Was würde sich mit Ecopop an der Uni Basel ändern?

„Am Tag, an dem die Ecopop-Initiative angenommen wird, hört die Stadt Basel in ihrer heutigen Form zu existieren auf.“ Dies war vor kurzem in einem Artikel der NZZ  zu lesen. Der Autor erklärt darin, was sich alles für Basel ändern würde, falls die Ecopop-Initiative angenommen wird. Und das wäre viel, denn Basel lebt von Internationalität. Eine Beschränkung der Zuwanderung auf 0,2% pro Jahr hätte nicht nur weitreichende Auswirkungen auf die Industrie rund um Roche und Novartis. Auch an unserer Uni würde sich einiges ändern. Doch was eigentlich?

1) Das ERASMUS-Programm
Ein Semester an einer anderen Uni studieren und Auslandsluft schnuppern? Das ERASMUS-Programm macht’s (innerhalb Europas) möglich. Seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative hat die EU die Beteiligung der Schweiz am neuen Erasmus+-Programm vorläufig ausgesetzt. „Gegenwärtig ist eine Übergangslösung in Kraft, aber die Schweiz ist nicht mehr Vollmitglied. Ecopop gefährdet die zukünftige ERASMUS-Teilnahme der Schweiz, da die EU eine Verknüpfung zwischen der Personenfreizügigkeit und dem wissenschaftlichen Austausch als inoffizielle fünfte Freiheit des Binnenmarktes herstellt“, erklärt Philipp Lutz von foraus. Im Jahr 2013 gingen 114 Basler Studierende mit Erasmus an eine Universität ins Ausland, schweizweit waren es über 2000.

 2) Internationale Forschungsprojekte
Natürlich wäre der internationale Austausch nicht komplett gestoppt und es könnten auch weiterhin Forschungsprojekte international realisiert werden. Doch gefährdet wäre die Teilnahme der Schweiz an Horizon 2020, einem grossen europäischen Programm zur Wissenschaftsfinanzierung. Auch hier ist die Schweiz seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative kein Vollmitglied mehr. Würde die Schweiz jedoch komplett ausgeschlossen, bedeutet das, dass eine wichtige Geldquelle für Forschungsprojekte zukünftig fehlt. Die Teilnahme an europäischen Forschungsprojekten würde damit erhablich eingeschränkt werden.

3) Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter
Über die Hälfte der Professoren an Schweizer Unis stammt von ausserhalb der Schweiz. Dies spricht für die Attraktivität und das internationale Renommee der Unis. „Eine radikale Beschränkung der Zuwanderung könnte zu einem Fachkräftemangel führen, indem es den Schweizer Universitäten nicht mehr möglich ist, die besten Wissenschaftler zu rekrutieren. Darunter leidet langfristig die Qualität von Forschung und Lehre“, meint Philipp Lutz. Dabei sollte in der Wissenschaft doch Leistung vor Herkunft zählen.

4) Internationale Studierende
Wenn Studierende aus dem Ausland für ihr Studium in die Schweiz ziehen, gelten sie damit als Zuwanderer. Bei Annahme der Initiative würden jedoch zurückkehrende Auslandsschweizer, Flüchtlinge, Arbeitsmigranten und ausländische Studierende alle in denselben Topf geschmissen werden. Vielen internationalen Studierenden wäre es somit nicht mehr möglich, in Basel und dem Rest der Schweiz zu studieren, da andere Zuwanderer womöglich Vorrang hätten. Im Jahr 2013 betrug der Ausländeranteil unter den Studierenden 17%. Noch mehr Doktorierende waren Ausländer: ca. 47%. Und ganz besonders gross ist der Anteil bei den Doktorierenden in den Naturwissenschaften. In diesem Bereich kommen ganze 65% der Doktorierenden nicht aus der Schweiz. All dies spricht für den hohen Forschungsstandard der Universität. Eine Ecopop-Annahme würde den Ruf der Uni stark schädigen. Die hohen Forschungsstandards könnten kaum beibehalten werden. Die Uni Basel würde klar an Attraktivität für internationale Studierende einbüssen.

5) Schweizer Studierende
Doch was ist jetzt, wenn einem all das egal ist und man vielleicht hofft, wieder mehr Schweizerdeutsch an der Uni zu hören? Kann man getrost auf eine Annahme der Initiative hoffen? Nicht unbedingt! Denn eine Annahme schränkt die Rechte von EU-Bürgerinnen und Bürgern in der Schweiz stark ein. Es ist damit zu rechnen, „dass auch das Recht auf Niederlassung, Arbeitsbewilligung und Studienplatz  im Gegenzug  für Schweizer Studierende beschränkt wird, welche in ein EU-Land gehen möchten.“, erklärt Philipp Lutz. Einfach mal ein Semester in Spanien studieren könnte also deutlich schwieriger werden.

Abschliessend meint Philipp Lutz: „Ecopop hat das Potential zu einem Fachkräftemangel zu führen, die Schweizer Wissenschaft in Europa zu isolieren und langfristig zu einer sinkenden Qualität von Forschung und Lehre beizutragen. Ein Reputationsschaden für den Schweizer Wissenschaftsstandort durch eine Annahme der Ecopop-Initiative wäre kaum zu vermeiden.“

Aus all diesen Gründen griffen die Hochschulrektoren auch das erste Mal in der 550jährigen Hochschulgeschichte der Schweiz aktiv in einen Abstimmungskampf ein und stellen sich geschlossen gegen die Ecopop-Initiative, wie hier zu lesen ist. Antonio Loprieno, Rektor der Uni Basel, stellt fest: „Die Schweizer Universitäten werden in die Bedeutungslosigkeit verfallen, sollte die Initiative angenommen werden.“

Nicht nur die Stadt Basel, sondern auch unsere Uni würde in ihrer heutigen Form zu existieren aufhören, falls die Ecopop-Initiative angenommen wird.

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