Warum du auch beim Lernen auf die richtige Hygiene achten solltest (und nein, damit ist nicht Händewaschen gemeint)

Student*in zu sein ist ein Privileg. Lernen ist ein Privileg. Doch wenn die Deadline immer näher rückt oder schlicht die Muse fehlt, kann das Lernen eine richtige Belastungsprobe sein. Schliesslich muss auch Lernen gelernt sein! Wie du besser durch deine nächste Prüfungsphase kommst und dabei nicht vergisst, wie sich ein Sonnenstrahl auf deiner Haut anfühlt, liest du hier:

Diesen Herbst schreibe ich mein Staatsexamen in der Medizin. Dafür gibt es einen 100-Tage-Lernplan von Amboss, den praktisch alle Medizinstudierende befolgen. 100 Tage sind fast ein Drittel des Jahres, gefüllt mit täglichem Lernen. Das ist ein Marathon und auf einen Marathon muss man sich gut vorbereiten:

Weitsicht führt zur Einsicht
Die Planung ist das A und O beim Lernen. Nicht die Augen verdrehen! Wenn du weisst, wieviel Selbststudium und Vorlesungen du hast und die Prüfungstermine kennst, kannst du dir zu Semesterbeginn einen groben Lernplan anlegen. Diesen kannst du natürlich im Verlauf immer ein wenig flexibel anpassen. So behältst du den Überblick, wann du anfangen solltest intensiver zu lernen und in welchen Phasen des Semesters du mehr Zeit mit deinen Freunden, deiner Familie oder deiner beeindruckenden Briefmarkensammlung verbringen kannst, ohne dass du am Ende mit dunklen Augenringen vor der Prüfung sitzt. So kannst du das schlechte Gewissen hinter dir lassen und deine Zeit mehr geniessen! Carpe diem!

Rhythm is a dancer
Horche in dich hinein und beantworte diese Frage ganz ehrlich: Bist du eine Nachteule oder eine Lerche? Denn deinen inneren Rhythmus musst du beherzigen. Es hilft dir nicht, wenn du um 08:00 Uhr morgens verschlafen und müde in der Bibliothek sitzt, nur weil sie um diese frühe Stunde die Tore für alle Wissbegierigen öffnet. Wenn du mich fragst, sollte die Bibliothek sowieso 24 Stunden am Tag geöffnet sein, damit auch die Nachteulen in ihren Genuss kommen. Wie dem auch sei: Wer nicht ausgeschlafen ist, kann auch nicht lernen. Darum braucht es einen guten Rhythmus!

Wieso also als Nachteule nicht erst um 11:00 (oder noch viel später) aufstehen, als erstes etwas mit Freunden unternehmen und dann um 17:00 Uhr anfangen zu lernen, weil das Gehirn vorher sowieso nicht mitmachen möchte? Es braucht eine gewisse Gelassenheit, um den Tag seinem eigenen Rhythmus anzupassen. Aber wie viele Stunden sind wir nicht schon am Schreibtisch gesessen, haben den gleichen Abschnitt zehn Mal hintereinander gelesen und immer noch nicht verstanden, was diese Wörter miteinander zu tun haben? Dann ist es Zeit eine Pause einzulegen, sich die Beine zu vertreten, mit der WG zu kochen oder einfach ein Nickerchen zu machen. Du kannst ja dann wieder richtig loslegen, wenn dein Kopf gelüftet ist!

Lernhygiene
Hygiene bedeutet soviel wie Erhaltung und Förderung der Gesundheit. Dies sollte man natürlich auf ganz viele Bereiche des Lebens anwenden, auch auf die Bildung. Es braucht eine gewisse Lernhygiene, damit man die Lernphase durchhält und auch nachhaltig lernt. Den Rhythmus haben wir bereits angesprochen: Respektiere deine Vogelspezies. In deinem Rhythmus braucht es aber auch eine Regelmässigkeit. Es braucht genug Schlaf, eine gesunde Ernährung, Bewegung und Ruhe. Wie sieht das denn konkret aus? Hier ein paar Tipps:

– Wenn du dich entschlossen hast zu lernen: Handy weglegen! Jedes Mal wenn du auf dein Handy schaust, brauchst du 15 (!) Minuten, um dich wieder voll auf den Lernstoff zu konzentrieren.

