Uni woanders

Und was machst du in Frankreich? Ich mache Erasmus!

Mein zweites und drittes Semester verbrachte ich nicht in Basel, sondern in  Montpellier, im Süden von Frankreich. Mein Französisch klang überhaupt nicht Französisch und ich wurde bei ersten Begegnungen oft gefragt, woher ich komme und was ich in Frankreich mache. Ich antwortete dann jeweils: ich mache Erasmus! und die Leute waren mit der Antwort zufrieden. Dabei kann „Erasmus machen“ die unterschiedlichsten Bedeutungen haben.  „Ich mache Erasmus“ kann heissen:

  1. Ich bin hier wegen den legendären Erasmus-Partys.
  2. Ich bin hier, weil die Uni auf mein Fach spezialisiert ist und ich hier mehr lernen kann als zuhause.
  3. Ich bin hier, weil es zuhause gerade langweilig war.
  4. Ich bin hier, damit ich endlich eine Ausrede habe um weniger Punkte zu machen.
  5. Ich bin hier, um die Sprache zu lernen

Bei mir haben wahrscheinlich alle fünf Punkte zugetroffen, ausser vielleicht der zweite. Meinen akademischen Ehrgeiz habe ich erst später,  im 6. Semester, entdeckt. Gelernt habe ich in Frankreich trotzdem enorm viel. Zum Beispiel…

  • wie man extrem feinen, knusprigen Croque Monsieur macht (nämlich mit dieser Zange, in die man das Sandwich aus Toastbrot-Käse-Toastbrot klemmt, und die man dann am Herd über die Gasflamme hält).
  • wo man mit einer Matratze einen Bergbach hinunter sausen kann, etwa  50 Kilometer von Montpellier entfernt. Mit dem Bus rauf, mit der Matratze runter. So ähnlich wie das Rheinschwimmen, bloss steiler und kurviger.
  • in welcher Strasse man die besten arabischen Süssigkeiten der Stadt findet und wie man von da wieder nach Hause findet.
  • welchen Wein man zum gemeinschaftlichen Abendessen mitbringen kann und welchen besser nicht (die Studenten in Montpellier merken es, wenn der Wein weniger als fünf Euro gekostet hat).
  • wo man eine versteckte Höhle finden kann, nämlich in einem kleinen Gebirge bei der spanischen Grenze. Darin können rund 15 Leute übernachten und die Höhle ist ausgestattet mit einem langen Tisch, mit Bänken, Kerzen und einer Feuerstelle. Man kann darin also kochen, essen und schlafen. Vom Felsenbalkon vor der Höhle kann man aufs Meer hinunter schauen.

Ich glaube, am Ende es spielt gar keine grosse Rolle, was man während seiner Erasmus-Zeit macht, ob man lieber feiert und das Land kennenlernt, oder ob man sich ernsthaft fürs Studium engagieren will, um von den ausländischen Professoren zu profitieren –  lernen wird man ja sowieso extrem viel.

Wichtig finde ich allerdings zwei Dinge: Erstens: Wer Wert darauf legt Kreditpunkte zu sammeln, sollte sich schon vor dem Austausch richtig gut darüber informieren, welche Kurse im Ausland anrechenbar sind und für welche Module man überhaupt noch Punkte braucht. Und zweitens: Wenn man Erasmus machen will, um eine Sprache zu lernen, sollte man sich das zweimal überlegen. Denn vermutlich lernt man mehr internationale Studenten kennen als solche aus dem Land selbst. Man lernt also eher behelfsmässiges Englisch als die tatsächliche Landesprache.

Oder wie seht ihr das?

Und hier noch ein paar Eindrücke von meinem Erasmusjahr:

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Universität Basel auf: