirns für eine Verbesserung der Gehirnaktivität. Das kann dabei helfen, wenn man morgens im Kopf nochmal den Klausurenstoff durchgehen will. Besser zumindest als eingeklemmt zwischen miefenden Menschenmassen.

Kurz gesagt, Velofahren macht nicht nur Spass, es bietet auch noch jede Menge weitere Vorteile. Wenn jetzt nur noch das passende Velo fehlt, schau doch mal am Marktplatz vorbei. Ausserdem lohnt es sich, die Augen nach Plakaten offen zu halten. Immer wieder gibt es Velomärkte in Basel, wo man so manches Schnäppchen ergattern kann.

Wenn man dann endlich im Besitz des gewünschten Drahtesels ist, fehlt nur noch die passende Ausrüstung. Ich bin inzwischen für jedes Wetter gerüstet: Mit Handschuhen und dichter Regenjacke bleibt man auch im Winter kuschlig warm. Ich würde euch übrigens auch ein funktionierendes Licht empfehlen. Denn je nachdem, wo man ohne Licht erwischt wird, erhält man eine Busse von 20 – 60 Franken. Übrigens können auch mangelhafte Reifen (20 Franken), fehlende Reflektoren (40 Franken) und eine fehlende Glocke (20 Franken) geahndet werden. Im Falle eines mangelhaften Bremssystems bekommt man glatt ein ordentliches Strafverfahren angehängt. Da lohnt es sich, das Velo dementsprechend gut auszustatten, obwohl die Basler Polizei manchmal auch ein Auge zudrückt.

Alles in allem ist Velofahren im Vergleich zu anderen Städten wirklich eine Freude: Wenig bergige Strecken, viele Velostreifen und viele Veloparkplätze. Noch hat Basel es zwar nicht unter die Top 20 der fahrradfreundlichsten Städte der Welt, aber ich bin zuversichtlich. Was ich persönlich noch toll fände, wäre die Möglichkeit für Besucher, sich gratis Velos auszuleihen, wie das inzwischen in vielen anderen europäischen Städten gang und gäbe ist. Und bei der Leihstation hat man natürlich auch die Möglichkeit, die Reifen aufzupumpen und die Kette zu ölen. Und als nächstes kommen dann die geneigten Mülleimer wie in Kopenhagen, so dass man nicht anhalten muss, um das Sandwichpapier zu entsorgen. Na dann, gute Fahrt!

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1 Kommentar

  1. Lukas
    Di, 26. Januar 2016 / 18:14 Uhr

    Danke für den Beitrag. Ich habe nach einer Woche Studium aufs Velo umgestellt. Es lohnt sich wirklich. Bei mir gibt es täglich eine halbe Stunde mehr Schlaf ;-)

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