«Es hat mich volle Kanne getroffen!» Zeit für Plan B!

Hast du schon einmal auf dem Weg zur Universität inne gehalten und deinen Blick in die Baumkronen geworfen? Im schweissgetränkten Juli den schützenden Schatten einer grossen Pappel gesucht, im fröstelnden Herbst das farbenfrohe Laub so richtig hoch in die Luft getreten? Bäume prägen klammheimlich unser tägliches Leben und Bäume sind auch die neuen Stars in der Umweltausstellung Plan B im Herzen des Basler Hafenviertels. Die Ausstellung soll Umwelt, Wissenschaft und Kunst vereinen, für die Umweltprobleme sensibilisieren und vor allem eines: Aktivieren! Wie sie das tut, liest du hier:

«Vor drei Jahren hat es mich volle Kanne getroffen», erzählt mir Julia Sommerfeld, die Kuratorin der Umweltausstellung: «Da wusste ich, dass ich etwas gegen die Klimakrise unternehmen muss!» Also hat sie ihren Job an der Kunsthochschule gekündigt, sich für kurze Zeit ein Umweltwissenschaftenstudium überlegt, aber schlussendlich verworfen. «Ich habe etwas studiert, was ich unheimlich gerne mache. Jetzt musste ich einfach einen Weg finden, mit meinen eigenen Werkzeugen etwas für die Umwelt zu tun», erklärt sie mir und ja – das ergibt Sinn.

Julia Sommerfeld

Julia Sommerfeld ist eine Person, die strahlt; strahlt vor Begeisterung für ihr Thema, ihre Bäume. Strahlt für das, was sie tut. Strahlt, weil sie einen Weg gefunden hat, für das einzustehen, was sie berührt. Julia Sommerfeld verwendet das Waldfee-Emoji beim Nachrichten schreiben, lächelt viel, erklärt gerne und dies sehr einleuchtend. Ihr grosses Anliegen ist Kunst und Design mit der Umwelt zu verbinden und somit die Umweltprobleme den Menschen näher zu bringen, sie fassbar zu machen. Zeigen, was für ein Wunder in der Natur schlummert, was Mutter Erde alles für uns tut und vice versa, was wir für sie tun können – und müssen!

Breathe with me
Ich befinde mich inmitten des Hafenviertels, in einem kleinen, aus Holz konstruierten Raum mit Kunstwerken, die ich auf den ersten Blick nicht verstehe. Da taucht aber auch schon Julia auf und begrüsst mich herzlich und sogleich: «Darf ich dir eine Führung geben?» Mit eingehaltenen Corona-Regeln betrachten wir zusammen ein Werk nach dem anderen. Die Künstler*innen kommen alle aus der Region und einige sind auch Basler Kunststudent*innen. Das Werk ‚Breathe with me‘ filmt die Bäume beim Atmen, ein anderes vertont die DNA des Ökosystems rund um den Baum herum. PoeTrees, also Baum-Gedichte, laden auf eine witzige Art und Weise zu einem zweiten, bewussteren Blick auf die Bäume in der Stadt ein – und noch vieles mehr!

In der Mitte des Raumes stehen Setzlinge, die von der Stadtgärtnerei als klimarobuste Stadtbäume vorgeschlagen werden, und zu jedem dieser zarten Pflänzchen kann Julia einen interessanten Fakt berichten. Videointerviews mit vier Baumexpertinnen zeigen noch weitere Perspektiven über Stadtbäume auf, wie zum Beispiel: «You can take the tree out of the forest, but you can not take the forest out of a tree.» Es lohnt sich, zweimal darüber nachzudenken.

Der ermutigende Kiosk
«Oft hatte ich nach dem Besuch einer Ausstellung das Gefühl, dass mich das Thema zwar interessiert und gepackt hat. Doch auch wenn es mir nicht an Tatendrang gefehlt hat, wusste ich nicht, wie ich aktiv werden konnte», vertraut mir Julia Sommerfeld an. «Deshalb wollte ich Plan B anders gestalten: den Menschen eine Idee geben, wie sie sich für die Bäume engagieren können.» Dafür ist der Kiosk da: Er gibt dir lokalspezifische Tipps, wie du dich für eine klimafreundlichere Zukunft in Basel einsetzten kannst. Es gibt sogar ein Prospekt, das dir bei Unentschlossenheit Informationen gibt und Events vorschlägt, wie du dich weiter in das Thema vertiefen kannst. Für den Fall, dass die Ausstellung dich gar nicht anspricht, schlägt es dir einen ‚Linden Spritz‘ im ‚Patschifig‘ vor und wünscht dir noch einen schönen Abend.

Für Begeisterte gibt es auch Broschüren für eine Baumpartnerschaft in Basel, die Vereine Desert Tree sowie Árbol Conrazón werden vorgestellt, welche für den Erhalt der Wälder auf der ganzen Welt kämpfen. Zahlreiche Unterschriftenbögen für eine umweltfreundlichere Stadt Basel liegen auch aus. Es mangelt nicht an Möglichkeiten. Julia hilft mit ihrem Wissen auch gerne weiter, wenn man sich engagieren möchte!

Informationen
Die auf Kollekte basierte Ausstellung Plan B vom 15.08.2020-31.10.2020, jeweils donnerstags und freitags von 14:00-20:00 sowie samstags und sonntags von 11:00-20:00 geöffnet, wird organisiert von dem Verein Zentrale für Umweltausstellungen und die treibende Kraft dahinter ist unsere strahlende Julia Sommerfeld: «Plan B ist die allererste Ausstellung, aber wir haben noch viele Pläne mit unserem Verein in Aussicht.» Führungen mit Studierendengruppen stehen bevor sowie Baumpflanzungen in Schularealen. Diverse Workshops durch die «Plan B»-Ausstellung werden auch angeboten, der nächste am 26.09.2020 zum Thema ‚Der Baum als Lebensraum – Nisthöhlen für Vögel bauen‘, mehr Informationen findest du hier. Aber jedermann ist jederzeit willkommen, ob mit einem Bier in der Hand spontan beim Vorbeigehen oder mit Voranmeldung, um sich eine Führung auf keinen Fall entgehen zu lassen.

«Julia, willst du den Studierenden noch einen Tipp mit auf den Weg geben?»
«Zu studieren ist etwas total Schönes und Privilegiertes. Man muss sich einfach bewusst sein, dass man als junger Mensch den Hebel für die Zukunft in der Hand hat. Man kann wirklich etwas bewegen! Es gibt auch immer Schnittstellen, an denen man ansetzen kann, einfach die Augen offen halten und mutig sein. Ich war mutig und es hat einfach geklappt.»

Tatsache ist, dass ich seit meinem Besuch in der Umweltausstellung Plan B, die Bäume auf dem Weg zum Einkaufen, auf dem Weg zur Lieblingsbar oder an die Universität intensiver betrachte, ihnen zulächle; glücklich darüber bin, dass sie da sind. Lasse dich auch verzaubern von Julia Sommerfeld, besuche die Ausstellung, betrachte Bäume von einem anderen Blickwinkel.

PS: Bäume umarmen ist voll ok.

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Bevor dieser veröffentlicht wird, wirft noch jemand aus der Redaktion einen Blick darauf. Das kann ein bis zwei Arbeitstage dauern.
Ups. Ein Fehler ist aufgetreten. Bitte versuche es noch einmal.
Tags: /