Wenn Larven und Räppli die Stadt beherrschen

Die drey scheenschte Dääg

Die Semesterferien neigen sich langsam dem Ende zu. Doch während sich sämtliche Studenten wieder auf den Unialltag vorzubereiten scheinen, bereitet sich Basel auf etwas ganz anderes vor: Die „drey scheenschte Dääg“ stehen nämlich vor der Tür. Auch die Uni macht hier keine Ausnahme: sie bleibt erst Mal noch eine Woche geschlossen. Was man während dieser Zeit in Basel unbedingt gesehen haben muss, erfahrt ihr hier:


Morgestraich – und die Nacht davor
Um nicht mitten in der Nacht für den Morgestraich aufstehen zu müssen, gibt es eine einfache Lösung: die vor-Morgestraich-Partys. Die Auswahl ist gross, und die Stimmung an den Partys, eine Mischung aus Vorfreude und Spannung, einzigartig. Wenn sich dann gegen 03:30 Uhr am frühen Montagmorgen die Clubs leeren, geschieht in der Stadt das Gegenteil. Von überall her strömen Leute auf die Strassen, ein helles Stimmengewirr füllt die Gassen. Punkt 04:00 Uhr geht das Licht in der ganzen Stadt aus und man findet sich in einem riesigen Laternenmeer wieder. Das Gefühl, in diesem Moment ein Teil dieser Stadt zu sein, ist unbeschreiblich und wer vorhin eher ein Fasnachtsmuffel war, dessen Herz wird spätestens ab diesem Moment heimlich doch ein wenig für die 5. Jahreszeit schlagen.

Cortège und das bunte Bebbi-Treiben
Während der Fasnacht gehören Larven, Laternen und Räppli zum Basler Alltag. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind Menschen auf den Strassen anzutreffen und es wird gemunkelt, dass richtig eingefleischte Fasnächtler drei Tage lang nicht schlafen. Zu den Highlights des bunten Treibens gehören die beiden Cortèges am Montag- sowie Mittwochnachmittag. Tausende aktive Fasnächtler nehmen mit Trommeln, Piccolos und Larven zu Fuss oder auf Wägen an diesem Umzug teil und werfen den Zuschauern Räppli, Blumen, Dääfeli sowie Orangen zu. Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Blaggedde gekauft hat, sei aber gewarnt: Blaggeddenlose sind ein beliebtes Ziel von Räppliattacken!

Schnitzelbängg und Cliquenkeller
Die Abende in Basel während der Fasnacht haben ihren ganz besonderen Charme. In den engen Gässchen stösst man immer wieder auf offene Cliquen-Keller, die einem mit kleinen Snacks, Bier und Wein begrüssen. Schnitzelbänke gehen ein und aus und tragen jeweils einige ihrer „Bängg“ bis spät in die Nacht vor. Die meisten von ihnen verteilen anschliessend ihre „Zeedel“, worauf die entsprechenden Schnitzelbänke in schriftlicher Form festgehalten sind. Wir machten uns einen regelrechten Sport daraus, diese Zeedel zu sammeln um mit ihnen Badezimmer und Küchenwände zu tapezieren.

Aus der Spuk
Exakt 72 Stunden nach dem Beginn des Morgenstraichs endet die Fasnacht genau so abrupt, wie sie begonnen hat.  Punkt 04: 00 Uhr am frühen Donnerstagmorgen starten die Aufräumaktivitäten, und kaum beginnt die Dämmerung, sieht die Stadt wieder aus, als wäre nie etwas gewesen. Der Spuk ist vorbei, jeder geht wieder seiner normalen Tagesbeschäftigung nach, und das einzige was bleibt sind noch einige Räppli in den Kleidern, die einen an diese unvergesslichen „drey scheenschte Dääg“ erinnern lassen.


Wichtiges Fasnachtsvokabular:

Bebbi: Baslerin, Basler

Clique: Fasnachts-Verein

Cliquenkeller: Übungslokal der Cliquen

Cortège: Offizieller Umzug

Dääfeli: Bonbon

Larve: Maske

Räppli: Konfetti

Zeedel: Zettel mit satirischen Texten

 

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