Schwupps ist die Wohnung weg

Ein WG-Zimmer in Basel zu finden ist nicht allzu schwierig. Dabei kann man entweder als Hauptmieter die Verantwortung für die Wohnung gegenüber der Vermieterschaft tragen oder Untermieter des Hauptmieters werden. Untermieter zu sein bedeutet zwar weniger Verantworungen aber auch weniger Rechte bezüglich der Wohnungsmiete. So kann man sich beim Auszug des Hauptmieters schnell der Willkür des Vermieters ausgesetzt sehen, wenn man sich nicht ausreichend absichert. Ein Erfahrungsbericht.

Seit eineinhalb Jahren wohne ich mit noch jemanden in einer wunderbaren Wohnung im Kleinbasel. Als mir mein Mitbewohner (zugleich der Hauptmieter) vergangenen November mitteilte, er werde im Sommer ausziehen, setzte ich mich mit der Vermieterin in Verbindung. Ich fragte sie, ob ich den Hauptmietvertrag im Sommer übernehmen könne. Sie sagte mir zu und besprach sogar mit mir, dass ich die Wohnung zu den gleichen Bedingungen weitermieten könne und damit keine neue Einbauküche (welche die Miete erhöht hätte) übernehmen müsse. Damit war ein mündlicher Vertrag entstanden. Mein grosser Fehler war es, ihr blind zu vertrauen und unsere Vereinbarung nicht in schriftlicher Form bestätigen zu lassen.

Nun ist der Sommer da. Mein Mitbewohner zieht aus und ich sollte den Mietvertrag wie besprochen übernehmen. Nach Erhalt der Kündigung gab die Vermieterin allerdings bekannt, dass sie ihre Meinung nun geändert habe und sie unseren mündlichen Vertrag nun “mündlich wieder kündige”. Der Grund: Sie möchte keine Studentenwohngemeinschaften mehr, da diese grundsätzlich wie Bienenstöcke sein. Man habe nie die Übersichtn wer da wohnt. Aus diesem Grund soll ich ausziehenn um einer Familie Platz zu machen. Ja dann.

Eigentlich würde ich gerne rechtliche Schritte ergreifen, da der Auszug für mich sehr umständlich ist und sich diese Frau mir gegenüber sehr unfair verhält. Ich klärte bereits alles im November mit ihr ab, weil ich wusste, dass ich im Sommer mich für zwei Monate im Ausland befinde (damit habe ich eine faktische Kündigungsfrist von einem Monat), Prüfungen und Seminararbeiten schreiben muss und den Zuzug eines Freunds aus Kanada plane. Das weiss sie und es ist ihr egal.

Für Streitigkeiten zwischen Mieter und Vermieter gibt es im Normalfall ein unentgeltliches Feststellungsverfahren bei der Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten. Da ich bis anhin blosser Untermieter war, müsste ich jedoch direkt zum Zivilgericht. Damit sich das für mich lohnt, müsste ich nicht nur auf Erfüllung unseres Vertrags klagen, sondern auch auf 2000.- CHF für die Untermieter, die während meiner Abwesenheit bei mir gewohnt hätten (denen ich aber wieder absagen musste) und auf weitere 500.- für die Flugkosten, die ich ausgeben müsste, um während meines Aufenthalts in der Türkei zum Verfahren anzureisen. Falls ich verliere, kommen die Anwaltskosten und Gerichtskosten auf mich zu. Da ich nichts Schriftliches und nur meinen Mitbewohner als Zeugen dieses Vertrags habe, ist mir das Risiko zu gross.

Natürlich habe ich probiert mit der Vermieterin zu verhandeln. Leider ohne Erfolg. Dabei habe ich stets versucht, nett zu sein und Empathie in ihr zu erregen. Das stellte sich angesichts der Situation manchmal als ziemliche Herausforderung dar und nützte nichts. Man kann sich nicht immer auf die Aufrichtigkeit der Vermieterin bzw. des Vermieters verlassen. Deshalb empfehle ich jedem Untermieter unbedingt, sich in so einem Fall abzusichern. Am besten lässt man sich als Solidarmieter in den Hauptmietvertrag aufnehmen, bevor der Mitbewohner seine Kündigung bekanntgibt.

Hier noch zwei Links zum Weiterlesen:
Der Mieterinnen- und Mieterverband erklärt, wie das mit der Solidarmiete funktioniert.

Was es bei der Untermiete zu beachten gilt, schreibt der Beobachter.

 

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