Erde am Limit – rettet die Pandas!

Grosse Erdkugeln an der Decke
Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck, wie stark wir unsere Erde unter Druck setzen (Josefin Kaufmann).

Im Naturhistorischen Museum findet derzeit die Ausstellung «Erde am Limit» statt, die eines der drängendsten Probleme unserer Zeit aufzeigt: unseren Umgang mit der Umwelt. Welche Themen die Ausstellung thematisiert und wo ihr noch mehr über die Umweltproblematik unserer Zeit erfahren könnt, lest ihr hier.

«Ich wünsche mir, dass Pandas nicht aussterben»,

steht auf einem Kärtchen, dass man am Ende der Sonderausstellung ausfüllen und in einem lilafarbenen Kärtchen-Halter stecken kann. Giocca hat es geschrieben, anhand des krakeligen, überdimensionalen Buchstaben wahrscheinlich ein Kind, dass sich sogar die Mühe gemacht hat, die herzzerreissenden Worte bildlich mit einem süssen Pandabären zu untermalen.

Ich gerate ins Grübeln. Gibt es jemanden auf dieser Welt, der sich die Ausrottung einer Spezies tatsächlich wünscht? Zugegeben, Vogelspinnen, mag ich auch lieber hinter einer dicken Glasscheibe, als auf meiner Hand. Haie bestaune ich gerne als grauen Punkt in weiter Ferne oder in nächster Nähe im Rahmen einer BBC-Dokumentation auf meinem Bildschirm. Trotzdem ist mir die immense Bedeutung dieser Tiere für ein funktionierendes Ökosystem natürlich bewusst. Niemals würde ich eine Vogelspinne töten wollen oder Haifischflossen degustieren. Kaum jemand würde sich die Ausrottung der Pandas wünschen. Warum tun wir also nichts dagegen?

Der Weg ist das Ziel

«Wir wollen Menschen für dieses brisante Thema sensibilisieren», erzählt mir Ariane Russi, Mitarbeiterin im Bereich Öffentlichkeitsarbeit am Naturhistorischen Museum und ehemalige Geschichts- und Englischstudentin an der Universität Basel. Wegen der Pandemie bedingten monatelangen Schliessung des Museums wurde die Sonderausstellung bis zum 3.Juli 2022 verlängert. Schliesslich wurde die Ausstellung schon seit Jahren geplant, es steckt viel Arbeit dahinter und man hat einen klaren Auftrag: «Unser Wunsch ist es, dass die Besucher*innen die Ausstellung mit Fragezeichen im Kopf verlassen», erzählt Russi. Fragen hab ich mehr als genug.

Erde am Limit, wen interessierts? Die Studenten*innen!

Als Erstes sind da lauter Köpfe. Verschiedenste Experten aus der Wissenschaft, der Medizin und anderen Fachbereichen wurden zum Thema «Erde am Limit» porträtiert: Wo liegen die Probleme und was wird im Zusammenhang mit der Klima- und Biodiversitätskrise noch alles auf uns zukommen?

Vielfältig sind die Ausführungen, doch der Kern ist derselbe: es braucht einen Wandel. Die Quintessenz des Kurators der Ausstellung lautet: «Wandel braucht Vielfalt – ohne Vielfalt kein Wandel», ein toller Slogan, der sich auch gut auf einem Hornbach Werbeplakat machen würde. Unter den Porträts befindet sich auch Nadia Tamm, Studentin der Geschichte und Rechtswissenschaften an der Universität Basel, die mich mit frecher Frisur anlächelt. Ich zitiere:

«Ich finde, dass die junge Generation stärker in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden sollte, die das Klima und die Zukunft betreffen. Am Bedrohlichsten finde ich eigentlich die Gleichgültigkeit, mit der die Klimakrise noch immer in der Gesellschaft und insbesondere von der Politik behandelt wird.»

Eintauchen! Den Problemen auf den Grund gehen!

Nach dem kopflastigen Start schlendere ich nun von Raum zu Raum, von einem grossen Umweltproblem ins nächste: Vom Artensterben über die Plastikverschmutzung bis hin zu den Giftsünden der Vergangenheit.

