Die drey scheenschte Dääg! – Der Fasnachts-Guide für Neubasler

Bild: Arianta | CC BY-NC 2.0

Bald schlagen Basler Herzen wieder höher: Die drey scheenste Dääg im Joohr stehen vor der Tür und wer in Basel studiert, kann sich das nicht entgehen lassen! Wie du heil die Basler Fasnacht überstehst, so wenig Räppli wie möglich kassierst, Clique-Käller findest, die scheene Ladäärne betrachten und in den Genuss von Määlsuppe oder Ziibelewaaie kommen kannst, liest du hier. Und wenn du bisher kein Wort verstanden hast, empfehle ich es dir erst recht:

«Moorgestraich, vorwärts, Marsch!»
Mit diesem Kommando des Dambuurmaioors (Tambourmajors) fangen die 72 Stunden Festlichkeiten in der Stadt Basel an. Laternen erleuchten die sonst rabenschwarze Nacht, die Cliquen* (musizierende Formation) erfüllen mit ihren Byggolos (Piccolos) und Drummle (Trommeln) die Luft und alles setzt sich in Bewegung. Früh da zu sein lohnt sich, wenn du etwas sehen möchtest, denn die Gassen sind voller Menschen. Frieren musst du garantiert nicht!

Irgendwann im Verlauf des Morgens nimmt der Hunger dich an der Hand und führt dich in eines der vielen Lokale in der Innenstadt, welche während der Fasnachtstage einen durchgehenden Service anbieten. Dort wartet dampfende Määlsuppe (Mehlsuppe) auf dich. Määlsuppe? Kann das lecker sein? Und wie! Haselnussbraun geröstete Zwiebeln mit Butter angebraten und in Bouillon gekocht, köstlich. Spätestens wenn Reibkäse darüber gestreut wird, fängt man an, die Fasnacht zu lieben. Ziibelewaaie (Zwiebelkuchen)und Kääswaaie (Käsekuchen)stehen während den nächsten Tagen auch auf der Speisekarte. Liebe geht eben durch den Magen…

*Clique: Musikgruppe bestehend aus Pfeifern und Trommlern.

Cortège – Korwas?
Am Montag- und Mittwochnachmittag finden die grossen Umzüge statt, die Cortèges. Dabei laufen viele verschiedene Guggemusigge eine festgelegte Route ab (siehe Plan) und beschenken die Zuschauer mit zugegebenermassen lauter Blasmusik. Ausserdem präsentieren dort die Wagencliquen ihre aufwändig dekorierten Chaisen (Fasnachtswagen). Von dort aus werden dann Früchte, Süssigkeiten oder gar Blumen verteilt. Wirst du aber ohne Blaggedde* erwischt, kannst du noch ein Jahr später Räppli (Konfetti) in deiner Jackentasche und in deinen Haaren finden. Mit anderen Worten: Du wirst vollgestopft, sie lassen keine Gnade walten.

* Blaggedde: Plaquette, Abzeichen aus Bronze, Silber oder Gold. Die damit erzielten Einnahmen, werden an die gemeldeten Cliquen und Einzelmassgenverteilt.

Routenplan: fasnacht.ch

Gässle: Ohne bestimmte Route durch die “Gassen“ der Stadt pfeifen und/oder trommeln
Das ist für viele meiner Freunde der Höhepunkt der Fasnacht: durch die Strassen laufen, die Atmosphäre geniessen, Schyssdräggziigli* (Scheissdreckzüge) begegnen und hin und wieder in einem Cliquenkeller landen, wo man Bier trinken kann, heitere Stimmung herrscht und, wenn man Glück hat, auch ein Schnitzelbangg** (Schnitzelbank) vorbeikommt, welcher der Meute noch weiter einheizt. Es existiert sogar eine App, um diese Keller zu finden. Somit steht dem Gässle nichts im Weg!

*Schyssdräggziigli: Kleine Gruppen an Musikanten und verkleideten Personen, die Musik machen und einen mit Räppli (Konfetti) bewerfen.

**Schnitzelbängg: Spottlieder in Versform, im Urbasler Dialekt vorgetragen, begleitet von Bildern (Helgen). 

Verhaltenskodex: Was man tun muss, um den Waggis zu entkommen

An die Basler Fasnacht kommt man nicht verkleidet oder geschminkt, wenn man keiner Fasnachtsgesellschaft angehört. Das gehört nicht zum guten Ton. Das Einzige, was deine Alltagskleider aufpeppen darf, gar muss, ist die gut sichtbar getragene Blaggedde. Jene kann man bei den Cliquen selbst, bei fliegenden Händlern, an diversen Kiosken und an diversen Verkaufsständen auf grossen Plätzen ergattern.

Alkohol wird vor allem in den Cliquenkellern getrunken und es ist empfehlenswert, sich einige Wörter im Basler Dialekt anzugewöhnen, bevor man sich einige böse Blicke zuzieht:

Laarve: Es gibt keine Masken an der Basler Fasnacht. Keine Angst davor, das A zu lang zu betonen, rein baslerisch ist dies unmöglich.

Cortège: Was auch immer du sagst, sag niemals ‚Umzug‘. Das ist eine Sache von Leben und Tod.

Räppli: Konfetti ist etwas für Kinder. In Basel gibt es Räppli. Punkt Schluss.

Waggis: Die Laarve mit der roten grossen Nase und dem gelben Haar. Wer als Waggis verkleidet ist, verteilt Süssigkeiten oder Räppli… Quasi die Büchse der Pandora.

Wenn du jene Wörter im Griff hast, ist das Wichtigste getan. Falls dich aber der Basler Dialekt interessiert, findest du hier noch weitere Wörter, die schwierig zu entziffern sind!

Das gesamte Programm der Fasnacht findest du hier.

Als kleine Idee:
Wenn dir das alles noch nicht genug ist, kannst du dich am Sonntag bereits mit der Sissacher Fasnacht aufwärmen, dies direkt mit dem Chienbäse-Umzug in Liestal verbinden, danach in einem Klub die Zeit bis zum Moorgestraich überbrücken. Hört sich schrecklich anstrengend an, aber umso besser schmeckt dann die tröstende Määlsuppe in früher Morgenstunde. Was auch immer du tust, viel Spass!

Josefin Kaufmann

Mit viel intrinsischer Motivation studiert Josefin Kaufmann Medizin; der Schlüssel zum Erfolg ist der Kaffee. Bunt gekleidet, oft zu spät, immer am Lachen. Obwohl sie es geniesst, Köstlichkeiten zu schmausen, befindet sich oft nur Licht und Senf in ihrem Kühlschrank. Auf dem Fahrrad recht gefährlich unterwegs, sind Sonntagsfahrer und rote Ampeln ihr ein Dorn im Auge. Fahrradhelm ist aber ein Muss, Medizinstudium sei Dank.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Bevor dieser veröffentlicht wird, wirft noch jemand aus der Redaktion einen Blick darauf. Das kann ein bis zwei Arbeitstage dauern.
Ups. Ein Fehler ist aufgetreten. Bitte versuche es noch einmal.
Tags: