Läckerer Familien-Geschenktipp

Basler Läckerli sind nicht grad das originellste Weihnachts-Mitbringsel. Ausser, man macht sie selbst, am besten nach einem hundert Jahre alten Rezept. Da freuen sich die Verwandten vom Emmental bis ins Tessin.

Das Basler Läckerli ist ein tolles Guetzli. Zum einen ist es alt. Die ältesten nachgewiesenen Rezepte stammen aus dem 17. Jahrhundert. Läckerli dürften damals eine ziemlich extravagante Sache gewesen sein. Lebensmittel waren sowieso knapp und überhaupt etwas Süsses zwischen die Zähne zu bekommen, war für viele ein Luxus. Zusätzlich bedeutete es einen Riesenaufwand, Gewürze, Orangen, Zitronen und Mandeln zu importieren. Das Gebäck war also sehr VIP. Vermutlich auch zur Zeit unserer Urgrosseltern noch. Lustig, denn im Vergleich zu anderen dekadenten Leckereien wie Macarons oder Cannelés sind Basler Läckerli schon eine eher zähe Angelegenheit. Lecker, aber zäh. Irgendwie typisch Basel.

Inzwischen gibt es die Basler Läckerli an jedem gut sortierten Bahnhof zu kaufen. Läckerli Huus sei Dank. Die Firma beschäftigt über 100 Mitarbeitende und gehört übrigens Miriam Baumann-Blocher, einer Tochter von Christoph Blocher (Fun Fact am Rande: Habt ihr gewusst, dass ein Grossonkel Christoph Blochers mal Präsident der Basler SP war? steht auf Wikipedia!).

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Jetzt aber zum Rezept: Ich hab eins von 1901 ausprobiert, aus einer tollen Läckerli Rezeptsammlung. Das Rezept lautet, im Originaltext, folgendermassen:

Basler Läckerli
1 kg Honig, 500g fein gehackte Mandeln, 500g Zucker, 1 Esslöffel gestossener Zimmet und 1/2 Löffel gestossene Nelken, die Schale einer Zitrone fein gehackt, 1 Glas altes Kirschwasser, 125g Zitronat, 125g Orangeat, 1 1/4 kg gut getrocknetes Mehl und etwas Backpulver. Der Honig wird auf dem Feuer gelassen, bis er kocht, dann werden der Zucker und die Mandeln und nach und nach alle Zutaten dazu gegeben, das Feuer klein gemacht, der Teig tüchtig verarbeitet, dann ausgewellt und in viereckige Stücke geschnitten. Die Bleche werden mit Mehl bestreut, die Leckerli darauf gelegt, am andern Tag gebacken und, wenn erkaltet, mit folgendem Guss versehen: 500g Zucker wird mit 1/2 Liter Wasser durchfeuchtet, dann kochen gelassen, bis der Guss auf den Läckerli weiss wird und gleich trocknet.

Tipps:
Trotz seines Alters funktioniert das Rezept bestens. Ein paar Stellen sind allerdings ein bisschen unklar, hier die entsprechenden Tipps: «1 Glas altes Kirschwasser» darf man grosszügig interpretieren, ich hab 2dl genommen. Mandeln habe ich ganze gekauft und selber grob gehackt. Backpulver habe ich gar keins genommen, weil bei Läckerli die Gefahr besteht, dass der Teig Blasen wirft. Ausgewallt hab ich den Teig gleich zwischen zwei Backpapieren, das gibt weniger Scherereien.

Schüsseln und Co. gleich einweichen lassen, lieber nicht warten, bis der Teig noch zäher und noch klebriger wird! Gebacken habe ich die Läckerli bei 200 Grad etwa zehn Minuten. Sobald der Boden dunkel wird, sofort rausnehmen! Die Glasur fand ich in diesem Rezept ein bisschen üppig, ich hab einfach 0,5dl Wasser und 70 Zucker aufgekocht und nachher auf der Läckerli-Platte verteilt. Das Trocknen dauert ewig. Die Läckerli in geschmolzene Crémant Schokolade zu tauchen, gehört nicht zum Originalrezept, schmeckt aber gut. Kleines Extra für speziell liebe Verwandte.

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