Eine Schatzsuche nach Pralinen, unsere Zukunft!

Josefin Kaufmann schrieb fünf Jahre lang für den Beast-Blog. Nun schliesst sie ihr Medizinstudium ab und blickt mit einer Mischung aus Vorfreude und kritischem Zaudern in ihre Zukunft. Ein Abschied.

Ich wollte einen Beitrag über unsere Zukunft schreiben.

Nach diesem ersten Satz fehlte mir dann plötzlich der Mut und die Inspiration für eine Fortsetzung. Die Zukunft …

Wenn ich an dieses ungewisse Etwas, das Nebel verschleierte Morgen denke, bin ich manchmal optimistisch und träume davon, dass die Zukunft sich als Pralinenschachtel offenbaren wird. Meine Pralinen-Zukunft sieht dann in etwa so aus: Ich gehe gänzlich in der Tätigkeit als Ärztin auf, behandle alle Patient*innen mit Respekt und verliere nie ein böses Wort über meine Vorgesetzten (Mozartkugel). Meine Familie ist gesund und nicht zerstritten (Luxemburgerli), meine Freund*innen stehen mir immer noch sehr nahe (Whiskey-Trüffel). Mein Leben ist gespickt mit Lachern, Liebe und Zufriedenheit (Karamell + Champagner + Marzipan Praline).

Manchmal jedoch kann ich diese Pralinenschachtel nicht öffnen, nicht einmal ansehen. Ich kann sie nicht öffnen, wenn ich an all jenes denke, was ich am liebsten ständig verdrängen möchte. Der Mensch – insbesondere ich, wenn mir der Zucker der Pralinen in den Kopf steigt – ist ein Verdrängungskünstler. Denn das Leben ist voller Herausforderungen und ohne Garantie auf ein glückliches Ende.

Vielleicht ist der*die erste Chef*in ein*e skrupellose Schurk*in der Medizin, König*in der Launen. Vielleicht verliert man seine festen, besten Freund*innen aufgrund der Arbeitslast aus den Augen, aus denen man sowieso nichts mehr sieht, so zugeschwollen und übermüdet wie sie sind. Vielleicht hat man keinen Kontakt mehr zu seiner Familie.

Doch das ist noch nicht alles. Es stehen uns noch weitere Herausforderungen bevor, mit welchen noch kaum eine andere Generation konfrontiert worden ist. Denn die Welt ist in einem waghalsigen Wandel. Neue Technologien kommen täglich auf den Markt, die Globalisierung scheint sogar Verbindungen ins Weltall zu haben. Die Biodiversität schmilzt wie das Eis an den Polkappen, der Klimawandel führt zu Migration und Kriegen. Die Welt wird in einigen Jahren nicht mehr so sein, wie wir sie heute kennen. Früher oder später stehen wir in Flammen.

Wieso so einen dramatischen Einstieg?

Erstens – irgendjemand muss ein wenig Drama machen.

Zweitens – weil man immer eine Wahl hat.

«What you do, makes a difference», sagte einmal Jane Goodall: «And you have to decide what kind of difference you want to make.»

Was man tut oder lässt, hat einen Einfluss.

Als Mediziner*in geniessen wir grosses Vertrauen in der Gesellschaft. Die Patient*innen glauben an uns, folgen (ab und zu) unseren Ratschlägen. Weshalb das, was wir tun oder lassen, nicht nur auf uns und unser Umfeld einen Einfluss hat, sondern sich noch addiert, multipliziert und hochrechnet auf unsere Patienten*innen.

Verantwortung zu tragen ist keine leichte Aufgabe – aber eine befriedigende. Deshalb soll dieses Zitat nicht verunsichern, sondern ermutigen!

Jeden Tag hast du eine lange Liste an Entscheidungen, die du aktiv oder passiv treffen musst – versuche, die ethisch richtigen zu treffen. Sei jeden Tag dein bestes Du. Kämpfe, verliere, lerne daraus. Gib dein Wissen weiter. Führe Veränderungen herbei, einen Wandel in Richtung Pralinen. Für dich und deine Patient*innen.

Ich freue mich bereits auf den Moment, in dem mir an einem Kongress, im Spital oder am Telefon das Licht aufgeht und ich ausrufe: «Ach, du bist es! Wir haben uns ja schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen.» Man sich schlussendlich in der ungemütlichen Cafeteria des Krankenhauses verabredet und die verlorene Zeit aufholt. Man sieht sich schliesslich immer zweimal im Leben.

Ich freue mich darauf, zu sehen, was alles aus uns werden wird. Denn es steckt so viel Potential in jedem Einzelnen von uns. Irgendjemand wird bestimmt eine brillante Hausärztin mit einer ausgezeichneten Work-Life-Balance. Jemand wird ständig vom SRF interviewt und der*die Dritte arbeitet für Ärzte ohne Grenzen oder wird Lokführer*in.

Was auch immer aus dir wird, die Welt liegt dir zu Füssen – mach etwas daraus. Umgreife sie, nimm sie in die Arme. Gib dein Bestes. Such deine Pralinen, geniesse sie. Lass dir dein Leben auf der Zunge zergehen, im Wissen, dass du dein Leben gelebt, dein Bestes gegeben hast. Make your difference!

Ich freue mich auf die Zukunft. Lasst es uns angehen – ab auf die Suche nach den Pralinen!

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

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