Daten für alle! – Die Open Data (R)evolution

Nicht nur Facebook und Co sammeln Daten, auch beim Bund, den Kantonen und öffentlichen Diensten fällt einiges an Daten an. Was bei privaten Diensten jedoch nicht denkbar wäre, soll  bei diesen öffentlichen Stellen nun Standard werden: die Daten systematisch veröffentlichen und für alle zugänglich machen. Was für Vorteile, Nutzungspotenziale und spannende Anwendungen daraus entstehen, zeigt dieser Artikel:

Am Anfang waren die Daten
“Daten öffentlich, frei verfügbar und nutzbar zu machen für mehr Transparenz, Innovation und Effizienz — das ist Open Data” lässt der Verein OpenData.ch auf seiner Webseite verkünden. Im Jahr 2011 verfasste der Verein ein Manifest, in welchem er für öffentliche Behördendaten plädiert, sogenannte Open Government Data, kurz OGD.

Die Grundlagen würden dafür bereits 2006 gelegt, als das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip in der Verwaltung in Kraft trat. Dieses besagt, dass im Interesse der Transparenz auf Anfrage Zugang zu amtlichen Dokumenten gewährt werden kann. Dieser Ansatz der passiven Bereitstellung sei jedoch nicht genug, so opendata.ch. Deshalb soll Open Government Data für die aktive Bereitstellung nicht gesetzlich geschützter Datenbestände der öffentlichen Verwaltung stehen, wodurch sich Nutzenpotentiale aus Transparenz, Innovation und Kosteneinsparung ergeben sollen.

Auch der Bund scheint das Potenzial von öffentlichen Behördendaten zu sehen: am 16. April 2014 hat der Bundesrat die OGD-Strategie Schweiz 2014–2018 verabschiedet. Die Strategie hat zum Ziel, dass Behördendaten koordiniert publiziert und bereitgestellt werden. Darüber hinaus soll auch eine Open-Data-Kultur gefördert werden, indem der Bund die Verwendung der Daten durch freie, einheitliche und verständliche Nutzungsbedingungen und durch Zusatzinformationen zu den einzelnen Datensätzen unterstützt.

Diese Zusatzinformationen, Metadaten genannt, sind laut Oliver Thommen, Bereichsleiter Informationsvermittlung des Statistischen Amtes Basel-Stadt, eine der wichtigsten Erweiterungen zum bisherigen Standard. Metadaten beschreiben genau, um was für Daten es sich handelt und welche Variablen in den Daten vorkommen. Metadaten machen aus reinen Zahlwerten erst eine interpretierbare und verständliche Information für den Benutzer.  «Daten zu den Daten» seien grundsätzlich wichtig, bei OGD jedoch das Kernelement, handelt es sich beim OGD-Portal doch um ein Metadatenportal, das der Öffentlichkeit als zentraler Einstiegspunkt für den Zugriff auf Behördendaten dient.

In der öffentlichen Statistik habe man schon immer Hintergrundinformationen zu den eigentlichen Daten mitgeliefert. Und dass Daten zur Verfügung gestellt werden, sei seit jeher ein Kerngeschäft der öffentlichen Statistik, jedoch seien diese Daten bis jetzt meist in aggregierter Form veröffentlicht worden. Künftig sollen auch «rohere Statistikdaten» in anderen Datenformaten wie CSV oder RDF zur Verfügung gestellt werden, die die in aggregiertem Format veröffentlichen Daten komplementieren und somit das Potenzial der Weiterverarbeitung fördern.

Mehr Daten, mehr Nutzer?
Natürlich müssen die Daten nun auch genutzt und weiterverarbeitet werden. Die im Rahmen der OGD Strategie Schweiz 2014-2018 lancierte Seite opendata.swiss, auf welcher Bund, Kantone, Gemeinden und öffentliche Dienste ihre offenen Daten publizieren, zeigt eine Reihe von Anwendungen dazu. Auch auf der OGD-Webseite des Kantons Basel-Stadt sind schon einige Anwendungen zu sehen, obwohl der Kanton erst letztes Jahr mit einem noch bis Ende 2018 dauernden Pilotprojekt auf den Open Data-Zug aufgesprungen ist.

