Voluntourismus – Urlaubsabenteuer inklusive des Gefühls, etwas Gutes zu tun

Die Kombination von Reisen und Freiwilligenarbeit nennt sich auf Neudeutsch Voluntourismus und wird immer beliebter. Mit dem Trend werden aber auch kritische Stimmen laut. Welche Punkte man beachten sollte, damit ein Einsatz zum (gegenseitigen) Erfolg wird, erfährst du in diesem Artikel.

Hilfe für Kinder in Kapstadt, Schildkrötenschutz in Costa Rica und Schutz der grauen Riesen in Thailand sind drei der beliebtesten von statravel angebotenen Volontär-Jobs im Ausland. Doch keine Bange, wenn hier noch nichts Passendes dabei ist, denn die Auswahl ist gross. Über 50 Projekte in 30 Ländern werden alleine von diesem Vermittler angeboten. Damit man da nicht direkt den Überblick verliert, wird man in fünf Schritten zu seinem perfekten Volunteer-Projekt geleitet.

Wer auch dann noch nicht fündig wird, kann auf zig andere Projekte von verschiedensten Anbietern und Organisationen zurückgreifen. Das Geschäft rund um den Voluntourismus boomt und scheint sich zu lohnen. Genau deshalb wird diese Art von Freiwilligenarbeit auch häufig kritisiert: im Vordergrund stehe nicht das Wohl der Bedürftigen, sondern die Geldmacherei. Diese Gewinnorientierung führt im Extremfall etwa dazu, dass Kinder in Nepal gewaltsam von ihren Eltern getrennt und den Voluntaristen als Waisen präsentiert werden. Auch ARD berichtet aus Kambodscha von «Waisen, die keine sind». Solche Geschäftsmodelle lohnen sich natürlich nur, weil die Freiwilligen auch für ihre Einsätze bezahlen.

Und tatsächlich ist diese Art von Ferien nicht gerade günstig. Eine Woche Schildkrötenschutz in Costa Rica schlägt mit knapp 400 Franken zu Buche. Hin und Rückreise muss man selber organisieren und bezahlen. Viele verstehen nicht, wieso man für Freiwilligenarbeit auch noch bezahlen soll.

«Freiwilligenarbeit ist unentgeltlich, aber nicht umsonst», sagt Professor Georg von Schnurbein, Direktor des Center for Philanthropy Studies an der Universität Basel. «Die Koordination der Freiwilligen, die Infrastruktur – das alles kostet Geld. Normalerweise kommen dafür andere auf, Spender oder staatliche Stellen. Es ist vielleicht auch ein bisschen Selbstschutz der Organisationen, damit sich nur Personen anmelden, die es auch wirklich ernst meinen.»

Wenn man es wirklich ernst meint, möchte man wohl auch, dass die gute Absicht der Freiwilligenarbeit möglichst effektiv in die Tat umgesetzt wird. Eine gründliche Recherche und die Planung des Einsatzes sind dabei schon mehr als die halbe Miete. TukTuk-Fahrer in Kambodscha empfehlen zwar auch Kinderheime für spontan Entschlossene, solche Angebote stiften aber wohl mehr Schaden als Nutzen.

Wegen der schieren Zahl an Angeboten ist aber gerade die Planung, und besonders die Trennung von seriösen und unseriösen Anbietern, nicht gerade einfach. Ein guter Einstieg in den Voluntourismus Dschungel bietet das Policypapier der in Basel ansässigen Organisation akte. Auch die Webseite wegweiser-freiwilligenarbeit.com hat eine nützliche Checkliste zusammengestellt, welche dir die Planungsarbeit erleichtern soll. Folgend die wichtigsten Punkte:

  • Wie vertrauenswürdig, kompetent und transparent wirkt der Anbieter? Ist Freiwilligenarbeit im Ausland die Kernkompetenz des Anbieters? Ist klar ersichtlich, wie viel du für was bezahlen musst?
  • Würdest du dir die Art von Arbeit, welche das Projekt verlangt, auch zuhause zutrauen? Die fremde Kultur und ein ungewohntes Umfeld sind zusätzliche Anforderungen, welche deine Ressourcen beanspruchen. Mute dir also besser nichts zu, was du dir zuhause nicht auch zutrauen würdest.
  • Setzt der Anbieter sinnvolle Mindestanforderungen und überprüft diese auch? Angebotene oder verlangte Vorbereitungskurse sind besonders bei längeren Einsätzen ein gutes Zeichen. Finger weg, wenn die Organisation für Projekte mit Kindern keinen Strafregisterauszug verlangt. Ein Projekt mit Kindern sollte mindestens vier Wochen dauern. Denn die Kinder brauchen eine gewisse Konstanz und müssen sich an dich gewöhnen.
  • Allgemein gilt: stelle die Fragen, welche dich beschäftigen. Selten findet man im Internet alle relevanten Informationen. Zumindest ein telefonischer Kontakt ist vor der Anmeldung sehr sinnvoll. Auch ein Gespräch mit ehemaligen Freiwilligen ist besonders bei längeren Einsätzen zu empfehlen und hilft bei der Erwartungsbildung.

Diese Liste ist natürlich nicht abschliessend, aber wenn man diese Punkte beachtet und sich ausreichend auf seinen Einsatz vorbereitet, wird die direkte Wirkung des Einsatzes möglichst gross sein und man kann auch langfristig von den gesammelten Erfahrungen und Eindrücken profitieren.

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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