Nebenjob in einer Luxuswelt

Geschichtsstudent Nick über seine Arbeit an der Baselworld

Die mittlere Brücke ist voller fotografierender Touristen. Die Dichte an teuren und exklusiven Autos ist massiv gestiegen. Und die Restaurants sind auch immer voll. Basel steht im Zeichen der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Wie es ist, für die Schönen und Reichen dieser Welt zu arbeiten, erfahrt ihr im Gespräch mit dem Geschichtsstudenten Nick (22).


Wie bist du zum Job an der Basel World gekommen?

Zu dem Job kam ich durch die Firma tempStaff, die diverse Catering- sowie Hostjobs für Studierende vermittelt. Ich habe einen Job für 9 Tage erhalten.


Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Am Morgen muss ich um 7.30 Uhr an meinem Stand sein. Dann geht es darum, das grosszügige Frühstücksbuffet vorzubereiten. Den Rest des Tages muss ich Essen und Trinken servieren oder an der Bar stehen.  Das Wichtigste dabei: immer freundlich lächeln.


Wie fühlst du dich nach den ersten Tagen? Ist es anstrengender als an der Uni?

Da ich am Tag bis zu 10 Stunden stehen muss und nur zum Mittagessen – welches jeden Tag aus einem Sandwich besteht – 30 Minuten zum Sitzen komme, würde ich definitiv sagen, dass es anstrengender ist.


Wie machst du es mit den verpassten Vorlesungen? Musst du am Abend jeweils noch viel für die Uni machen?

Es ist umso wichtiger richtig abzuschätzen, welche Paper relevant sind und welche nicht. Denn alles kann ich nicht aufarbeiten. Aber die Abgaben von Homeworks musste ich trotzdem irgendwie einhalten. Aber am Morgen im Zug zu lesen ist mir zu früh, denn um diese Zeit bin ich noch nicht aufnahmefähig. Am Abend bin ich meistens zu müde, um noch etwas zu machen. Deshalb musste ich doch schon zwei Nachtschichten einlegen.


Welche Fähigkeiten muss man für den Job an der Baselworld deiner Meinung nach mitbringen?

Man muss vor allem aufgestellt, offen sowie auch teamfähig sein. Aber am wichtigsten aufgrund der langen Arbeitszeiten sind Ausdauer und Geduld.


Was gefällt dir am besten?

Die Baselworld gibt mir Einblicke in eine vollkommen andere Welt. Den ganzen Tag Schmuck im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich um sich zu haben ist schon sehr speziell. Und die Leute, die sich für solchen Schmuck interessieren, sind auch speziell, es gibt viele spannende Begegnungen. Das muss man mal erlebt haben. Die riesige Messehalle mit den wunderschönen Gebäuden ist echt eindrücklich. Es ist in der Halle wie in einer grossen Wunderwelt.


Und was gefällt dir am wenigsten?

Die Dekadenz dieser “anderen“ Welt. Das Geld steht fast immer im Vordergrund und einige Leute wollen halt auch zeigen, dass sie viel davon haben. Zu dem kommt das lange Stehen.


Behandeln dich die Schönen und Reichen mit dem nötigen Respekt?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Einige behandeln mich schon ziemlich herablassend und sehen in mir lediglich ein Objekt, das Ihnen Kaffee serviert. Andere sind völlig ohne Allüren und sind sich auch nicht zu schade, länger mit mir zu reden.


Hattest du auch schon ein peinliches Erlebnis?

Ja leider. Das Wasser über eine (vermutlich sehr teure) Armani-Jeans eines Kunden zu schütten, war bis jetzt mein peinlichstes Erlebnis. Zum Glück war es nur Wasser und der Kunde nahm es mit Humor.


Würdest du wieder an der Baselworld arbeiten?

Ja, auf jeden Fall. Es ist schon ein sehr guter Nebenverdienst. Aber nicht 9 Tage am Stück. Ein Tag Pause würde mir schon sehr gut tun.


Wie lautet dein Fazit über die Arbeit an der Baselworld?

Am Anfang war ich fast ein bisschen erschlagen von der Dekadenz. Man kann sich – gerade als Student – gar nicht vorstellen, was hier an Geld herumliegt. Fast jedes Geschäft geht um Millionen, bei solchen Deals dabei zu sein war schon ein sehr komisches Gefühl. Zum Teil auch beängstigend. Alles in allem war es aber ein sehr interessanter Ausflug in eine mir völlig fremde Welt. Es gab spannende Begegnungen und ich kann viele neue Erfahrungen mitnehmen.


Kriegst du als Geschenk noch eine teure Uhr?

Ich hatte zum Arbeiten eine sehr teure Uhr gekriegt, die darf ich aber leider nicht behalten. Als Student ist wäre ich jedoch auch schon mit einem guten Kugelschreiber zufrieden:)

1 Kommentar

  1. Dong
    Do, 2. Mai 2013 / 21:45 Uhr

    Hallo Mirco. Ich kann deine Gefühle total verstehen, da ich auch während der Baselworld an einem Stand gearbeitet habe.
    Mir würde es interessieren, für welche Unternehmung du getätigt hast.

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