Fitness-Tracker – Ein Erfahrungsbericht

Fitness-Tracker werden immer beliebter. Es gibt sie inzwischen in allen möglichen Variationen, so dass für jeden etwas dabei sein sollte. Der Erfahrungsbericht verrät, was diese «Handgelenktrainer» inzwischen alles können und für wen ein Kauf interessant sein könnte.

Vor fünf Jahren fuhr ich noch wie selbstverständlich jeden Tag ins Rudertraining. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Auch nach dem Rudern war ich noch sportlich aktiv: Fitnesscenter, Joggen und Biken; doch mit der Zeit schwand mein sportliches Commitment immer mehr. Ich schreibe bewusst Commitment und nicht Interesse, denn Sport hat mir immer Spass gemacht. Nur ist es leider auch das Erste, was ich von meiner Aufgabenliste streiche, wenn es mal viel zu tun gibt. Besonders die Lernphasen wurden so häufig zu sportfreien Zonen.

Versuche, dies zu ändern, scheiterten regelmässig. Und so gleicht meine Sport-Timeline immer noch einer Sinuskurve mit sich regelmässig wiederholenden Hochs und Tiefs. Doch diese regelmässigen Täler des Todes (alias Lernphasen) gilt es nun endgültig auszubügeln. Der Weihnachtsmann war wohl der selben Meinung und legte mir deshalb einen Fitness-Tracker unter den Weihnachtsbaum.

Move!
Ein Fitness Tracker ist quasi ein Trainer an deinem Handgelenk. Er sammelt Daten, vor allem Bewegung und Herzaktivität (Puls), und gibt je nach Situation mehr oder weniger dezente Handlungsvorschläge. Dies immer mit dem Ziel, dich fitter und gesünder zu machen. So meldet sich die Uhr zum Beispiel nach einer Stunde Inaktivität mit einer Vibration und der Botschaft «Move!».

Ist dies gerade nicht möglich, bildet sich ein Inaktvitätsbalken und der Tracker meldet sich jede weitere Stunde. Move! Der Balken wird länger, der Anreiz sich zu bewegen grösser. «Move Bar cleared» heisst es nachdem man sich, je nach länge des Inaktivitätsbalkens, eine gewisse Zeit bewegt hat.

Diese «Move!»-Aufforderungen haben durchaus dazu geführt, dass ich bei Inaktivität (z.B. Sitzen) regelmässig aufstehe. In der UB hat sich der Gang auf die Toilette im dritten Stock bewährt. Denn der kurze Weg zur Toilette auf dem selben Stockwerk genügt nicht, um die Move-Bar zu löschen. Durch den Fitness-Tracker wurde mir auch erst bewusst, wie häufig und lange solche Zeiten der Inaktivität, sei es im Büro oder in der UB, eigentlich sind. Das untere Bild zeigt die Step-Timeline eines typischen UB-Tages in der Lernphase. Gut zu erkennen sind neben den Inaktivitätszeiten auch die Pausen.

Intensity Minutes
Doch gelegentliches Herumlaufen reicht dem Handgelenktrainer nicht. Rund 150 «Intensity Minutes» gilt es pro Woche zu absolvieren. Begründet wird dies, mit dem Verweis auf die WHO, mit den daraus resultierenden Gesundheitsvorteilen. Damit diese Vorteile tatsächlich eintreten, muss die Aktivität mindestens zehn Minuten dauern, sonst wird sie vom Tracker nicht erfasst. Aus zehn Mintuen Laufen resultieren somit zehn Intensity Minutes. Ab einer gewissen Herzfrequenz zählen die Minuten doppelt, aus 20 Minuten Joggen ergeben sich somit 40 Intensity Minutes. Jedes Mal, wenn man die App öffnet sieht man, ob man dieses Ziel schon erreicht hat oder nicht.

Wie man auf dem Foto unten sieht, habe ich dieses Ziel meist nicht erreicht. Dies liegt daran, dass Krafttraining im Fintesscenter etwa die Hälfte meiner sportlichen Aktivitäten ausmacht. Der in der Uhr verbaute Pulssensor hat extrem Mühe mit den während dem Krafttraining schnell ansteigenden, und relativ schnell wieder absinkenden Puls. Deshalb beträgt der Durchschnittspuls bei meinen Krafttrainings laut Fitness Tracker nur etwa 80 Schläge pro Minute, zu wenig um zu den Intensity Minutes zu zählen («Das liegt bestimmt an seinem lockeren Trainingsstil» denkt ihr nun wahrscheinlich, stimmts?).  Bei Ausdauertrainings, zum Beispiel Joggen, aber auch im Alltag, ist der Sensor dagegen sehr genau.

Schlafdauer und Stress Score
Der Tracker liefert auch die Schlafdauer, welche in schönen Grafiken (siehe Foto unten) veranschaulicht wird. Wie genau die Einteilung in Tief- und Leichtschlaf ist, kann ich nicht beurteilen. Zudem liefert die Uhr einen Stress Score, welcher aber meiner Meinung nach schwierig zu interpretieren ist. Denn laut Uhr hatte ich in den Ferien einen höheren durchschnittlichen Stress Score als in den ersten beiden Uniwochen. Aber wer weiss, vielleicht führen ja Vorlesungen bei mir zur totalen Entspannung und ich bin mir dessen einfach nicht bewusst.

Fitness Tracker – ja oder nein?
Ich bin ziemlich begeistert von diesem Fitness-Tracker. Nicht zuletzt, weil bei aktiver Bluetooth Verbindung auch eingehende Nachrichten und Anrufe angezeigt werden. Doch die Stärken der Uhr liegen ganz klar im Aktivitätstracking und dem daraus resultierenden Motivationspotenzial.

Durch den Tracker werde ich regelmässig daran erinnert, wie es um meine sportlichen Aktivitäten steht. So kann ich diese nicht mehr so einfach, zumindest nicht ohne schlechtes Gewissen, von meiner To-Do-Liste streichen. Da die Uhr nicht nur auf Mängel hinweist, sondern auch Fortschritte veranschaulicht, bleibt die Motivation langfristig erhalten. So sah ich zum Beispiel, dass meine regelmässigen sportlichen Aktivitäten dazu führten, dass mein Ruhepuls gesunken ist. Auch wenn man merkt, dass man die selbe Strecke allmählich schneller läuft hilft dies, die Motivation aufrecht zu erhalten.

Hast du auch einen Fitness Tracker? Decken sich deine Erfahrungen mit meinen? Würde mich freuen, in den Kommentaren davon zu hören.

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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