«Wer seinen Lebenslauf füllen möchte, der kann nichts falsch machen, ausser man macht eben nichts!»

Birgit Müller & Naoual Astitouh

Der Teufelskreis: Ich finde keinen Job, weil ich keine Berufserfahrung habe; ich habe keine Berufserfahrung, weil ich keinen Job finde. Auch ich habe vergangenen Sommer vergeblich ein Praktikum gesucht, Dr. Birgit Müller und Naoual Astitouh vom Career Service Center der Universität Basel haben mir ein paar wertvolle Tipps verraten, wie es beim nächsten Mal funktioniert.

«Den perfekten Curriculum Vitae gibt es nicht!», fängt Birgit Müller an, «ebenso gibt es keine goldene Regel für den CV. Der Lebenslauf braucht Zeit und entwickelt sich. Wichtig ist, bei allem was man tut, die Arbeitsbestätigung einzuholen. Wer keine gezielte Berufserfahrung hat, der sollte mehr Wert auf zusätzliches Engagement und Interessen legen.» Naoual Astitouh schliesst sich an: «Steck den Kopf nicht gleich in den Sand nach einer Absage. Es heisst nicht, dass man keinen Job kriegt, wenn man noch keine gezielte Berufserfahrung hat. Entscheidend ist, dass man auffällt: mit Interessen, Vereinen, Fachgruppe etc. So kann man seine Soft Skills zeigen.»

Was schreibe ich in den CV, wenn ich keine Arbeitserfahrung habe?
«Das Ziel sollte generell sein, mehr Erfahrung zu gewinnen. Ausserdem ist es wichtig, das was man hat, möglichst positiv darzustellen. Man soll nicht lügen, sondern positive Seiten unterstreichen und Vorzüge betonen», meint Birgit Müller. Naoual Astitouh ergänzt: «Wichtig ist, dass jeder diesen Zustand des ‚Nichts-für-den-CV-haben‘ ändern kann. Man kann seinen Lebenslauf ganz leicht optimieren, wenn man ein wenig Engagement zeigt. Das Engagement muss nicht 365 Tage im Jahr sein. Nebenher Erfahrung sammeln bringt Pluspunkte und ist wichtig, weil das zum Beispiel die eigene Belastbarkeit zeigt. Vielleicht in den Ferien arbeiten oder fünf Stunden in der Woche jobben; es gibt wirklich unendlich viele Möglichkeiten, bei denen man als Studierender Erfahrungen sammeln kann.»

Was mache ich, wenn sich auf meine Bewerbung keiner meldet?
Birgit Müller rät lächelnd: «Charmant beharrlich ist der Schlüssel. An einem Freitagabend kurz vor Feierabend frech nachfragen sollte man lieber nicht. Hingegen am Dienstagmorgen charmant anrufen und sich erkundigen, wie der Zeitplan aussieht, das ist in Ordnung. Zusätzlich sollte man noch einmal signalisieren, dass man immer noch interessiert ist und die Stelle will.»

Wie kann ich eine besondere Tätigkeit im CV hervorheben?
Bei dieser Frage sind sich die beiden Expertinnen einig: «Mit den Überschriften kann man seinen CV am besten strukturieren und seinem Gegenüber alles auf dem Silbertablett servieren. Die Überschriften dürfen so präzise und zielführend wie möglich sein. Wenn man beispielsweise als Student während des Studiums im Service aushilft, würde man diese Tätigkeiten in die Rubrik Nebentätigkeiten fassen. Mit Berufserfahrung ist zielgerichtete Erfahrung gemeint und mit weiterem Engagement könnte zum Beispiel die aktive Mitgliedschaft in einer Fachgruppe gemeint sein.»

Wie sieht es mit der Auslandserfahrung aus? Wenn ich eh schon keine Arbeitserfahrung habe, kann dann ein Sprachkurs im Ausland diese Lücke kompensieren?
«Zunächst erwähnen wir im CV alles, was wir vorweisen können», rät Birgit Müller, «wenn zum Beispiel der Sprachkurs schon etwas länger her ist, sollte man diesen trotzdem aufführen, bevor man vermeintlich irrelevante Erfahrungen nicht erwähnt.  Das Fachwissen sammelt man hauptsächlich während des Studiums, weitere Erfahrungen erwirbt man überall.» Naoual Astitouh möchte die Studierenden auf die Möglichkeit eines Auslandspraktikums oder eines Auslandssemesters aufmerksam machen: «Auslandserfahrung ist und bleibt ein grosser Pluspunkt. Aus einem Erasmus-Austauschsemester kann man nur positive Dinge ziehen.»

Wie kann ich networken, wenn ich noch keine Connections in der Branche habe?
«Wichtig ist grundsätzlich, überall die Augen und Ohren offenzuhalten», rät Naoual Astitouh.  «Es werden viele Veranstaltungen von der Uni angeboten, wo du erste Schritte im Networking machen kannst. Das CSC organisiert die Lange Nacht der Karriere und zum Beispiel Events mit der Bundesverwaltung, wo es um den Berufseinstieg geht. Hierbei werden Praktikumsmöglichkeiten und der Direkteinstieg vorgestellt. Die Studierenden erhalten die Chance zum Networken und sich so direkt bei potenziellen Arbeitgebern vorzustellen. Es kann sich auch lohnen, generell mal durch den Veranstaltungskalender der Universität zu scrollen oder bei den Fachgruppen nachzufragen. Die Absolventenmesse wäre ebenfalls eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Als Student muss man proaktiv suchen, sonst wird es schwieriger etwas passendes zu finden», gibt Naoual Astitouh zu bedenken. Birgit Müller ergänzt: «Beim Networken ist es wichtig, sich die Namen der Personen zu merken, die man trifft. Dann kann man dort anknüpfen und sich vielleicht im Internet vernetzen oder auch mal eine Mail schreiben. Firmen machen manchmal auch Inhouse-Tage, wo man mal reinschauen kann. Im schlimmsten Fall findet man raus, dass man dort nicht hinwill, es geht wirklich ums Ausprobieren und Schnuppern.»

Nach dem Interview mit Naoual und Birgit bin ich voller Tatendrang nach Hause gefahren, die beiden versprühen eine motivierende Energie. Falls auch du deinen CV mal checken lassen willst oder weitere Fragen zum Berufseinstieg hast, dann mache einen Termin per Mail mit den beiden aus oder besuche Sie direkt ohne Anmeldung in Ihrem Büro während des Drop-Ins, immer montags von 10-12 Uhr im Kollegienhaus.

Romina Gilgen

Den Kleiderschrank voller Polaroids, weil Momente festgehalten werden wollen und weisse Schränke sowieso zu langweilig sind. Romina sieht das Leben als wunderschönes Chaos, mit all seinen Höhen und Tiefen und doch in seiner Gesamtheit wunderschön. Um ihre Neugierde zu stillen, bereist sie die ganze Welt, sofern es ihr Budget erlaubt. Ihre unerschöpfliche Inspirationsquelle ist die Erde, mit all ihren interessanten Menschen und den Wundern der Natur.

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