Semesterferien auf dem Bauernhof – Teil 2

«Life in the mountains is really tough»

Als ich vor drei Wochen den Beitrag über WWOOfing schrieb, hatte ich bereits eine Farm ausgesucht, die ich mit zwei Freunden besuchen würde. Eine Alp auf der italienischen Seite der Alpen mit Kühen und Geissen. «Life in the mountains is really tough» stand im Beschrieb, in dem sich der Hof kurz vorstellte. Wie tough denn genau?

Unsere Alp befindet sich auf 2300 m ü. M., hier verbringen 20 Kühe und doppelt so viele Ziegen den Sommer. Zwischen zwei grossen Ställen befindet sich eine kleine Käserei mit Käsekeller, darüber ein kleiner Wohnraum mit Gasherd, Holzofen, Esstisch und zwei Betten, im Dachstock noch ein Matratzenlager.

Die Alp liegt etwa eine Stunde Fussmarsch (abwärts) oder anderthalb Stunden Fussmarsch (aufwärts) vom nächsten Dorf entfernt, knapp über der Baumgrenze, wo fast nur noch Gras und Wacholder wächst. Als wir am Montagabend ankommen, brennt ein Feuer im Holzofen im Wohnraum über der Käserei und etwa zwölf Leute sitzen um den kleinen Tisch oder fläzen auf den Betten, drei Katzen liegen eingerollt daneben, zwei Hunde begrüssen uns.

Von da an sind wir uns alle ziemlich nah. Alle, also etwa zehn WWOOFer, die Bäuerin und der Bauer, drei Hunde und drei Katzen verbringen die Abende zusammen in der kleinen Wohnküche und schlafen verteilt auf zwei Räume, die zusammen etwa so gross sind wie das Wohnzimmer in meiner WG. Das fühlt sich, spätestens ab dem zweiten Tag, ziemlich normal an.

Tagsüber gibt es draussen, im Stall und in der Käserei zu tun: Melken, Käse und Ricotta machen, Kälber füttern, Kühe auf die Weide treiben, Kochen, Feuerholz zerkleinern, Melkmaschine und Eimer waschen, die grossen Käse waschen, bei schönem Wetter Heu machen im Tal. Life is tough in the mountains, aber nicht weil es so viel zu tun gibt, sondern weil wir uns ein bisschen langweilen.

Ja… langweilen. Alle Aufgaben auf der Alp werden jeweils auf 15 Leute verteilt. So schaurig viel bleibt da für die Einzelnen gar nicht zu tun. Wir kämpfen fast schon ein bisschen um die Arbeit und freuen uns, wenn wir zeitaufwändige Arbeiten zugeteilt bekommen.

Am liebsten treiben die Kühe den Berg hinauf. Es gibt dort keine abgesteckte Weide, die Herde soll einfach möglichst weit nach oben, wo noch viel Gras ist. Und auf keinen Fall nach rechts abdrehen und wieder zur Alp hinunter spazieren. Das fühlt sich an wie ein lustiger Mannschaftssport. Es gibt Team Kuh und Team Hirte. Team Hirte muss hinter den Kühen herlaufen und viel Radau machen, damit die Herde motiviert ist, zügig den Berg hinauf zu gehen, statt herum zu stehen und Gras zu fressen. Vai! vai! Forza! Gleichzeitg versucht Team Kuh möglichst unspeditiv herumzutrödeln, um dann, im richtigen Moment, durch die Reihe der Hirten hindurch zu galoppieren und zur unteren Weide zurückzukehren. Zum Glück haben wir als Joker noch Hündin Kira dabei, die hinterher rennt, wenn eine Kuh ausbüxt, und sie so lange anbellt, bis sie zurück zur Herde geht.

Wenn wir nichts zu tun haben, gehen wir wandern und freuen uns riesig, wenn wir eine Steinbock-Familie treffen. Oder wir sitzen um den Küchentisch und lernen, italienische Verben konjugieren. Neben andare, essere, avere, potere, und dovere, sind mangiare und mungere sind die ersten Verben, die wir können.

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