Uniwyy Basel: «Zum Wohl!»

Bild: zVg | Uniwyy Basel

Dienstag Abend, 19:30, ich stehe vor dem Eingang der Verso Bar. Heute dringen mir beim Anstehen weder Bravo Hits noch eine grölende, erheiterte Menschenmenge aus der Türritze entgegen. Es ist angenehm ruhig. Die Leute in der Warteschlange sind nüchtern. Für einmal steht sogar mein Name auf einer Liste und nach dem Nennen eben jenes, werde ich empfangen mit: «Häärzlich willkomme be Uniwyy Basel!»

Uniwyy Basel ist eine Gruppe von fünf motivierten Studenten mit dem Ziel, den Wein unter ihre Kommilitonen zu bringen. Gesprossen ist die Idee bei kleinen Degustationen im privaten Rahmen: Jeder brachte eine Flasche mit und konnte sich ein Gläschen aller vorhandenen, edlen Tropfen auf dem Gaumen entfalten lassen. Weiter ging es dann in St. Gallen an der HSG. «Da waren bis zu 300 Personen eingeladen, um zu degustieren. Degustation kann man dies aber kaum nennen, denn die Quantität war wichtiger als die Qualität. Das ist bei Uniwyy Basel nicht das Ziel», erklärt mir Tobias Olpe, ehemaliger HSG-Student, Vorstandsmitglied beim Uniwyy und dabei verantwortlich für die Eventleitung und das Marketing. Folglich muss er wunderfitzige Fragen von unheimlich neugierigen Menschen wie mir beantworten.

Mit der Zeit wuchs die Idee heran, zusammen eine Veranstaltung im Verso zu organisieren, um mehr Weinliebhaber zu erreichen und andere für den vergorenen Traubensaft zu begeistern. Im Herbstsemester 2017 fand die erste Weindegustation mit 50 Interessierten statt. Zwei Jahre später steht mir Tobias in einem schicken Hemd mit einem Glas ‚klassischem‘ Rotwein in der Hand und einem stolzen Schmunzeln gegenüber: «Heute sind 90 Leute in dem Saal!» Die Freunde ernten die Früchte ihrer Arbeit.

Dann lasst uns und einmal den Uniwyy degustieren:

Aussehen, Farbe
Das Verso ist wie ausgewechselt: Es gibt zahlreiche Stehtische, an denen bereits einige Studiernde mit einem Glas Weisswein (immer Weissen vor Rotem) in der Hand in Gespräche versunken sind. Volle Brotkörbe sind verteilt worden und Salami, Charcuterie und verschiedene Stücke von grossen Käselaiben stehen zur Verfügung. Ein Glas trockener Weisswein als Apéro, leichte Hintergrundmusik und viele gespannte Gesichter erzeugen ein leichtes, erfrischendes Ambiente.

Intensität, Qualität, Aromen
Das heutige Thema der Degustation ist: ‚Klassik und Moderne‘. Dabei werden im Verlauf des Abends vier biologische Weine, zwei Weissweine sowie zwei Rotweine, vom Weinhändler Delinat verkostet, welche die Veränderung der Weinproduktion und die dabei entstehenden, modernen Geschmäcker schmackhaft machen sollte.

Der sympathische Sommelier Christoph Dienst kennt zu jedem Wein eine Anekdote und klärt und über die Herkunft des Weines, den Gout und den Verwendungszweck auf. Das klingt dann bei einem klassischen spanischen bordeauxfarbenen Rotwein so: «Dieser Wein enthält viele Tannine. Wisst ihr, was Tannine sind? Nein? Dann könnt ihr gleich wieder gehen. [Gelächter, ein Augenzwinkern] Tannine sind Gerbstoffe im Wein und das schmeckt ein wenig wie sehr intensiver Schwarztee. Wer mag denn alles starken Schwarztee? [Viele Hände bekennen sich schuldig] Ah, wunderbar! Ja, Tannine. [Verträumte Pause] Das kratzt so schön an der Zunge.»

Während des ganzen Abends besteht die Möglichkeit auf ihn zuzugehen, ihm Fragen über Weine zu stellen und auch Flaschen des Verkosteten zu kaufen. «Heute gibt es 20% auf die Weine. Ich war schliesslich auch einmal Student!», kündigt Herr Dienst an. Dies bedeutet konkret eine Preisspanne von 9 – 12.50 Franken. «Unser Ziel ist es, den Wein den Studierenden zugänglich zu machen. Das heisst, wir trinken keine teuren Weine. Ausserdem legen wir den Schwerpunkt auf den Bildungszweck. Wenn man unter 30 Jahre alt ist und an Weinmessen teilnimmt, wird man nicht ernst genommen. Wir wollen deshalb dieses Stigma durchbrechen und die Weinkultur fördern!», erzählt mir Tobias. Scheint plausibel.

Geschmack, Harmonie
Nach zwei leckeren Gläsern Weisswein, einem modernen, süffigen Rotweintropfen, mit Freunden und Fremden verbrachter Zeit, interessanten, intensiven Gesprächen und verstrichenen zwei Stunden stehe ich Tobias gegenüber. Ich gebe zu, an meinem vierten Weinglas nippend, dass unsere Unterhaltung, je länger sie dauert, immer spannender und bunter wird.

Angefressen frage ich: «Wie kann man sich denn für die Degustationsevents anmelden?» Das Prinzip lautet folgendermassen: Entweder man meldet sich für ein Semester an und wird dabei ‚Wyyfründ‘. Das bedeutet, dass man an drei Degustationen pro Semester teilnehmen kann, inklusive einem Bonusevent. Die Anmeldung dafür öffnet immer etwas vor Semesterbeginn und wird auf der Facebook-Seite angekündigt. Die nächste Chance Weinfreund zu werden besteht also vor dem nächsten Frühlingssemester. Ausserdem kann man auch als Gast bei Einzelveranstaltungen mitmachen, auch dafür sollte man am besten auf der Facebookseite aktualisiert bleiben.

«Falls Events nicht genug sind und man sich gerne mehr engagieren möchte, könnt ihr motivierte Menschen gebrauchen?» «Ja, unbedingt. Wir sind sogar auf der Suche nach neuen Vorstandsmitgliedern. Einige von uns sind bald fertig mit dem Studium oder haben schon abgeschlossen und wir würden uns wünschen, dass der Uniwyy Basel trotzdem fortbesteht. Motivierte sind mehr als willkommen!», betont Tobias. Werbung auch: Voilà.

Abgang
Obwohl das Gespräch mit Tobias sehr unterhaltsam ist, gehen mir langsam die Fragen aus. Der Wein, die wohlige Stimmung, die positive Atmosphäre und der viele Käse schläfert mich ein. Es nimmt mich trotzdem noch wunder, was denn Tobias mit 16 Jahren für Alkohol getrunken hat. «Ach, das kommt in den Beitrag, nicht wahr?», ein kleines geniertes Lächeln, eine kurze Pause: «Nicht Wein.»

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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