Studierendenhaus im Erlenmattquartier – Ein vielversprechendes Projekt

Visualisierung: Duplex Architekten

Der Charme einer Altbauwohnung ist unbestreitbar: hohe Räume, knarrender Parkettboden und Stuckaturen an der Decke. Überbleibsel einer vergangenen Zeit fügen sich zu Wohnräumen, in denen man es sich gerne gemütlich macht. Doch alle, die schon einmal in einem Gasbackofen einen Kuchen machen wollten oder regelmässig gleichzeitig die Musik vom Mitbewohner und den Nachbarn durch die Wände schallen hören, wissen auch die Vorzüge eines Neubaus zu schätzen. Einem solchen hat sich die WoVe angenommen: im Erlenmattquartier wird bald ein Studierendenhaus eingeweiht.

Die Nutzung des Güterbahnhofes im Nordosten Basels wurde 1998 von der Deutschen Bahn eingestellt. Seither befindet sich auf dem Areal ein neues Stadtquartier in Entwicklung: das Erlenmattquartier. Während ein Grossteil der Baufläche des Quartiers bereits bewohnt ist, befindet sich das Projekt «Erlenmatt Ost» derzeit in der letzten Bauphase.

Quelle: Stiftung Habitat

Nähert man sich der Baustelle dieser Tage, trifft man auf eine Mischung aus Zementsäcken, Baggern und Alltag: Kinder spielen in neu bepflanzten Grünanlagen, die in wenigen Monaten zu Gärten und Parks wachsen werden. Dazwischen ragt das Studierendenhaus empor, von einem Stahlgerüst umzäunt und mit Plastikfolie eingewickelt, als wären Christo und Jeanne Claude am Werk gewesen. Im Juni werden die Zimmer bezugsbereit sein und das Gebäude seine letzte Häutung vollziehen.

Ein ganzheitliches Projekt
Der Verein Studentische Wohnvermittlung (WoVe) ist Mieterin der Liegenschaft, die unter der Bauherrschaft der Stiftung Habitat errichtet wurde. Diese hat sich für das Projekt «Erlenmatt Ost» grosse Ziele gesetzt. Unter dem Motto «lebendig, nachhaltig, gemeinschaftlich» sollen zahlbarer Wohnraum, Orte der Begegnung und sogar eigene Energie entstehen. Sonnenkollektoren auf den Hausdächern erzeugen einen Teil der benötigten Energie des Quartiers. Dieses vereint Wohnateliers für Kunstschaffende, Gewerberäume, Wohnraum und Werkstätte für Behinderte, einen Kindergarten, Hostel sowie Gastrobetriebe in unmittelbarer Nähe. Durchmischung ist die Devise, denn die Nachbarschaft soll vielfältig gestaltet werden.

Das vom Architekturbüro Duplex entworfene Haus wird 99 Studierenden Unterschlupf bieten. In zwei Gebäudeflügeln um einen Innenhof im ersten Obergeschoss gruppieren sich die rund 16 Wohnungen, die jeweils vier bis sieben Studierende beheimaten werden. Über eine offene Treppe, Laubengänge und Brücken über dem Hof sind die Wohnungen zugänglich. Die Miete der teils möblierten 14 m² grossen Zimmer beträgt zwischen 557 und 695 CHF, vermietet sind sie noch nicht alle. In den Räumlichkeiten im Erdgeschoss sind ein Waschcafé und drei separat erschlossene 1½-Zimmer-Galeriewohnungen untergebracht.

Visualisierung: Duplex Architekten

Was wird
Ob nun im historischen oder modernen Kleid, die Idee eines Studierendenhauses klingt in meinen Ohren reizvoll. Wie eine Oase kollektiven Nachdenkens stelle ich mir das vor, in der gemeinsam bis spät nachts gebüffelt und diskutiert, gefeiert und sinniert wird. Ob sich diese vielleicht etwas romantische Vorstellung bewahrheiten wird, bleibt wohl von denjenigen abhängig, die den Wohnraum künftig beleben und mitgestalten werden.

Fest steht jedoch, dass die Liegenschaft im Erlenmattquartier wahrscheinlich nicht der letzte Neubau sein wird, den die WoVe an Studierende vermietet. «Zukünftige Bauprojekte sind angedacht, jedoch noch nicht spruchreif», verrät die Geschäftsführerin der WoVe Annette Vonder Mühll auf Anfrage. Es wird sich zeigen, ob das Studierendenhaus ein Ort lebendigen, nachhaltigen und gemeinschaftlichen Zusammenlebens wird und somit zukünftigen Projekten den Weg ebnet.

Übrigens: Wenn du dir gerade auf Wohnungssuche bist und du dir vorstellen kannst, im Studierendenhaus einzuziehen, kannst du dich direkt bei der WoVe per E-Mail melden.

Lisa Gianotti

Beim Betrachten einer zerbrechlich verkrampften Hand von Egon Schiele hat sich Lisa Gianotti dazu entschieden, Kunstgeschichte zu studieren. Von der schwerwiegenden Nebeldecke über dem Aargau ist sie der Sonne nach Basel gefolgt. In Museen findet sie die Ruhe, die in ihrem Kopf nicht immer herrscht. Wenn sich keine Leinwand vor ihren Augen befindet, dann tönen Klänge im Ohr. Sie würde gerne seltener Seminararbeiten und öfter Gedichte schreiben und ist in allem, was sie tut, nur halb so schnell wie ihre Mitmenschen.

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