„Schlussendlich musst du einfach machen, ausprobieren!“

Ein Gespräch mit Giacun Caduff

Nächste Woche kommt „20 Regeln für Sylvie“ in die Schweizer Kinos. Carlos Leal und Viola von Scarpatetti spielen die Hauptrollen im neuen Film von Giacun Caduff. Dessen Heimatstadt Basel ist Schauplatz des Films – die Gemäuer unserer Uni spielen auch eine ganz besondere Rolle. Julia Bänninger hat sich für ihren Gastbeitrag mit dem Regisseur über den Dreh sowie über die Schwierigkeiten und die Schönheiten des Filmemachens unterhalten.


Dein neuer Film spielt ja diesmal hier in Basel.
Warum hast du dir gerade Basel als Drehort ausgesucht?
Na, ich komme von hier. Ich bin in Gempen aufgewachsen. Die Städter würden sagen, ich komme vom Land, vom Berg. Mein Bezug zu Basel hat die Realisierung des Films vereinfacht: ich kenne den Ort, die Menschen… Für mich war immer klar, dass ich in Basel drehen würde.

Wie bist du denn auf das Drehbuch des Films gestossen?
Während meines Studiums in den USA kam mir die Idee, einen Film über eine Studentin zu drehen, die 18 Jahre alt wird und deshalb 18 Regeln mit auf den Weg bekommt. Auf Englisch funktioniert das Wortspiel „18 rules“ sehr gut (18 Regeln – 18 regiert). Ich erzählte das einer Freundin, die Drehbücher schrieb. Ihr gefiel meine Idee, und drei Monate später schickte sie mir das Skript.

Die Drehbücher deiner Filme schreibst du nicht selbst?
Nein, ich habe das auch schon probiert, aber ich schreibe nicht gut. Das ist etwas, was man können muss. Ich mache die Entwicklung, was bei der Produktion eines Filmes meistens am längsten dauert. Im so genannten „coverage“ analysiere ich das Geschriebene und schreibe Kommentare, füge hinzu oder streiche durch. Das geht dann zurück zum Autor, der meine Ideen umsetzt.

Wie bist du bei der Suche nach Schauspielern vorgegangen?
Als Bedingung galt für mich, einen „grossen Namen“ für die Rolle des Vaters zu finden. Das heisst, ich wollte sozusagen einen an die Schweiz angepassten Hollywood-Film kreieren. Ich glaube, der Erfolg von Hangover 2009 signalisiert einen Wendepunkt, an dem der Schweizerische Snobismus gegenüber amerikanischen Komödien kleiner geworden ist. Deshalb dachte ich mir, dass ein Film wie „20 Regeln für Sylvie“, der ebenfalls in dieses Genre gehört, nun auch in der Schweiz Erfolg haben könnte. Ich brauchte also einen Schauspieler mit einem gewissen Bekanntheitsgrad, um den Film kommerziell so aufzubauen, dass nicht der intellektuelle Anspruch, sondern der Unterhaltungswert im Vordergrund steht. Carlos Leal war deshalb ein richtiger Glücksfall. Er besitzt eine eher subtile Art Humor. Das war genau das Richtige war, da ja der Plot des Films schon sehr verrückt ist. Ich hatte immer das Gefühl, je dezenter das gespielt wird, desto besser wird es.
Ich besuchte später noch das Junge Theater in Basel. Dort sah ich den Schauspieler Manuel Miglioretto und konnte ihn für meinen Film begeistern. Eine weitere Schauspielerin traf ich zufällig im Flugzeug, als ich auf dem Weg in die Schweiz war. Viola, die Sylvie spielt, traf ich beim Gässli Film Festival, wo sie ein Musikvideo zeigte. Wir hatten es lustig zusammen, der Humor hat gestimmt, und so schlug ich ihr die Hauptrolle als Sylvie vor. Sie ist zweisprachig, was ein wichtiger Punkt für mich war. Die amerikanische Version des Films basierte auf sehr viel Slang, der dann vom nachreisenden Vater nicht verstanden wird. Doch hier in der Schweiz ist die Situation anders: Ein Vater, der von Basel-Land nach Basel-Stadt reist, wird keine sprachlichen Probleme haben. Und so kam dann die Idee Romandie-Deutschschweiz.