Eine der Anwendungen zeigt eine Karte mit allen Basler Brunnen. Gekennzeichnet sind auch Brunnen, in denen Baden erlaubt ist, wie etwa im Stachelschützen-Brunnen beim Kollegienhaus. Auch die wohl vielen bekannte Bachapp basiert auf öffentlichen Daten des Kantones. Das Statistische Amt selbst stellt mit dem interaktiven Basler Atlas eine sehr interessante Anwendung zur Verfügung. Mit dem Atlas kann man verschiedene Kennzahlen als interaktive Karte visualisieren. Die Karte zeigt zum Beispiel, dass der Anteil lediger Personen im Matthäus-Quartier am höchsten ist oder dass die Wohnviertel Altstadt Klein- und Grossbasel deutlich am wenigsten Grünflächen haben (siehe Abbildung).

Anteil Grünfläche der Basel städtischen Gemeinden

Auch an Hackdays werden öffentliche Behördendaten gerne genutzt, um neue Erkenntnisse aufzudecken oder Applikationen zu programmieren. Ich nahm Ende August an den TWIST –Hackdays teil und war überrascht, was in zwei Tagen alles aus OGD entstehen kann.

Unser Team hat dort Velozähldaten analysiert und herausgefunden, dass Basler die wetterresistentesten Velofahrer sind (klar, war ja nicht anders zu vermuten ;)). Andere Teams haben in diesen zwei Tagen einen Prototypen einer Website auf die Beine gestellt. Dort kann man anhand von fünf Kriterien sehen, welches Zürcher Viertel basierend auf den angegebenen Präferenzen am ehesten als Wohnviertel in Frage käme.

Team „Veloundco“ an den TWIST Hackdays 2018

Die Zukunft als Open Data-Paradies?
Obwohl Open Data schon viel zu bieten hat, steckt es noch in den Kinderschuhen. Umso vielversprechender sieht deshalb die Zukunft aus. Neben der Menge der Daten soll sich vor allem deren Format ändern. Heute werden die Daten meist noch als einzelne Datensätze zur Verfügung gestellt. Dieser Standard soll mehr und mehr durch den sogenannten Linked-Open-Data-Standard ersetzt werden.

Dabei werden Datensätze miteinander in Beziehung gebracht und können an einer zentralen Stelle abgerufen werden. Um den Anteil Grünflächen verschiedener Schweizer Kantone zu vergleichen, müsste man die jeweiligen Datensätze nicht mehr einzeln herunterladen, sondern könnte eine einzelne Abfrage generieren, welche die gewünschten Daten zusammenträgt. Der Bund bietet bereits solche einen Linked Data-Service an, jedoch ist die Anzahl verfügbarer Datensätze noch gering.

Es ist also einiges im Gange. Wer jetzt selbst im Datenfieber ist, kann sich zum Beispiel mit dem Google Data Search Tool auf die Suche nach spannenden Daten machen. Probierfreudige können sich auch mit Wikidata, dem Wikipedia für Daten, an verlinkte Daten herantasten.

Dominik Meier

Dominik Meier studiert Psychologie und Wirtschaft und das Hauptproblem im Studium prägt auch seine Freizeit: zu viele Interessen, zu wenig Zeit. «Optimieren!», schreit dabei der Ökonom in ihm, worauf der Psychologe entgegnet: «Zielkonflikte lassen sich nun einmal nicht vermeiden.» So gleicht sein Leben manchmal eher einem Jonglierakt als einem rational gelösten Optimierungsproblem. Nicht immer optimal, aber garantiert nie langweilig!

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