Ist das Doktorat etwas für mich?

Je näher das Ende meines Masterstudiums rückt, desto mehr beschäftige ich mich mit dieser Frage. Viele Gerüchte ranken sich um das Doktorat. Zeit, sich mal Informationen aus erster Hand zu holen. Schliesslich dauert ein Doktorat mehrere Jahre. Da sollte man sich vorher überlegen, ob man das überhaupt machen will. Deswegen habe ich mich bei Adeline erkundigt, was sie vom Leben als Doktorandin hält.

Adeline kam vor fast zwei Jahren aus Frankreich an die Uni Basel und forscht zum Stickstoffkreislauf im Luganer See. Ihr wurde erst nach einem Praktikum klar, dass sie gerne forschen würde. Daraufhin bewarb sie sich auf eine Doktorstelle. Bereut hat sie es bisher nicht, obwohl es auch nicht immer einfach ist. «Du solltest keine Angst haben, auch mal länger zu arbeiten oder am Wochenende. Und du musst viel selbstständig arbeiten, das kann manchmal schwierig sein. Ich habe aber das Glück, dass ich gute Betreuer habe, die mir helfen, wenn ich nicht weiter weiss», erklärt sie mir. «Und du musst natürlich motiviert sein! Das Thema, mit dem man arbeitet, sollte einen auch wirklich sehr interessieren. Sonst wird es schwierig.»

Also nichts mit Larifari, ein bisschen an der Uni chillen und Geld dafür bekommen. Wer das erwartet, sollte sich etwas Neues einfallen lassen. Ein Doktorat ist kein Zuckerschlecken, doch hat es natürlich viele Vorteile. «Ich liebe das Thema, zu dem ich arbeite. Es interessiert mich wirklich sehr. Ausserdem herrscht in unserer Arbeitsgruppe eine gute Stimmung, was enorm hilft, motiviert zu bleiben. Und man kommt viel herum. Einerseits bin ich natürlich oft in Lugano, andererseits reise ich zum Beispiel zu Konferenzen oder Summer Schools.»

Man lernt ständig dazu. Nicht nur über die Forschung und das eigene Themengebiet, das man in- und auswendig kennenlernt. Unabhängigkeit ist das A und O. «Du lernst, selbst zurecht zu kommen und gleichzeitig um Hilfe zu bitten, wenn du sie brauchst», meint Adeline. Eben alles, um sich später in der Arbeitswelt zurechtzufinden.

Ein Doktorat hilft einem auch ein Netzwerk im Forschungsbereich aufzubauen, man trifft viele Leute. Das kann später weiterhelfen. Adeline möchte in der Forschung bleiben und wahrscheinlich mit einem PostDoc weitermachen. Zu 100% festlegen möchte sie sich aber noch nicht. «Viele Leute machen nach ihrem Doktorat erst mal eine lange Pause. Es ist eben nicht immer leicht, aber alles in allem eine super Erfahrung!»

 

Abschliessend würde ich sagen, ein Doktorat ist etwas für dich, wenn…

… du nicht verzweifelst, wenn dein Experiment schon wieder schief gegangen ist und du zum fünften Mal ganz von vorne anfangen musst.

… wenn du von Natur aus neugierig bist.

… du nicht immer spätestens um 17.03 Uhr deinen Schreibtisch verlassen willst.

… du gerne die Forscher persönlich kennenlernen würdest, deren Arbeiten du schon für deine Masterarbeit gelesen hast.

… es dir nichts ausmacht, für ein paar Jahre deine Heimat zu verlassen.

… du es schaffst, das Gleichgewicht zwischen «Oh nein! Ich habe Kaffee über meinen Artikel geschüttet. Ich frage meinen Betreuer, ob er ihn nochmal ausdruckt.» und «Oh nein! Das Labor brennt zwar, aber ich schaffe es schon ohne Hilfe, das wieder in Ordnung zu bringen» zu finden.

Und das Wichtigste:

… du ein Thema gefunden hast, das dich brennend interessiert und du dir vorstellen kannst, dich mehrere Jahre lang damit zu beschäftigen.

 

Mehr Einblicke ins Doktorandenleben bekommst du im Interview mit einer Doktorandin der Rechtswissenschaften und einem Doktoranden der Literaturwissenschaften.

Alle Informationen zum Thema Doktorat an der Universität Basel gibt es hier.

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