Tagebucheintrag einer Lerngruppe

Bild: Ishai Parasol | CC BY-SA 2.0

8.00 Uhr. Vermummelt kommt eine Person nach der anderen zum vorgesehenen Treffpunkt, kurze Blicke werden getauscht, Hallos gemurmelt. Es sind noch alle viel zu müde, aber sie durften die Vereinbarung nicht verpassen. Schweigend werden Unterlagen ausgebreitet, die letzten Schlucke eines tröstend warmen Kaffees getrunken. Wenn alle da sind, wird die Runde in der Gruppe eröffnet, und jeder weiss, was ihn erwartet. Das Lernen in der Gruppe geht mit unterschiedlichen Variationen, Ritualen und Phasen vonstatten. Jede Lerngruppe entwickelt dabei ihr Eigenleben, einen eigenen Organismus, ein feiner Mikrokosmos an höchst aktiven Hirnzellen und stetig fliessenden Energy-Drinks.

9.00 Uhr. Auch das letzte Glied der Gruppe ist spätestens jetzt eingetroffen, er/sie entschuldigt sich tausend Mal für seine Verspätung, der Hund sei krank, das Geschirr noch nicht gewaschen, ein Unfall auf der Strasse sei passiert und ein Komet über Basel gesichtet worden. Seine Stunde Verspätung ist also gerechtfertigt. Verspätungen und Nicht-Einhalten von Terminen bei einzelnen Gruppenmitgliedern sind der Klassiker und die erste Gefahr beim Lernen in der Gruppe. Meist ist dies leicht zu lösen, wenn man nämlich einfach abmacht, was dann zu tun ist. Zum Beispiel, dass der Verspätete den bereits erarbeiteten Stoff selber nachholen soll.

11.00 Uhr. Die erste Pause ist nötig, da sind sich alle einig. Doch bisher sind alle motiviert. Die Stunden vergehen einigermassen schnell in der Gruppe, und arbeitet man effizient zusammen, sieht man die Fortschritte und freut sich gemeinsam über diese. Die Stimmung kann ansteckend auf den Einzelnen wirken und diesen dann zu Höchstleistungen motivieren. Hier heisst die Devise: Alle an einem Strang ziehen.

13.00 Uhr. Seit der letzten Pause ist nicht mehr viel passiert, eine unruhige und unkonzentrierte Stimmung breitet sich aus. Lenkt bereits nur jemand aus der Gruppe ständig vom eigentlichen Stoff ab, kann das schnell auf die gesamte Gruppe wirken. Eine Lösung wäre hier, am Anfang der Lernsession einen „Aufpasser“ zu bestimmen, der an diesem Tag verantwortlich dafür ist, auf Störungen und auf das Abdriften vom Thema aufmerksam zu machen. Auch Essen hilft hier: Ist der Magen erst einmal wieder gefüllt, lässt es sich besser arbeiten. Beim gemeinsamen Mittagessen in einer Gruppe entsteht in einer schweren Lernphase wenigstens ein kleines familiäres Gefühl. Tipp: Immer eine Packung Süssigkeiten, Kekse oder Schokolade und einige Früchte für alle zur Hand haben. Mampfen hilft eigentlich immer.

14.00 Uhr. Nachdem allfällige Fragen geklärt und Besprechungen vorgenommen wurden, sollte es auch in der Gruppe Möglichkeit zum individuellen Arbeiten geben. Diese Abschnitte sind wichtig beim Lernen in der Gruppe. Schliesslich sollte jeder auch selbst sehen, auf welchem Stand er sich befindet, was noch gar nicht funktioniert und wo seine Stärken liegen.

16.00 Uhr. Nun heisst es: Gegenseitig helfen. Wer in einem Teilgebiet besser ist, erklärt dieses den Anderen und umgekehrt. Davon profitieren alle, auch der „Vortragende“, weil er den Stoff so gleich verinnerlicht. Das gleiche gilt für das gegenseitige Abfragen vom Stoff. Vor allem gegen Ende der Lernphase ist dies eine gute Gelegenheit in der Gruppe, allfällige Wissenslücken zu finden.

17.00 Uhr. Niemand kann mehr, niemand will mehr. Es ist Zeit, die Gruppensession zu beenden. Toll ist, wenn man sich auch ausserhalb des Studienfachs gut versteht. Ein gemeinsames Bierchen kippen und den heutigen Lernerfolg feiern, so lässt sich die Lernphase in der Gruppe gut überleben.

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