Laurin Buser, das Multitalent

Knall-Poesie! Selbstverfasste literarische Texte, die mit einer gehörigen Portion Selbstinszenierung in einem interaktivem Vortragswettbewerb dargeboten werden, auch bekannt als Slam Poetry. Junge Literatoren geben sprachlich alles auf der Bühne, hauen dich mit ihren frischen, neuen Ideen aus den Socken. Für viele Schriftsteller ist der Slam Poetry der erste Schritt in ihrer literarischen Karriere, so auch für Laurin Buser. Wie die Basler Poetry Slam-Legende zur knalligen Poesie gekommen ist, was ihn inspiriert und was er heute so treibt, hat er mir in einem Gespräch verraten.

Bühnenbild:
Basel. Für einen Tag im März strahlt die Sonne unbarmherzig warm und blendend auf die Cafés am Rhein hinunter. Mancherlei Menschen sitzen an den kleinen Tischen, unterhalten sich mal laut, mal leise mit ihrem Kollegen, Geschäftspartner oder der besseren Hälfte und lassen dabei den Trinkhahn nicht versiegen. Doch ein junger Mann sitzt ganz alleine in ein dickes Buch vertieft, während sich noch weitere Schmöker auf dem Tischchen neben der schon lange leeren Kaffeetasse türmen. Laurin Buser, wie er leibt und lebt.    

Erster Akt: Urknall
Ich komme zu spät, typisch. Doch Laurin ist die Ruhe selbst. Wir bestellen uns etwas zu trinken und er fängt an zu erzählen. Man merkt sofort; er redet gerne, wählt seine Worte weise und verzieht manchmal ein wenig das Gesicht, wenn er etwas nicht so ausdrücken konnte, wie es sich in seinem kreativen Kopf wohl angehört hat.

Angefangen habe seine künstlerische Karriere mit einem Poetry Slam-Text als er fünfzehn Jahre alt war, einem kritischen Text darüber, ob man Zeitungsinformationen Glauben schenken sollte. «Wenn ich an meinen ersten Poetry Slam-Text zurückdenke, dann finde ich den ziemlich herzig», meint er heute dazu. Es sei ihm wichtig gewesen, den anderen Menschen zu zeigen, dass in jungen Pubertierenden viel mehr steckt, als die meisten vermuten. Schon damals habe er sich viele Gedanken zur Politik, Kultur und der Zukunft gemacht und wollte seine Erkenntnisse, Ideen sowie Kritik mit anderen teilen. Das ist bis heute so geblieben. Vor allem wollte Laurin mit seinem ersten Poetry Slam Auftritt eins erreichen: Er wollte auf die Bühne.

Zweiter Akt: Alles oder nichts
Inzwischen hat er schon unzählige Bühnenauftritte mit seinen Poetry Slam-Texten hinter sich, war auch als Schauspieler in diversen Theatern oder als Moderator bei verschiedenen Veranstaltungen zu sehen. Gar als Rapper kann man ihn im Rampenlicht entdecken. Er möchte sich nicht alleinig auf eine Richtung fokussieren: «Es ist spannend, jeden Tag etwas anderes zu tun! Mal bin ich Moderator, die zwei folgenden Tage stehe ich als Slam Poet auf der Bühne, am Abend danach bin ich Rapper und am nächsten Morgen muss ich in den Zivildienst.» Seit er vor sieben Jahren aus dem Gymnasium kam, habe er sich mit seinen Auftritten über Wasser halten können. «Ich lebe meinen Traum», meint er und grinst.

Dritter Akt: Auf der Suche nach Inspiration
Doch aus welchem Zylinder zaubert er seine ganzen Geistesblitze, woher kommt die innovative Inspiration, wer ist seine musterhafte Muse? Darauf wusste Laurin selbst keine klare Antwort. Das was ihn umgibt, die Menschen mit denen er sich momentan auseinandersetzten muss, würden ihn konstant anregen und neue Impulse hervorrufen. Sein Ziel sei es, die Inspiration nicht suchen zu müssen, sondern ein inspirierendes Leben zu führen. Doch eigentlich beschäftige er sich nie mit der Frage, woher seine Erleuchtungen kommen, bis er selbst unter einer akuten Schreibblockade leidet. Seine Therapie dagegen: ,,Man muss einfach weiterleben, der Rest kommt von selbst.“

Vierter Akt: Gefühlschaos
Die Bühne zu rocken ist sein Bestreben. Doch wie fühlt er sich heute dabei, nachdem er schon hunderte von Auftritten hinter sich hat? Ist die Nervosität immer noch übermächtig? «Ich fühle die ganze Palette an Gefühlen! Nervosität, Vorfreude, aber um ganz ehrlich zu sein, verspüre ich, wenn auch sehr selten, Unlust auf die Bühne zu gehen. Immerhin ist es mein Job, da kann man nicht immer motiviert sein», erzählt er ganz offen. Anstrengend sei es dann, wenn der Funke nicht überspringt. Manchmal fühlt Laurin sich fehl am Platz, wenn er vor lauter weissen Tischtüchern den Saal nicht mehr sieht. Solche Anlässe sind aber eher die Ausnahme. «Dann muss man seinen Auftritt einfach durchziehen und nachher schnell verschwinden oder man bleibt und betrinkt sich mit den weissen Tischtuchmenschen. Nur um herauszufinden, dass sie gar nicht so schlimm sind.»

Wie sieht es mit der Berühmtheit aus? Wird er oft erkannt? Mit einem leisen Auflachen erzählt er mir, dass er gerade an jenem Tag von einer Bücherverkäuferin durchschaut worden sei. «Aber in der Schweiz wird man in Ruhe gelassen. Ausserdem stehe ich nicht auf der Bühne, um auf der Strasse erkannt zu werden. Mir geht es um die Kunst.»

Fünfter Akt: Eine rosige Zukunft
Sein Bücherstapel auf dem Tisch gehört zu einem seiner neuen Projekte; er schreibt drei Szenen für ein Theaterstück über den Goldhandel in Westafrika und muss sich dementsprechend in das Thema hineinversetzen, Inspiration halt. Im Sommer wird Laurin im Namen der Literatur eine Reise nach Togo und dann weiter nach Rio de Janeiro in die Favelas unternehmen, wo er von einer Organisation aus das Interesse an Kultur anregen soll. Im Moment liegt sein Hauptfokus aber auf der Rap-Musik; vom 30.04. bis 03.05. geht er mit Samy Deluxe auf Tour und wird danach ein neues Album rausbringen. ,,Das kommende Jahr wird spannend!“, verrät mir Laurin mit einem begeisterten Gesichtsausdruck. Ich hake da nochmals nach und frage ihn, ob das auf die Musik bezogen sei. Er schüttelt nur ungläubig den Kopf und raunt: ,,Mit allem!“

An diesem Freitag (31.03.17) kann man Laurin Buser live auf der Bühne als Moderator bei SLAM Basel im SUD sehen. Wer morgen nicht kann, muss aber nicht traurig sein, Laurin wird sicher bald wieder auftreten.

 

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