Die Räume sind dementsprechend gestaltet: Bei der Thematik des begrenzten Süsswassers und der belasteten Weltmeere kommt es mir so vor, als hätte ich Kiemen entwickelt und könnte ohne Sauerstoff unter Wasser wandeln. Danach traue ich mich beim Betreten des Luftschadstoffraumes kaum noch, tief einzuatmen.

Interaktiv lädt die Ausstellung auch dazu ein, verschiedene Szenarien an CO2-Werten in der Atmosphäre durchzuspielen, den eigenen Konsum ins Verhältnis zu setzten und die Komplexität der Ökosystemen besser zu verstehen. Abgesehen von Pandas (und Zebras) ist dabei nicht immer alles nur schwarz und weiss.

Rahmenprogramm wird zum Hauptprogramm

«Ariane, mir ist aufgefallen, dass keine positiven Alternativen oder persönliche Verhaltensänderungen in der Ausstellung vorgeschlagen werden. Wäre das nicht eine gute Möglichkeit den Menschen etwas in die Hand zu geben, wenn sie das Museum wieder verlassen?», frage ich Ariane Russi. «Natürlich braucht es einen gesellschaftlichen Wandelir machen die Besucher*innen mit Fakten auf dessen Dringlichkeit aufmerksam.», erklärt mir Ariane: «Die Ausstellung an sich ist nur die Basis unserer ganzen Arbeit. Ein Einstieg in das Thema. «Für weiterhin Interessierte haben wir eigentlich ein tolles Rahmenprogramm zusammengestellt, welches unterschiedliche Lösungen anspricht und auch konkrete Alternativen aufzeigt.»

Die Pandemie macht es dem Naturhistorischen Museum natürlich nicht leicht, alle seine Ideen umzusetzen. Trotzdem plant das Museum Exkursionen sowie Führungen mit Experten. Im Herbst (10. September und 05.November sollen Podiumsdiskussionen stattfinden, in denen aus politischer, ökonomischer und technologischer Sicht Zukunftslösungen diskutiert werden. Denn wie können die Menschen ein gutes, freies Leben führen, ohne die Kapazitätsgrenzen des Planeten zu überschreiten?

Vorher nachdenken

«Sobald es die Corona-Massnahmen zulassen, werden wir auch unsere Rethink-Bar eröffnen, die gänzlich aus Restmaterialien und Recyclingprodukten hergestellt wurde. Damit wollen wir zeigen, dass Alternativen schön sein können und Spass machen», verklickert mir Ariane begeistert. Ihre Euphorie ist ansteckend und ich kann es kaum erwarten, in der Rethink-Bar mein Panda-Dilemma mit Freunden*innen zu besprechen. Wann die nächsten Exkursionen stattfinden und wann die Bar zum Denken einlädt, siehst du hier.

Der Ökobeichtstuhl

«Hast du wieder einmal 10 Tassen Kaffee verschlungen heute?» Beschämt klicke ich auf «Ja» und ein Kaffee schlürfendes, kleines, schwarzes Monster mit viel zu vielen gierigen Händen verkörpert meine Sünde auf dem Bildschirm. Danach rechnet der Beichtstuhl aus, wie viel ich Fahrrad fahren muss, um meinen unbändigen Kaffeekonsum zu kompensieren. In einem Monat werde ich also entweder Kaffee-nüchtern sein oder meine Waden kaum mehr wiedererkennen.

«Nicht Kindergartenpolitik, sondern endlich Handeln!»,

heisst es auf einem anderen Kärtchen, das in dem lilafarbenen Halter steckt. «Ich kann mehr Fahrrad fahren!», das grosse Smiley unter dem Wort Fahrrad springt mir ins Auge und ein paar Kärtchen weiter steht: «Go vegan!». Dieser Teil der Ausstellung gefällt mir am besten. Hier stehen hunderte von Gedanken und Wünsche aller Menschen, welche die Ausstellung besucht und sich mit unserer Erde, unserer Heimat beschäftigt haben. Wünsche und Hoffnungen, die uns Flügel verleihen können. Wir müssen nur beginnen, entsprechend zu handeln. Mutig die Flügel ausbreiten und kräftig abstossen!

Ein Kärtchen gefällt mir übrigens besonders gut. Da steht: «Je t’aime la terre.» Seufz. Ja, ich liebe sie auch – insbesondere Pandas.

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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