Los geht’s! Eine Typologie der Erstsemester

Tamara, 19, studiert an der Universität Basel Deutsch und Medienwissenschaften. In ihrer ersten Woche als Erstsemester ist sie fast verzweifelt. Ein Jahr später hat sie den nötigen Abstand, um augenzwinkernd auf die Erstsemestertypen zu blicken.

Bald ist wieder Semesteranfang! Des einen Freud, des anderen Leid. Mit dem Semesterstart stürzen sich auch viele motivierte – oder eben unmotivierte – Erstsemester in das Getümmel. Unter ihnen befinden sich manche, die einfach jedes Semester zu finden sind: Eine nicht ganz ernst gemeinte Typologie.

Der isch-mir-doch-gliich-Erstsemester
Was er (oder auch sie) hier an der Uni will, weiss er eigentlich noch nicht so genau. Eingeschrieben an der Uni hat er sich nur, weil ihm halt nichts besseres eingefallen ist als zu studieren. Die Entscheidung fürs Hauptfach war leicht. Darin war der Isch-mir-doch-gliich-Erstsemester schon  in der Schule ein richtiges Genie war. Da muss ja alles laufen. Das Problem ist, dass er jedoch auch eine zweite Studienrichtung benötigt. Letzlich hat er einfach das genommen, was extrem cool klingt. Eigentlich hauptsächlich damit ihm sein Freundeskreis anerkennende Blicke zuwirft, wenn er ihnen erzählt, was er jetzt macht. Um die Studiumsorganisation fängt er sich vielleicht mal am dritten Tag an zu kümmern – ist ja alles voll easy. Zur Not kann er ja einfach auch ein paar Semester dranhängen. Mami und Papi werden es ja schon zahlen. Doch es gibt auch eine Sparte ,in der sich der “isch-mir-doch-alles-gliich”-Erstsemester am allerbesten auskennt: Wie man es schafft trotz Anwesenheitspflicht möglichst oft zu fehlen. Hier kennt er alle Tipps und Tricks schon mindestens vier Wochen vorher.

Der Übereifrige
Er ist schon drei Wochen vor Semesterbeginn so angefressen, dass er bereits einen Zeitplan für sein ganzes Studium erstellt hat. Sogar wann er welche Seminararbeit schreibt, weiss er schon. Natürlich hat der übereifrige Erstsemester (und auch hier gibt es natürlich auch das weibliche Pendant) vor lauter Wissensdurst auch schon längst seinen Stundenplan erstellt. Auf seine Erstsemesterkommolitoninnen und -kommilitonen, die sich erst alles ganz genau anschauen wollen und die bei dem ganzen Modul-Wirr-Warr gar nicht wissen, was sie zu wählen haben, wirkt er deshalb allwissend. Der Übereifrige nimmt sich jedoch die Zeit und versucht seinen zukünftigen Mitstudierenden unter die Arme zu greifen und ihnen alles zu erklären. Er bemerkt jedoch gar nicht, dass er mit seinem Handeln genau das Gegenteil bezweckt. Besser gesagt: Der Übereifrige kann einem ganz schön die Nerven rauben und lässt bei den anderen schon am ersten Tag das Gefühl aufkommen, man habe jetzt bereits schon zu wenig gemacht. Doch es ist nicht alles so perfekt, wie es scheint: Spätestens nach zwei Tagen merkt er, dass er sich etwas zu viel vorgenommen hat und streicht still und heimlich mindestens wieder fünf Kurse aus seinem Stundenplan raus.

Der Pendler
Er nimmt Tag für Tag einen weiten Weg auf sich, um in die Uni zu kommen. Für ihn steht von vorneherein fest: Lernen und Lesen, das mache ich im Zug. Das Ganze ist aber kein Zuckerschlecken: Denn wenn sein Wecker früh morgens klingelt, schlafen die Kommilitonen noch friedlich in ihren Betten. Studentenleben? – Pah, von wegen! Aber der Pendler-Erstsemester weiss von Anfang an, worauf er sich eingelassen und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Schuld nur bei sich selbst zu suchen. Doch sind es nicht nur die Schuldgefühle. Nach einer Zeit ist es schon nervig, die Party immer dann zu verlassen, wenn sie gerade am besten ist – schliesslich muss er ja noch den letzten Zug erwischen. Er malt sich des öfteren aus, wie die anderen jeden Tag ihr blühendes Studileben auskosten und von Bar zu Bar und von Club zu Club ziehen. Was er nicht weiss: Die Realität ist ganz anders! Doch auch er wird es bald erfahren, denn irgendwann hat er die Nase voll von Mami und Papi zuhause und ihn zieht es in die Universitätsstadt, um eine WG mit den neuen Freunden zu gründen.

Der Perfektionist
Bevor das Semester beginnt, hat er den Leitfaden mindestens schon zwei Mal durchgelesen – und sogar auf Anhieb verstanden. Die verschiedenen Module, welche Credit Points ich wann und wo zu erwerben habe – für den Alles-Wisser-Erstsemester kein Problem! Zusätzliche Infos sammelt der Perfektionist am ersten Tag: Er durchläuft alle Infostände in der Uni und frägt an jedem Stand mindestens zwei Fragen. Er will halt eben alles ganz genau wissen. Nach einer Woche hat er schon den Durchblick, während die anderen noch nicht einmal wissen, wo sich die Bibliothek befindet. Auch die ganzen Kennenlern-Bartouren und Erstsemesterparties verpasst er nicht und somit kennt er in der zweiten Woche schon ein Fünftel der Uniwelt. Egal, was er plant, er bekommt alles unter einen Hut. „Woher nimmt er bloss diese Zeit?“, fragen sich die Neider. Niemand weiss es, er ist ab sofort aber der 1A-Vorzeige-Student.

Ich wünsche allen Erstsemestern und allen Nicht-Erstsemestern einen guten Start in das neue Semester!

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