Korfball? – Korfball!

Es gibt unzählige Sportarten, die man im Unisport entdecken kann: Quidditch, Sambo, West Coast Swing und: Korfball. Kor-was?! Sagt dir nichts? Kein Problem, hier folgt ein hautnah erlebter, schweissgetränkter Erfahrungsbericht über den gemischtgeschlechtlichen Ballsport. Achtung: Kann Spuren von Spass enthalten…

Reglement
Korfball stammt aus den Niederlanden und bedeutet so viel wie ‚Korbball‘. Dabei gibt man keine Körbe, man wirft sie.

Pro Team stehen jeweils acht Spieler, davon vier Frauen sowie vier Männer, zusammen auf einem 20 Meter x 40 Meter grossem Feld und spielen eine Art modifiziertes Basketball. Das Feld ist in zwei Hälften, sogenannten ‚zones‘, getrennt. Dabei bleibt jeweils die eine Hälfte der Spielerinnen und Spieler immer in ihrer ‚zone‘ und macht nichts anderes als zu verteidigen, bis zwei Körbe erzielt worden sind, dann wird in den Angriff gewechselt und umgekehrt. Weitere Fakten: Die Körbe sind 3.5 m hoch, mit dem Ball darf man nicht dribbeln, Männer dürfen nur Männer verteidigen und folglich gehen Frauen auch nur auf Frauen los, wobei Korfball ein kontaktloser Sport ist.

«Noch niemand hat je Klavier spielen gelernt, indem er ein Buch darüber las», sagte Edel Maex. Ich bin einverstanden: Genug Theorie, lass uns in die Praxis wechseln!

Woensdag avond
«Hi! Nice to meet you.» Man redet englisch. Denn die Korfball-Begeisterten in Basel kommen aus allen Winkeln der Welt: Ir-, Eng-, Griechenland, Niederlanden (natürlich) und unter anderem sogar aus Australien. Gemeinsamer Treffpunkt: Mittwochabend, Sporthalle der FMS in Basel. Wie das Leben so (Korfball) spielt.

Zwei, drei der Anwesenden kennen den Ballsport schon seit Jahren, was ungefähr 10% ausmacht; unter anderem die Trainerin Renate de Bock. Sie hat schon als junges Mädchen in diesem Sport Fuss gefasst. Da der Korfball-Verein aber erst seit einem halben Jahr existiert, sind die meisten erst vor Kurzem mit Korfball in Kontakt gekommen, ziemliche Amateure also. Da machen meine eigene komplette Inkompetenz und mein umfassendes Unwissen den Braten nicht mehr feiss.

Korfball spelen!
Aufwärmen: Wir springen wild durcheinander und kriegen Aufgaben von Renate erteilt: «Get together in a group of 5!» Teambildend, chaotisch, lustig – bis auf die (milde) Strafe für diejenigen, welche keine vier weiteren Mitspieler um sich scharen konnten: «One penalty shot or 5 sit-ups»… Lass deiner Fantasie freien Lauf! Bloggerinnen werden auf jeden Fall nicht verschont.

Danach üben wir uns im Körbe werfen: Schön aus den Beinen, Ziel über dem Ball anvisieren. Tatsächlich, darf man werfen, wie man will. Die Technik wird überbewertet. Hauptsache der Ball geht von oben durch den Korb. Der Haken am Korfball ist, dass es kein Brett hinter dem Korb gibt, welches dir über das Abprallen helfen kann, durch das Netz zu treffen. Ich habe mich in meine Kindheit zurückgesetzt gefühlt: Es ist wie Fahrrad fahren lernen ohne Stützräder.

Die letzte halbe Stunde wird ein richtiges Korfball-Match gemacht: Gegner abdecken, sich frei springen, sich anbieten, kommunizieren, schwitzen, lachen. Mehrmals laufe ich in meine Gegenspielerin hinein, total übermotiviert und berauscht von dem gelb-blauen Ball. Das war dann jedes Mal ein Foul. Was dem Korfball noch so eine Extra-Dynamik verleiht, ist dass der Korb jeweils im Zentrum der ‘zone’ steht und man von allen Seiten her versuchen kann in den Korb zu treffen. «What goes around… Comes around… » [Justin Timberlake]

Die ein wenig erfahreneren Spielerinnen und Spieler geben mir ständig Tipps und muntern mich auf. In den Trinkpausen werden jeweils Fragen gestellt und geklärt sowie weitere Strategien ausgearbeitet. Ich habe selten eine so soziale, trotzdem sport- und lösungsorientierte Stimmung in einer Turnhalle erlebt. Was da unterschiedliche Kulturen und Denkweisen alles bewirken können…

Conclusie
Korfball ist einzigartig. Männer und Frauen können zusammenspielen, ohne dass die geschlechtsunterschiedliche Muskelmasse und Körpergrösse eine entscheidende Rolle spielen. «It is so fun to practice sports together with all kind of different people. It is much more relaxed», die omnipräsente Meinung der ganzen Gruppe.

Ich bin hellauf begeistert von diesem Sport und finde es einen tollen Weg, um zum Beispiel den aufgestauten Prokrastinationsfrust rauszulassen (am besten ohne Fouls, egal wie hoch das Frustrationslevel ist) ohne zu viele Verpflichtungen einzugehen. Denn die Korfball-Gemeinschaft in der Schweiz ist noch nicht gross genug, um jedes Wochenende Wettkämpfe zu organisieren. Vor zwei Wochen fand ein Turnier in Zürich statt, gar eine britische Mannschaft hat teilgenommen, doch es wird erst ab nächster Saison regelmässig einmal im Monat Spiele geben.

Falls ihr mehr über den Sport erfahren möchtet, denn mehr als die groben Spielregeln findet man im schlauen Internet kaum, meldet euch bei Renate de Bock, schaut auf der Facebook-Seite vorbei oder probiert es im nächsten Semester am eintägigen Unisport-Workshop einmal aus! Alle Motivierten sind zu einem Probetraining im ‚Korfball Basel‘ willkommen und müssen erst nach dem dritten Mal entscheiden, ob man gerne dem Verein beitreten möchte oder nicht. Der Korfball muss in der Schweiz erst noch Fuss fassen, aber auf jeden Fall ist es ansteckend!

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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