Ein Meer aus Samen, oder: Wie kommen essbare Blüten auf den Balkon?

Handfläche mit Samen
Und los gehts: Mit jeder Menge unterschiedlichster Samen - und irgendwann essbaren Blüten (Josefin Kaufmann).

Wenn die rosafarbenen Magnolienbäume vor der Pauluskirche blühen, das Neon-grün der spriessenden Blätter dir ins Auge sticht und eine dicke Hummel dich im Schützenmattpark verfolgt, ist es Frühling! Zeit um zu sähen, Wurzeln zu schlagen und zu erblühen – ich rede natürlich vom Gärtnern. Gärtnern in der Stadt, ja das geht! Dafür kann man sich Tipps und Material bei Urban Roots holen oder einfach einmal beim «Wildpflanzemärt» vorbeischlendern. Hier erfährst du mehr darüber, wie du deinen Balkon in ein essbares Paradies verwandelst und in wenigen Wochen die Früchte – und das Gemüse – deines Erfolgs ernten kannst.

Alles startete mit einem Instagram-Account. Urban Roots wollte den Basler Gartenneulingen helfen, ihren eigenen Daumen in einen grünen, Photosynthese produzierenden Organismus zu transformieren. Viele grüne Daumen und zwei Jahre später ist Urban Roots nun eine grosse Plattform mit Online Shop für alle, die Gesundheit, Harmonie und Hoffnung anstreben. So beschreiben sie es jedenfalls in ihrem Startbooklet: «Die Farbe grün entspannt und beruhigt, Gärtnern bringt Farbe ins Stadt Leben und das Fröhliche zurück in dein Zuhause!» Nur ist die Frage: wie?

Bestellen! Gärtnern! Zuschauen! Ernten!

Der Titel ist Gesetz. In ihrem Shop findest du von Gärtnerzubehör bis zu einer Saatbox namens «Grow your own Pizza» alles, was ein grüner Daumen «liken» würde. Für jeden Balkon, ob schattig oder sonnig, findet man ein passendes Pflänzchen. Zudem kannst du auf einen Blick erkennen, welche Samen aktuell in den Startlöchern des Frühlings stehen und sehnlichst darauf warten, in der feuchten Erde zu verschwinden. Von Ende April bis Anfang Mai eignen sich zum Beispiel Oregano, Microgreens Senf, Spinat – oder vielleicht doch lieber Linsen?

Ich habe also die Saatbox «Basel gärtnert» bestellt. Schön verpackt in unbeschichtetem Recyclingmaterial und lokal gedrucktem Papier. Der nächste Schritt ist also gärtnern. Aber nochmal: Wie genau soll das gehn?

Urban Roots Saatbox

Achtung, fertig los: jetzt wird gegärtnert! (Josefin Kaufmann)

Urban Gardening made easy

In meiner Saatbox befindet sich Biosaatgut für Radieschen, Erbsen und essbare Blüten sowie das Startbooklet und Biodünger aus 100% biologischem Klee. Nachdem ich alles ausgepackt und bestaunt habe, stürze ich mich mit zwei Leuchtstiften auf das bereits zitierte Startbooklet. Dabei lerne ich unter anderem folgende Fakten:

  • Pflanzen kriegen keine kalten Füsse, sondern nasse
  • Wenn man das Klima schützen möchte, muss man die torffreie Erde kaufen
  • Pflanzen mögen es, mit einem weichen Strahl begossen zu werden, die Saat jedoch bevorzugt einen Brauseduschkopf

Ausserdem gibt es in diesem süssen kleinen, nach meinem Leuchtstift-Tornado sehr bunten Startbooklet Steckbriefe und Anleitungen zu jedem Saatgut sowie kleine «Wusstest du …» –Textboxen, die ich sogleich wieder mit meinem Marker zum Strahlen bringe. Auf Instagram oder Youtube kann man sich bei restlichen Zweifeln oder bei bevorzugt visuellem Lernen auch Videos zum Anpflanzen des Saatguts anschauen, hier ein Beispiel zur Erbse.

Am besten lernt man beim Ausprobieren (oder aus Fehler), also ran an den Speck:

Ein Meer aus Samen

Der Geruch nach feuchtem Humus erfreut meine Nase, das Vogelgezwitscher von den vielzähligen Spatzen in unserem Ginkobaum und das Gurren eines Taubenpaares, welches sich in unserem Hinterhof bequem gemacht hat, bezirzen meine Ohren.

Obwohl ich hochmotiviert bin, habe ich noch immer keinen grünen Daumen. Hingegen sehr braune, nachdem ich tief in den torffreien Sack Erde greife und eine grosse Ladung sogleich in den vorbereiteten Topf versenke. Mit meinem Zeigefinger bohre ich kleine Nistplätze für die Samen und platziere sie sorgfältig in ihre gemachten Betten.

Fasziniert halte ich das Saatgut wie ein kleines Küken in der Hand und betrachte die Samen eingehend. Die Körner für die essbaren Blüten sehen aus wie Sand, den man unter dem Mikroskop betrachtet. Mit ein wenig Fantasie erkenne ich Muscheln, Anemonen, Schnecken und komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus: Ich halte ein ganzes Meer in der Hand!

Was siehst du in den Samen? Teile es uns in den Kommentaren mit!

Wildpflanzemärt am Andreasplatz 

Ich gebe zu, dass ich nach dem ganzen Saatgut-Zauber etwas enttäuscht war, dass ich auf das grüne Wunder nun einige Tage warten muss. Hans und die Zauberbohne erschien mir kurzzeitig gar nicht mehr so unrealistisch. Um die Zeit ein wenig zu überbrücken und mich noch weiter inspirieren zu lassen, stattete ich dem «Wildpflanzemärt» am Andreasplatz einen Besuch ab.

Bis zum 8. Mai kann man am Andreasplatz den Wildpflanzemärt bestaunen. Dieser Markt gibt es nun schon mehr als dreissig Jahre und wurde damals von einer Studentin gegründet, die sich für mehr Grün in der Stadt einsetzte.

Ein breites Sortiment an einheimischen Pflanzen von Wildstauden über Küchenkräuter und Kletterpflanzen erwarten dich liebevoll arrangiert in dem gemütlichen Innenhof. Bei Fragen steht ein kompetentes Team zur Beratung zur Verfügung und wenn man sich eine kleine Pause gönnen möchte, um die Pflanzen mit etwas Distanz und  einem würzigen Kaffee in der Hand zu betrachten, gibt es gleich nebenan ein süsses Café namens «Ängel oder Aff».

Grüne Daumen hin oder her, Gärtnern macht unheimlich Spass und verbindet mit der Natur. Probiere es aus und schaue dir ein paar Videos von Urban Roots auf Instagram an, kaufe dir spontan ein paar Samen oder beschnuppere die blühenden Blüten auf deinem Heimweg! Der Frühling ist nicht nur eine Jahreszeit, sondern ein Lebensmotto.

Ich warte noch immer ungeduldig auf meine ersten, essbaren Blüten.

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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