Mythos erstes Semester – was ist wirklich dran?

So, die Festtage sind vorbei, das neue Jahr hat begonnen und mein erstes Semester als Medizinstudentin in Basel ist – mit Ausnahme der Prüfungen – schon fast Geschichte. Für jede Studentin und jeden Studenten ist es der Beginn eines neuen, bisher noch ziemlich fremden Lebensabschnittes, den die meisten Maturandinnen  und Maturanden höchstens aus wilden Erzählungen der älteren Studenten kennen. Grenzenlose Freiheit? Sich nur noch mit dem beschäftigen, was dich wirklich interessiert?

Ich muss an dieser Stelle vielleicht gestehen, dass es nicht mein ganz erstes Semester an einer Uni war. Im vergangenen Studienjahr habe ich an der Uni Fribourg zwei Semester Jura studiert – ich konnte mir also schon etwas vorstellen, was mich an der Uni erwarten würde. Trotzdem waren die ersten Studientage und –wochen doch ziemlich aufregend. Ich kannte niemanden, der mit mir in Basel beginnt und Jura hat mit Medizin doch ziemlich wenig gemeinsam.

NC sei dank…

Für viele, die gerne Medizin studieren würden, endet der Traum schon beim NC (für mich übrigens vor einem Jahr auch – dazu ein anderes Mal bestimmt mehr). Einmal bestanden, erweist sich der NC aber sogar beim Freunde finden als ziemlich nützlich. Durch die doch ziemlich grosse Selektion beginnen nicht halbe Gymiklassen mit dem Studium, die sich dann schon ewig kennen und Freunde finden nicht mehr nötig haben, sondern eben lauter Leute wie ich.

Auch die medizinische Fakultät bemüht sich, durch zufällige Gruppeneinteilungen die Studenten immer wieder mal zu durchmischen, so dass man die Gelegenheit hat, schnell neue Leute kennenzulernen. Wir Erstis wurden auch von unserer Fachschaft sehr herzlich aufgenommen und hatten an einer kleinen Uniführung und einem Gotte/Götti-Zmittag in der ersten Woche Gelegenheit auch Studierende der höheren Semester kennenzulernen.

Studienwahl

Das erste Semester ist sicher auch die Zeit, in der man sich zum ersten Mal richtig mit seinem gewählten Fach auseinandersetzt. Studieninfotage, Websites etc. vermitteln zwar einen (hilfreichen) ersten Eindruck eines Fachs,  allerdings können sie den Studienalltag und die Inhalte nur begrenzt vorstellen. So ist das erste Semester für viele eine Art Probezeit, in der sie ihr Fach kennenlernen und vielleicht auch merken, dass es so gar nicht das ist, was man sich vorgestellt hat… Gerade deswegen finde ich es toll, dass man am Anfang des Medizinstudiums in Basel die Gelegenheit hat, durch Gespräche mit erfahrenden Ärzten, OP- & Abteilungsbesuchen, sich noch einmal intensiver mit der Berufswahl auseinander zu setzen.

Freiheiten?

Keine Absenzenkontrollen mehr, viele freie Nachmittage, keine Lehrer, die kontrollieren ob man seine Hausaufgaben gemacht hat… Das klingt sehr verlockend. Als frischgebackene Studentin merkt man dann aber schnell, dass diese Freiheiten auch trügerisch sein können. Es interessiert wirklich niemanden, ob man die empfohlenen Seiten im Lehrbuch gelesen und die Vorlesungsfolien ausgedruckt dabei hat oder am Freitagmorgen nach einer langen Skubarnacht an der Uni erscheint oder nicht ;)

Man stellt fest, dass es im eigenen Interesse liegt, auch unter dem Semester etwas für die Uni zu tun. Die zu bewältigende Stoffmenge würde ich schon als deutlich umfangreicher als im Gymnasium beschreiben. Kurzes Wörtlilernen in der Pause vor der Prüfung reicht defintiv nicht mehr ;) Trotzdem werden wir Erstis von den höheren Semestern oft als übermotiviert wahrgenommen. In den ersten Uniwochen und -semester gilt es also auch, ein gutes Mass zu finden und zu testen, wofür man wieviel Zeit braucht.

Dies waren nur einige Erstiaspekte, es gäbe noch viele andere, die ich jetzt aus Platzgründen nicht erwähnen kann. Aber dies wird ja nicht mein letzter Eintrag hier sein.

Alles in allem kann ich auf ein sehr erlebnisreiches erstes Semester zurückblicken, ich habe eine neue Stadt kennengelernt, neue Freunde gefunden, lustige Partynächte erlebt und durfte mich mit spannenden und weniger spannenden Dingen beschäftigen. Dabei hatte ich mich doch im Gymi nach der letzten Stunde so darüber gefreut, dass ich in meinem Leben wohl keine Physikstunde haben werde…

 

 

 

 

 

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