Vom Schulzimmer in den Vorlesungssaal

Als ich am Mittwochmorgen in den Vorlesungssaal trete und in der drittvordersten Reihe Platz nehme, habe ich irgendwie das Gefühl falsch zu sein. An die fünfzehn Studierende hocken etwa zwei Reihen hinter mir und links von mir starrt ein älterer Mann mit weissem, schütterem Haar gebannt auf die Projektion an der Wand.

Ich packe meine Unterlagen aus, die ich mir am Morgen noch schnell zusammengesucht hatte. Darunter das Dokument, welches ich für die Stunde gelesen, wenn auch nicht unbedingt verstanden hatte, einen Notizblock und einen Druckbleistift. Probehalber drücke ich auf den Knopf des Minenstifts, doch nichts passiert. Hektisch öffne ich das Gehäuse und untersuche das Problem. Und hier hab ich es ja schon: Die dünne Mine ist in tausend kleine Stückchen zerbrochen! Ich blicke mich um, aber mein Mut reicht nicht, jemand anderen um einen Stift zu fragen. Notgedrungen klemme ich also ein Bruchstück dieser filigranen Mine zwischen Daumen und Zeigefinger und warte gespannt auf den Start der Vorlesung.

Die Dozentin hat sich derweil vorbereitet und blickt startbereit in die kleine Runde. Ich bin froh, nicht von ihr vorgestellt zu werden, denn bereits so spüre ich, wie sich die Blicke der Studierenden zwischen meine Schulterblätter bohren. Stattdessen gibt sie einen Zettel herum, auf dem man sich einzutragen hat. Wenn ich schon mal hier bin, setze auch ich meine Unterschrift auf das Blatt. Dann beginnt die Dozentin ihren Vortrag, welcher von Sprachentwicklung im Verlauf der Geschichte handelt. Die Begriffe werfen sich mir nur so entgegen: Hydronyme, indogermanisch, illyrisch, Suffixe und Rekonstruktionen.

Es ist interessant sich einmal auf solch ein völlig neues Thema einzulassen, doch auf eine andere Art ist es auch sehr anstrengend. Ich hänge an den Lippen der Dozentin, verliere aber leicht den Halt.

Als die zwei Stunden vorbei sind, fühle ich mich gerädert. Es ist nicht ganz einfach den schnellen Gedankengängen zu folgen, die einen mitnehmen auf eine Reise weit in die Vergangenheit. Die Thesen wackeln noch und wehren sich heftig gegen die ihnen zugedachte Aufgabe, die man ihnen überziehen möchte. Widersprüche tun sich auf, welche man überwinden muss. Es ist so ganz anders als in der Schule, wo man die Fakten mundgerecht zugeschoben bekommt. Hier muss man kritisch an den Grundsätzen kauen. Auch ist es schwerer aufmerksam zu bleiben, ohne Interaktion mit den Zuhörern.

Dennoch war es interessant zu sehen, was in zwei Jahren auf mich zukommen wird.

Sarah Altenaichinger,16, studiert (noch) nicht. Sie ist Schülerin am Gymnasium am Münsterplatz. In ihrer Freizeit tritt sie an Poetry Slams auf, spielt Klavier und liebt das Theater. Eine Woche lang hatte sie die Gelegenheit, die Universität Basel genauer unter die Lupe zu nehmen.

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