Zwischen Streichholzschachteln und 3D-Modellen: Das Museum der Kulturen auf dem Weg in die Zukunft

Bild: Museum der Kulturen Basel

125 Jahre liegen zwischen der Gründung des Museums der Kulturen Basel (MKB) und heute. Zum Blick auf die Vergangenheit gehört auch der Blick in die Zukunft – der Generation Z. Dieser widmet das MKB gemeinsam mit Angehörigen der Universität Basel nächste Woche eine Podiumsdiskussion.

Schwierigkeiten? Nein, die gäbe es nicht. Interesse sei es, was sie motiviere, sagt Dr. Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen. Interesse und Neugier an der jungen Generation – oftmals Generation Z genannt – und was diese bewege, interessiere, welche Vorstellungen sie habe.

Ich erreiche Anna Schmid am Telefon, zwischen zwei Terminen nimmt sie sich eine halbe Stunde Zeit für mich. Sie spricht schnell, stellt Fragen und lässt die Antworten offen. Seit 2006 ist die studierte Ethnologin Direktorin des MKB, davor arbeitete sie beim Museum für Völkerkunde Hamburg, beim Südasien-Institut der Universität Heidelberg und beim Landesmuseum Hannover.

Das Sammeln
In den 125 Jahren seit der Gründung des Museums habe sich einiges verändert, insbesondere in der Präsentation der Objekte; eine Anpassung an die visuelle Flut im Alltag. Dennoch gäbe es Vorstellungen, die sich eigentlich bis heute durchziehen. So sei das Sammeln auch heute noch ein Kernbestandteil der Museumsarbeit.

«Kinder und Jugendliche sammeln viel», erklärt Anna Schmid, «junge Erwachsene weniger, und mit zunehmendem Alter wird wieder mehr gesammelt.» Stimmt: auch meine eigene Steinsammlung – das gehört als Archäologiestudent wohl zum guten Ton – wächst seit einiger Zeit langsamer und es fällt mir zunehmend leichter, einen Stein in der Natur zurückzulassen.

Die Generation Z – je nach Quelle alle ab 1995 Geborenen, die Digital Natives also – sammle aber wohl keine Streichholzschachteln mehr, sagt Anna Schmid lachend. Doch was sammelt sie dann, was davon ist museumswürdig und wie kann es gezeigt werden? Diese Fragen will Schmid im Austausch klären.

Die Präsentation
So stellt sie sich auch die Frage, welchen Stellenwert das Objekt an sich eigentlich noch hat und ob es überhaupt noch analog zugänglich gemacht werden muss. Oder reicht denjenigen, die sowieso mit Bildschirmen aufgewachsen sind, auch ein solcher?

Sie zieht den Gedanken weiter: Benötigt man überhaupt noch Museen, oder geht das alles auch virtuell? Reicht das, wird etwas vermisst, regt es gar an? Wenn ich auf Google Maps eine Stadt im 3D-Modell anschaue, habe ich sie noch nicht erlebt; der Wunsch danach wird aber verstärkt.

Die Digitalisierung eröffne besonders in der Präsentation neue Möglichkeiten: durch digital erzeugte Perspektiven ist es möglich, ein Objekt aus jedem erdenklichen Winkel zu sehen, statt höchstens rundherum gehen zu können. Was passiert mit dem Original, wenn das physische Objekt nicht mehr benötigt wird?

Die Bewahrung
Aus eigener Erfahrung weiss Anna Schmid, was Bewahrung bedeuten kann: nach Feldforschungen in Pakistan wurde die Grabungsfläche wieder zugeschüttet, um den Inhalt zu schützen. Eine gängige Praxis in der Archäologie, eine Lehre, die aus all den verlorenen Informationen früherer Ausgrabungen gezogen wurde. Heute ist man sich der Vergänglichkeit der Funde, der Fehleranfälligkeit der eigenen Mittel, der Grenzen der Kapazitäten bewusst. Auch in meinem Studium sind diese Fragen zentral – zum Glück!

Grabungen aus reiner Lust sind selten geworden – die meisten Ausgrabungen heute sind Rettungsgrabungen, die stets die Balance zwischen «vor äusseren Gefahren schützen» und «dabei selbst nicht zu viel kaputt machen» suchen.

Doch wie bewahrt man ein Objekt für die Nachwelt auf, sobald es in der Sammlung des Museums gelandet ist? Braucht es auch heute noch eine physische Aufbewahrung oder reicht eine digitale Kopie?

Rekonstruktionen sind immens wichtig für die Wissenschaft, aber ohne das ursprüngliche Objekt leider auch verfälschungsanfällig – doch eine Rekonstruktion auf Fehler zu überprüfen, ohne auf das Objekt selbst zurückgreifen zu können, ist praktisch unmöglich.

Die Antworten
Anna Schmid stellt viele Fragen und hat ganz bewusst keine Antworten darauf. Die Antworten will sie im Austausch mit denjenigen finden, um die es ihr bei all diesen Fragen geht: den Vertreterinnen und Vertretern der Generation Z. Sie interessiert sich für die Vorstellungen, Haltungen und Grenzen der Menschen, die mit all diesen neuen Medien völlig selbstverständlich umgehen. «Ich nehme das Digitale, die Digitalisierung genauso ernst wie jede andere Arbeitsweise auch», erklärt  Anna Schmid zum Abschluss unseres Gesprächs.

Am 15. November findet im Museum der Kulturen die Veranstaltung «Zukunftsvisionen» statt. Auf dem Podium diskutiert Anna Schmid mit unserer Rektorin Andrea Schenker-Wicki, Yannick Blätter, dem Gründer von Neoviso, und mit Studierenden. Der Eintritt ist frei.

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