Padel – mehr als nur ein Sport

In Buenos Aires hat Thomas Keller eine Sportart entdeckt, die ihn so begeisterte, dass er sie unbedingt nach Basel bringen wollte: Padel. Inzwischen steht auf dem Lysbüchel-Areal ein professionelles Padelfeld. Wie es dazu kam und was Padel so einzigartig macht, erfährst du im Artikel:

Wie ein verstecktes Juwel liegt der Padel-Court in einer Halle des ehemaligen Coopverteilzentrums  auf dem Lysbüchel-Areal im St. Johann. Nur die auf den Boden geklebte Schrift und ein Pfeil bestätigt einem, dass man sich nicht in der Adresse getäuscht hat. Die kalte und industrielle Stimmung verpufft, sobald man auf die Halle trifft, in welcher früher Lastwagen gewartet wurden. Die weit geöffneten Türen und das, was sich im Inneren offenbart, strahlen eine Atmosphäre der Offenheit aus, die im starken Kontrast zur Umgebung steht.

Und dieser erste Eindruck täuscht nicht, wie ein Blick auf die prominent sichtbaren Clubregeln offenbart: Regel Nr. 1: «Sei willkommen», Regel Nr. 2: «Heisse andere willkommen». Dass es sich hier um einen Sportverein handelt, verrät erst die dritte Regel: «Schwitze». Die Reihenfolge dieser Regeln sei natürlich kein Zufall, verrät mir Thomas Keller, Mitgründer des Vereins Padel Basel. Nicht die Leistung, das Kompetitive, sondern der Spass und die Kultur würden im Vordergrund stehen. Für ihn sei der Kühlschrank wichtiger als das Feld, meint Thomas Keller und hängt lachend an, dass dies natürlich nicht alle so sehen. Diese Anekdote verdeutlicht aber gut, dass es bei Padel Basel eben nicht um das Gegen- sondern um das Miteinander geht.

Radikale Offenheit
Was für Thomas Sport im Allgemeinen und Padel im Besonderen ausmacht, ist, dass dadurch Menschen aus unterschiedlichsten Hintergründen zusammenkommen: «Diese Kultur der Offenheit macht Padel Basel so einzigartig. So trauen sich auch Personen, welche sonst nicht viel mit Sport am Hut haben, an Padel heran.»

Auch die grosse Halle, in der sich das Padelfeld befindet, soll die Kultur der Offenheit widerspiegeln und wurde dementsprechend schon für vieles genutzt. Unter anderem Fasnachtslarven und sogar ein Hip-Hop-Video seien schon darin entstanden. Der dort verfügbare Platz ist riesig. Er kann und soll für vieles genutzt werden.

So gibt es auch eine Vereinsmitgliedschaftsvariante, welche speziell für die Nutzung der Halle konzipiert ist. Auch beim Thema Mitgliedschaft wird die Offenheit gelebt. «Die Mitgliedschaftspreise sind nur Empfehlungen. Wir wollen niemanden ausschliessen, der sich diese Mitgliedschaften nicht leisten kann. Man soll das zahlen, was man kann», erklärt Thomas.

Vom Holzfeld zum Profiplatz
Das Feld wurde aus Spanien importiert und entspricht professionellen Standards. Das war jedoch nicht immer so: Angefangen hat Padel Basel mit einem selbstgebauten Feld aus Holzwänden.

Als das Projekt Fahrtwind aufnahm und sich immer mehr Leute für Padel begeisterten, haben sie sich für die Anschaffung eines professionellen Feldes entschieden. Der hohe Preis eines solchen Feldes machte die Investition nicht ganz risikofrei, soll aber das Commitment zum Projekt verdeutlichen.

Dieses Commitment scheint sich auszuzahlen: Mittlerweile zählt der Verein um die 200 Mitglieder. Ausserdem kann man das Feld wieder abbauen und an einem anderen Ort aufstellen, denn die Zwischennutzung ist vorerst nur bis Ende 2019 angesetzt.

Eine Mischung aus zwei Welten
Wer jetzt endlich wissen will, wie Padel gespielt wird, dem soll nun geholfen werden. Padel spielt sich ähnlich wie Tennis, ein Blick aufs Spielfeld verrät aber den markantesten Unterschied: Ein Käfig aus Plexiglas und Zaunmaterial umspannt den Platz. Diese Spielelemente wurden vom Squash adaptiert und werden auch so ins Spiel miteinbezogen.

Dementsprechend kann der Ball, im Gegensatz zum Tennis, auch nicht ins Aus gehen. Auch der Schläger, dessen an ein Paddel erinnernde Form dem Sport seinen Namen gab, ist eine Mischung aus beiden Welten. Padelspezifisch ist jedoch, dass der Schläger solide ist, also keine Bespannung hat. Die durchbohrten Löcher machen den Schläger überraschend leicht und handlich.

Ebenso überraschend leicht fällt auch der Einstieg ins Spiel. Schon nach wenigen Schlägen hatte ich den Dreh raus (ganz im Gegensatz zu meiner ersten Tennisbegegnung). Der Schläger und die Wände verzeihen viel und sorgen somit dafür, dass das Spiel von Anfang an Spass macht.

Wer jetzt auch Lust auf Padel hat oder einfach mal das coole Ambiente der Halle erleben will, tut dies am besten an einem Dienstagabend ab 18 Uhr. Dann ist jeweils Open Court und im Sommer stehen auch ein Grill und kühles Bier aus dem Kühlschrank bereit. Und falls man nach dem ersten Reinschnuppern direkt vom Ehrgeiz gepackt wird, kann man sich auch noch für die erste Austragung der PadEl bAsel Club mEisterschaft (PEACE) anmelden.

Passt Dienstagabend nicht, kann man sich direkt mit Thomas in Verbindung setzen und das Feld für sich reservieren. Auch die Fussball-WM ist ein guter Zeitpunkt, um mal reinzuschauen, denn es soll jeder Match übertragen werden. Mit Verweis auf Clubregel Nr. 1 kann ich abschliessend nur jedem empfehlen, selbst einmal vorbei zu schauen. Sei es wegen dem Sport oder dem Kühlschrank, ein Besuch bei Padel Basel lohnt sich auf alle Fälle!

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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