‚Die drey scheeenschte dääg‘?!

Der Titel heisst so viel wie die ‚drei schönsten Tage‘. Das sind für Basler eindeutig die Fasnachtstage. Für mich nicht.

Mitten in der Weihnachtszeit schreit es in Basel von jeder Strassenecke: „Blaggedde, Blaggedde“. Dies ist der Anfang vom Ende für uns Nicht-Fasnächtler. Denn die „Blaggedde“ ist ein goldener, silberner oder bronzener Anstecker, eine Art Broche. Dieser Anstecker wird bei einem Strassenverkäufer gekauft und an bester Lage an der Jacke oder Tasche angesteckt. Und von da an stolz bei jedem Einkaufsbummel in der Innenstadt präsentiert. Man ist bereit für die drei schönsten Tage. Menschen ohne die Blaggedde (so wie ich) werden misstrauisch angeschaut. Oder als Touristen abgestempelt.

Denn für die Basler kommt die Fasnacht noch vor ihrem geliebten FCB oder auch vor Roger Federer. Es geht nichts über die drei Fasnachtstage. Da ich kein Ur-Basler bin, kann ich den Fasnachts-Hype nicht begreifen. Man kann ja auch sonst in den Ausgang gehen, Trinken und Spass haben. Aber versucht das mal einem eingefleischten Fasnächtler beizubringen. Aussichtslos.

Mein erster und letzter Morgestraich
Darum beschloss ich letztes Jahr, mir den berüchtigten Startschuss zur Fasnacht – den Morgnstraich – anzusehen. Es war tatsächlich beeindruckend. Die Stadt platzte um 3 Uhr morgens aus allen Nähten. Kinder mit ihren Eltern, Paare, Jugendliche, ja sogar Haustiere waren da. Alle waren sie versammelt und warteten auf den Beginn. Um 4 Uhr ging das Licht im Stadtzentrum aus und die Cliquen präsentierten ihre Sujets, inklusive Kostüme und Laternen, an denen sie das ganze Jahr arbeiteten.

Es war ja ganz schön, aber mehr als fünf Minuten hielt ich nicht aus. Der hohe, schrille und vor allem nervende Ton der Piccoloflöten sorgt nur für Kopfschmerzen. Und auch die obligate Mehlsuppe schmeckt mir überhaupt nicht. Nach einer schlaflosen Nacht wollte ich mir einen Kaffee holen, doch vor meiner Haustüre probte eine 20-köpfige Clique ihren Auftritt. Mit Trommeln, Trompeten, Konfetti – und natürlich Piccoloflöten. Aber auch sonst war die Stadt voller ausgelassen feiernder Fasnächtler. Ungeschoren an denen vorbei zu kommen ist unmöglich. Die Fasnacht ist doch einfach nur ein Vorwand, um wieder mal die Sau rauszulassen. Dank den Kostümen kann man sich ja benehmen, wie man will. Und das volle drei Tage lang. Schrecklich.

Die Lösung: Ab in die Ferien
Nach einer Nacht und einem halben Tag hysterischer Menschenmenge, buchte ich auf Easy Jet einen Flug nach Stockholm. Denn das einzig Positive an der Fasnacht war (und bleibt), dass die Fasnachtswoche vorlesungsfrei ist. Die Basler Fasnacht ist echt total verrückt – die Stadt ist nicht mehr wieder zu erkennen. Und wer nicht schon als Kind mit dem Fasnachts-Virus infiziert wurde, dem bleibt wohl nichts anderes als zu flüchten.

 

1 Kommentar

  1. B.E. Iselin
    Mo, 18. März 2013 / 08:44 Uhr

    Trotzdem ein paar Widerworte (von einem angefressenen Fasnächtler):

    Mit Basler oder Nichtbasler hat die Fasnacht nichts zu tun. Das beweist schon die Tatsache, dass die Hälfte der Aktiven von ausserhalb kommt, in der Regel aus dem Kanton Baselland.

    Die Clique die vor Haustür des Autors ist nicht etwa am Üben. Es gibt keine Auftritte am Morgenstraich.

    Mit „Sau raus lassen“ ist es so eine Sache. Klar wird an der Fasnacht Alkohol getrunken. Manchmal auch zuviel. Es sind aber meistens die Nicht-kostümierten, die über die Stränge schlagen. Wer sich als Aktiver Fasnächtler vorsätzlich „abschiesst“, macht sich sehr schnell unbeliebt.

    Ich hätte dem Autor geraten, der Sache eine zweite Chance zu geben und mit jemandem an die Fasnacht zu gehen, der auch ein bisschen dahinter sieht. Aber wenn’s vom Piccolo (wir sagen nicht Piccoloflöte… wir sagen auch nicht Konfetti, sondern Räppli… anderes Thema) Kopfschmerzen gibt, dann war die Easy Jet-Buchung richtig.

    Ja, die liebe Fasnacht. Man liebt sie oder man hasst sie – dazwischen gibt es nicht viel.

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