Einfach mal treiben lassen – Teil 2

Bereits 2019 haben wir über das Rheinschwimmen auf der Strecke Rheinfelden bis Herten berichtet. Logisch, dass diesen Sommer nun die Ergänzung um den Streckenteil in Basel, vom Tinguely-Museum bis knapp hinter die Johanniterbrücke, erfolgen sollte.

Die Route beginnt an einem heissen Augustnachmittag bei Höchsttemperaturen von 34 °C an einem steinstrandigen Uferstück direkt unterhalb des Tinguely-Museums. Eine steinerne Treppe führt auf direktem Weg vom Orte der kinetischen Kunst Jean Tinguelys zum kleinen Uferidyll im Schatten der Schwarzwaldbrücke. Wer im Sommer hier lang schreitet, kann den Abgang gar nicht verfehlen, zu zahlreich sind vorfreudigen Rheinschwimmer auf und um den kleinen Uferabschnitt versammelt. Sie tröpfeln im Sekundentakt als Kleingruppen in den Rhein – dabei wird das omnipräsente Gadget, der Wickelfisch, in zahlreichen Formen und Farben zur Schau getragen.

Der Wickelfisch ist ein unerlässlicher Begleiter, um zusätzlichen Ballast wie Handtuch, Kleidung und Schuhwerk elegant und wasserdicht über den Rhein zu transportieren. Zusätzlich dient er als auftreibender Schwimmkörper mit Entspannungspotenzial. Fairerweise muss man dazusagen, dass Wickelfisch eigentlich ein Deonym für wasserdicht schliessbare Packsäcke ist und sich mittlerweile zahlreiche weitere Anbieter, neben den Wickelfischherstellern aus Ettingen, auf dem Markt tummeln. Wer es den Rheinschwimmern an diesem Tag gleich tut, wird mit angenehmen 24 °C Wassertemperatur und einer seichten Brise belohnt – Idealbedingungen.

Wer sich am Rheinufer noch spontan mit einem Wickelfisch eindecken möchte, der wird zum Beispiel am Rhy Lädeli fündig (Kostenpunkt zwischen 25 und 38 CHF, je nach Modell und Grösse)

Mit ein- bis zwei kräftigen Armschlägen ist man bereits mittendrin im Getümmel auf dem Wasser und wird von der Strömung zügig fortgetragen. Dies wäre dann wohl auch der richtige Zeitpunkt auf die entsprechenden Sicherheitshinweise der schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft Basel und die Polizeivorschriften der Stadt Basel hinzuweisen.

Die Karte der schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft Basel bietet einen detaillierten Überblick zu den ausgezeichneten Schwimmbereichen und der Infrastruktur für Schwimmer.

Für unsere Schwimmroute, Uferpartie auf der Kleinbasler Seite, waren wir etwa 36 Minuten unterwegs, was bei einer Gesamtlänge von 2,7 Kilometern eine Durschnittsgeschwindigkeit von 4,5 km/h ergibt. So lassen sich die auch die einzelnen Etappen zwischen den Brücken ungefähr abschätzen. Nach etwa 16 Minuten sollte man die Wettsteinbrücke passieren, umgeben von Sonnenanbetern an der verkehrsberuhigten Rheinpromenade. Im Sommer pulsiert das Leben um den Rhein, die Perspektive aus dem Wasser verdeutlicht das besonders eindrücklich.

Der Sommer lockt hier mehrere Tausend Besucher pro Tag an den Rhein.

Theoretisch könnten wir hier schon raus, vor und nach den Brücken finden sich zahlreiche Ausstiegsmöglichkeiten, aber praktisch zieht es uns weiter zum nächsten Etappenziel: die Mittlere Brücke. Den Rumpf gemütlich auf dem Schwimmsack platziert, ziehen wir vorbei an lachenden Gesichtern, speisenden Buvetten-Connaisseuren und Uferdümplern. Kurz müssen wir nochmal die Schwimmmuskulatur beanspruchen, um der kreuzenden Münster-Fähre auszuweichen, aber dann ist es auch schon geschafft und über unseren Köpfen zieht eine Tram Richtung Schifflände vorbei – etwa 9 Minuten dürften wir für diesen Streckenabschnitt gebraucht haben.

Mein Blick fällt auf die Unterseite des Käppelijochs, der kleinen, ehemaligen Kapelle mit den bunten Ziegeln, welche die Mittlere Brücke mittig ziert. Ein groteske Vorstellung, dass im Mittelalter, in einem unbegradigten und wilderen Rhein, vom Käppelijoch aus Hinrichtungen durch Ertränken vollzogen wurden. An Händen und Füssen gefesselt wurden Gesetzesbrecher in die Fluten gestossen, wer 800 Meter flussabwärts noch atmen konnte wurde begnadigt. Heute ist der Rhein nicht mehr den Verbrechern vorbehalten und die Fesseln sind durch Schwimmsäcke ersetzt – so können sich heute alle begnadigt fühlen, den Rhein in seinen moderneren Zeiten erleben zu dürfen.

Den letzten Teil der Etappe schwimmen wir in etwa 10 Minuten ab und geniessen die erfrischende Kühle des Rheins, bevor wir uns am Ufer wieder der gnadenlos brennenden Sonne aussetzen. Kurz hinter der Johanniterbrücke findet sich eine Ausstiegsplattform mit dringend notwendigem Geländer, denn ohne Griffmöglichkeit wäre man der rutschigen Oberfläche auf dem von Algen bewucherten betonierten Ausstieg haltlos ausgeliefert.

Der Ausstieg ist an diesem Streckenabschnitt eine akrobatische Herausforderung

Zufrieden wechseln wir in die dank Wickelfisch trockengebliebene Kleidung und machen uns am Rheinufer entlang auf den Rückweg. Wer jetzt noch nicht genug hat, der könnte nach der Ankunft am Tinguely-Museum direkt die nächste Runde beginnen. Wir haben uns zum Abschluss jedenfalls für einen gemütlichen Kaffee in der Buvette entschieden und diese Entscheidung nicht bereut. Die besten Buvetten findest du übrigens in Helenas Artikel zum Thema.

Christoph Zäh

Während seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wurde Christoph Zäh klar, dass er seine Zukunft der Arbeit mit Menschen widmen möchte. Das Psychologiestudium soll nun die absolute Erleuchtung bringen. Wenn er sich nicht gerade durch die Statistiken der Welt wühlt oder in Embryonalstellung vor sich hin wimmert, weil Druckertinte jetzt teurer ist als menschliches Blut, dann boxt er sich den Kopf im Boxkeller frei oder sucht sich auf dem Rennrad, mit dem Snowboard oder im Kajak neue Herausforderungen.

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