– Plane Pausen mit ein. Stelle dir in der ersten Lernsession einen Wecker auf zum Beispiel zwei Stunden. Danach machst du eine 15-minütige Pause und die nächste Lernphase ist dann ein wenig kürzer, vielleicht eine Stunde, bis du wieder 15 Minuten Pause machst. So bist du viel effektiver! Das ist meine Technik, es gibt aber noch viele andere, wie zum Beispiel die Pomodoro-Technik, die dein Lernen positiv beeinflussen können!

– Mache dir einen Kalender, wo du die Lerntage durchstreichen kannst, nachdem du sie abgearbeitet hast! Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl!

– Wenn du nach einer Zeit lang das Gefühl hast, vor dem Bildschirm einzuschlafen, stehe auf und bewege dich! Es kann auch eine kurze Sportsequenz sein. Zum Beispiel: Jeden Tag um 10:00 Uhr (inzwischen habe ich die ganze WG davon überzeugt mitzumachen) einmal ‚Bring Sally Up‚ durchziehen. Da singt jemand dreieinhalb Minuten lang ‚Bring Sally up, Bring Sally down‘, wozu man je nach Lust und Laune Liegestütze oder Squats ausübt. Danach brennen die Beine, man könnte Bäume ausreissen und hat mehr als genug Blut im Gehirn, um sich wieder eine Stunde zu konzentrieren!

– Wenn es gar nicht geht an einem Tag: Die ganze Übung abbrechen und einfach einmal rausgehen. Im Allschwiler Wald spazieren gehen oder in den Langen Erlen die Tiere anschauen. Das ist präventiv gegen Burn-Out und wird in Japan unter der Bezeichnung ‚forest therapy‘ sogar von der Krankenkasse übernommen. Einige Stunden oder gleich den ganzen Tag durchatmen, tief ein und aus. Im schlimmsten Fall einfach nach Japan auswandern.

– Genug und gesund essen. Wer nur schnell resorbierbare Kohlenhydrate in Form von Schokolade ist, hat nach einigen Minuten schon ein Zuckerloch. Mir ist sehr bewusst, dass ich mich anhöre wie deine Grosseltern und Eltern zusammen, aber um durchhalten zu können, musst du essen, was Duracell-Häschen eben so naschen: Karotten!

– Richte dir deinen Arbeitsplatz zu Hause schön ein! Mit Pflanzen oder Duftkerzen, einem Poster deiner Lieblingsband, etc. . Am Anfang meiner 100 Tage habe ich erst einmal sieben Tage lang mein Zimmer umgestellt, bevor ich mich mit Medizin befassen konnte. An deinem Lernort sollst du dich schlicht und einfach pudelwohl fühlen!

– Belohne dich für die harte Arbeit und zwar regelmässig! Kaufe dir noch eine Briefmarke, mache eine Fahrradtour oder beglückwünsche dich einfach laut selbst. Ja, das habe ich auch schon gemacht.

«Alle Dinge sind schwer, bevor sie leicht werden.»
Thomas Fuller hat das gesagt und hat in meinen Augen absolut recht. Aller Anfang ist schwer, bis man richtig in Schwung gekommen ist, den Dreh raus und seinen Rhythmus gefunden hat. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spass beim Lernen, denn wenn es einem gut geht, versteht man das Privileg des Lernens. Dann ist man Feuer und Flamme, gibt sein Bestes und nichts kann dich stoppen.

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

1 Kommentar

  1. J.
    Fr, 16. April 2021 / 11:15 Uhr

    Dieser erfrischende und motivierende Blog-Beitrag kommt genau zum richtigen Zeitpunkt! Danke :-D

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