Mit der Señorita Bianca die Stadt verschönern – einen Tag unterwegs mit der Stadtgärtnerei

Strassburger Denkmal am Bahnhof SBB, davor die neu verpflanzten Señorita Bianca.
Nach einem Tag Arbeit kann unsere Autorin stolz auf die neue Bepflanzung des Strassburger Denkmals schauen (Bild: Josefin Kaufmann).

Woher kommen eigentlich alle diese bunten Blumen vor der Pauluskirche? Wer kümmert sich um die vielen Bäume entlang der befahrenen Strassen? Und wieso sind die Basler Baumstämme weiss? Ich war zu Besuch in der Stadtgärtnerei Basel, auf der Suche nach Antworten.

Leise rieselt der Regen gegen das Dach des Gewächshauses, ein Geruch nach feuchter, frischer Erde liegt in der kalten Luft. Ach, wie ich diese frühen Morgenstunden liebe. Im Laufe des Morgens wird sich das Gewächshaus noch etwas aufwärmen, da packt mich immer ein fesselndes Fernweh und ich stelle mir dabei vor, eine exotische Orchidee in einem schwülen Tropenwald zu sein, Tarzan zuzuschauen, wie er von Liane zu Liane schwingt und ach! – Jane.

Arbeitsbeginn: 6:45, Merian Gärten

Noch etwas müde vom ungewohnt frühen Aufstehen, befinde ich mich zu Beginn ganz allein in einem riesigen Gewächshaus, gefüllt mit hunderten und aberhunderten von Pflanzen: grüne, blütentragende, leuchtende, schüchterne. Meine erste Aufgabe: 170 Cleome Señorita Blanca vorsichtig aus ihren Töpfen lösen und in Kisten verpacken. Eine wunderschön monotone Aufgabe für so eine frühe Morgenstunde. Meine Hände arbeiten nach einer Weile ganz automatisch; vergilbte Blätter wegzupfen, leicht auf den Boden des Plastikbodens klopfen, behutsam am Stamm der Señorita ziehen und sie liebevoll in der Kiste platzieren.

Viel Zeit, um mir vorzustellen, wie sich die weisse Spinnenblume in diesem Gewächshaus fühlen muss und leise: «I love it when you call me Señorita …» vor mich hinzusummen. Zupfen, klopfen, ziehen.

Die Stadtgärtnerei in a nutshell

Die Stadtgärtnerei  kümmert sich mit ihren 260 Mitarbeitern*innen um alles, was grün ist. Beim Unterhalt der zahlreichen Parks und Friedhöfe, den Dekorationen der Denkmäler und Kirchen, der Grünplanung der Stadt oder der Gartenberatung sowie dem Bereitstellen von Mietpflanzen ist die Stadtgärtnerei involviert – und noch vielem mehr! Sie bietet auch verschiedenste Veranstaltungen an, beispielsweise einen Rundgang im Kreuzgang des Basler Münsters mit Tipps und Tricks zu Rosengärten oder wie man den Gartenrotschwanz schützen kann. Gar eine gratis Kompostberatung mit dem Bereitstellen von Material gehört zu ihren Dienstleistungen. Suchst du noch oder kompostierst du schon?

Ausserdem müssen sie sich mit einer weitverbreiteten Problematik auseinandersetzten: dem Klimawandel. Die Hitze steigt den bereits fragilen Bäumen zu Kopf. Deshalb plant die Stadtgärtnerei in die Zukunft und pflanzt vermehrt Bäume mit einer höheren Hitzeresistenz ein, wie zum Beispiel der französische Ahorn oder der Schneeballahorn, Eichen sowie Zürgelbäume. Um die bereits bestehenden, ortsansässigen Jungbäume vor der Hitze zu schützen, bekommen die von der Stadtgärtnerei einen weissen Anstrich verpasst.

So, jetzt bin ich einmal gespannt, wie viele weisse Baumstämme dir bei deiner nächsten Spazierfahrt durch die Stadt auffallen. Mir fiel fast die Kinnlade herunter.

Schweigen ist Gold

«Seit 35 Jahren arbeite ich schon hier», brummelt Björn mit einem halben Schmunzeln, er wünsche sich keinen anderen Job. Er ist nicht besonders gesprächig, auf Gegenfragen kann man lange warten. Wieso diese stimmungsvolle Stille stören?

Jede Pflanze nimmt er sorgsam in die Hand, inspiziert sie mit seinen sanften Augen und büschelt sie liebevoll zurecht, bevor er sie in die Kiste steckt. Zuhause habe er auch einen Garten, aber da pflanze er hauptsächlich Gemüse an. Blumen gäbe es schliesslich schon genug bei der Arbeit.

Der Sommer ist da!

Die Frühlingsflora des Strassburger Denkmals am Bahnhof soll mit der Sommerflora ersetzt werden. Deshalb verpacken wir alle diese Pflanzen in Kisten, damit sie morgen in der Früh transportiert und eingepflanzt werden können. Die Señorita Bianca wird hier bald den ganzen Tag die Sonne geniessen.

Zusammen mit Björn verpacke ich 120 exotische Kleopatras in Kisten, danach 500 von jenen und 300 von diesen Pflanzen … Bis auf wenige Bemerkungen, die ich aus Begeisterung nicht zurückhalten kann, wie: «Die Kleopatras machen ihrem Namen alle Ehre», arbeiten wir leise weiter. Man hört nur ein Zupfen, Klopfen, Ziehen.

Zahlen und Fakten

Wie viele Bäume gibt es eigentlich in Basel-Stadt?

  • Momentan verschönern 26’700 Bäume und über 500 Baumarten die Perle am Rhein.

Was für ein Baum steht da eigentlich vor meiner Tür?

  • Es gibt ein Verzeichnis aller öffentlicher Bäume der Stadt, mit Alter, Baumart und weiteren Informationen über deinen Hausbaum. Schau rein und lass dich fesseln!

Willst du einen eigenen Baum?

  • Du kannst Baumpate*in werden! Suche dir einen Jungbaum mit etwas Grünfläche rundherum aus, nimm Kontakt auf mit der Stadtgärtnerei und voilà; du kannst dich um deinen eigenen Baum kümmern. Pflanze Wildpflanzen und Stauden ein, gib deinem Baum einen Namen und trage zu einer grösseren Biodiversität bei!

Basel ist voller Blumen und Bäume

Erschöpft schwinge ich mich hunderte von Pflanzen später auf mein mit Blumen verziertes Fahrrad und kurz darauf ins Bett. Das war ein Abenteuer! Die grüne Stadtlandschaft werde ich ab heute mit ganz anderen Augen sehen. Es braucht unheimlich viel Planung und Infrastruktur, um die Stadt so schön zu gestalten, wie sie heute ist. Anfangs Juli werden schon die ersten Winterpflanzen gesät, die Stadtgärtnerei ist uns immer sechs Monate voraus.

Mit meinen Mitbewohnern habe ich schon abgemacht, eine WG-Baumpatenschaft einzugehen. In den kommenden Tagen gehen wir also auf die Suche nach unserem eigenen Baum. Halte auch du deine Augen offen und lasse dich inspirieren von den diversen Bäumen und schönen Blumen um dich herum. Meine weisse Señorita strahlt am Strassburger Denkmal.

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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