Wo gab es Hindernisse?
Die Aufgleisung war natürlich nicht einfach. Wir mussten viel Fundraising betreiben und Bewilligungen für die verschiedenen Locations bekommen. So auch an der Uni Basel.

Gab es administrative Probleme mit der Universität?
Nein, eigentlich nicht. Aber es ist natürlich immer eine dünne Schiene. Am Anfang war eine gewisse Skepsis von Seiten der Uni zu spüren, aus Angst, die Uni könnte in ein schlechtes Licht gerückt werden. Ich musste dann vergewissern, dass dies nicht passiert. Natürlich kann niemand versichern, dass der Film bei den Kritiken gut ankommt, aber rein von der Story her ist der Film ungefährlich für die Uni Basel. Ich wollte unbedingt dort drehen, auch wenn der Name „Universität Basel“ nicht explizit genannt wird. Natürlich weiss jeder, der Basel ein bisschen kennt, dass es sich um die Uni handelt, aber ich habe das nie hervorgehoben. Es spielt halt an der Uni, obwohl es sich genau so gut an der Musikschule abspielen könnte.

Durftet ihr auch während der Vorlesungen drehen?
Nein, das ging natürlich nicht. Wir konnten nur drehen, wenn die Uni praktisch leer war, zum Beispiel am 1. Mai oder am Wochenende. Das war schon eine Challenge, den Drehplan so zu organisieren, dass es auch logistisch passt.

Habt ihr als Statisten auch „echte“ Studierende genommen?
Ganz viele. Wir arbeiteten mit etwa 400 Statisten. Es hat auf jeden Fall Spass gemacht, in diesem Umfeld zu drehen.

Das Wetter spielte bestimmt auch eine Rolle, oder?
Ja, auf jeden Fall. Wir hatten etwa fünf Tage auf dem Plan, an denen schönes Wetter sein musste. Das haben wir ganz knapp geschafft. Das Schlimmste war der Sprung von der Rheinbrücke, da hatten wir wettermässig wirklich Pech. Zuerst blieben wir am Drehtag in der Romandie in einem Schneesturm stecken. Als wir aus dem Schneesturm zurückkamen, war neben dem schlechten Wetter ausgerechnet noch Hochwasser, weshalb wir den ersten Termin absagen mussten. Es gibt immer etwas, was nicht voraussehbar oder planbar ist, aber das ist ja auch das Schöne an dem Beruf. Das macht das Ganze etwas aufregender.

Hast du Ratschläge für junge Filmemacher und Studenten, die sich in diese Richtung entwickeln möchten?
Unbedingt ans Gässli Film Festival kommen! Das wurde ursprünglich dafür entwickelt, jungen Filmemachern eine Plattform zu geben, um sich auszutauschen und Leute vom selben Schlag kennenzulernen. Connections sind schon wichtig. Aber schlussendlich musst du einfach machen, ausprobieren. Entweder du gehst an eine Filmschule oder ans Set eines Films arbeiten. Es ist im Prinzip dasselbe wie in anderen Geschäften. Wenn du davon leben willst, muss dir bewusst sein, dass deine Filme an jemanden – am liebsten an ein grosses Publikum – verkauft werden müssen. Wenn man Filme essen könnte, hätten wir es sehr viel einfacher.


 

Zum Film: Adalbert, ein überfürsorglicher alleinerziehender Vater gibt seiner Tochter Sylvie 20 Regeln mit, die sie in ihrem Studium in Basel fernab der Heimat befolgen soll. Um sicher zu gehen, dass sie sich an die Regeln hält, folgt Adalbert seiner Tochter insgeheim nach Basel. Dort freundet er sich mit ein paar Studenten an und fängt plötzlich an, seine Regeln selbst zu brechen…

 

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