Mein Leben in der 10er-WG

Bild: Martin Schmidt |CC BY 2.0

In meiner WG geht es selten ruhig zu. Wenn man abends nach Hause kommt, ist meistens schon jemand da, irgendwo dudelt immer Musik und die Spülmaschine läuft oft mehrmals am Tag. Denn wir wohnen zu zehnt in einer Haus-WG.

Meine neun Mitbewohner sind ganz verschiedene Menschen im Alter von 13 bis 45, die ganz unterschiedliche Berufe und Hobbys haben. Das ist nicht nur super spannend, sondern auch sehr praktisch. Da wäre zum Beispiel der Gärtner, der mir gerne erklärt, wie ich am besten meine Tomate einpflanzen muss. Oder der Bäcker, von dem wir mit selbstgebackenem Brot versorgt werden. Oder der IT-ler, der bei diversen Computerproblemen ein offenes Ohr hat.

Das unterschiedliche Wissen ist natürlich nicht der einzige Vorteil. Wir wohnen zusammen, weil wir gerne in Gesellschaft sind. Ich mag es einfach nicht, in eine leere Wohnung nach Hause zu kommen, um mich dann alleine zum Znacht an den Tisch zu setzen. Und das ist bei uns wirklich selten der Fall. Normalerweise essen wir jeden Abend gemeinsam, wobei jeder an einem Abend in der Woche für alle kocht. An die grossen Kochmengen gewöhnt man sich schnell, denn ein Paket Nudeln reicht selten. Bei Besuch sind wir schonmal fast 20 Leute, so dass wir kreativ werden müssen, was Sitzgelegenheiten betrifft.

Geteilt wird (fast) alles
Dementsprechend gross fallen unsere Einkäufe aus, deren Kosten wir natürlich teilen. Will jemand seine teure Salami aus dem Italienurlaub aber alleine geniessen, ist ihm dringend geraten, diese entweder im eigenen Zimmer aufzubewahren oder mit einem grossen Edding als seine zu kennzeichnen. Sonst ist sie schneller weg, als einem lieb ist. Auch die Putzaufgaben teilen wir auf, denn bei drei Etagen fällt einiges an Arbeit an. Für Kochen und Putzen haben wir diverse Pläne, um die Übersicht zu behalten. Das hilft uns Fragen zu beantworten wie: Wie viele Personen essen heute Abend mit uns? Welches Bad muss noch geputzt werden? Dabei hilft uns seit kurzem sogar eine WhatsApp-Gruppe, in der Wichtiges und Unwichtiges allen (ausser den zwei Smartphone-Verweigerern) mitgeteilt wird.

In unserer Freizeit gehen wir gerne mal gemeinsam in den Ausgang oder schauen die neue Folge Game of Thrones. Wir sind Meister der spontanen Aktionen und veranstalten dann kurzfristig eine Disko im Wohnzimmer oder einen Grillabend im Garten. So etwas ist eben einfacher möglich, wenn viele Leute mithelfen. Wir versuchen auch unser Haus und unseren Garten immer ein Stückchen weiter mitzugestalten. In den drei Jahren, in denen ich dort wohne, kamen zum Beispiel Hochbeete und ein Töggelichaschte zum Inventar dazu, Zimmer wurden renoviert, Sofas ausgetauscht und Wände gestrichen. Der Vorteil ist ja, dass jeder etwas anderes mag oder kann. So entstehen immer wieder neue Ideen.

Sockenmonster und Schokoladendiebe
Selbstverständlich hat so eine grosse WG auch Nachteile. Zum Beispiel, wenn jemand anderes deine Wäsche aus der Waschmaschine holt und danach die Hälfte der Socken fehlt. Oder wenn total leckere Schokolade gekauft wird, aber du nichts mehr davon bekommst, weil neun andere vor dir da waren.  Oder wenn du das neue Lieblingslied von deinem Zimmernachbarn einfach nur nervtötend findest.

Für viele ist der ständige Trubel und das wenige Alleinsein nichts. Diejenigen gehen dann schnell wieder ihren eigenen Weg. Aber für andere ist es genau das Richtige. Denn es gibt viel zu erleben und Langeweile hat man so gut wie nie. Da schaut man dann gerne über ein paar fehlende Socken hinweg.

 

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