Was man an der BuchBasel nicht verpassen sollte

Die BuchBasel steht vor der Tür. Vom 8. bis 10. November findet die 21. Ausgabe des internationalen Literaturfestivals in Basel statt. Hier verrate ich, welche Veranstaltungen man sich nicht entgehen lassen sollte.

Lesungen haben nicht unbedingt den Ruf, besonders aufregend und sexy zu sein. Allgemein hinterlassen Veranstaltungen des Literaturbetriebs oft den Eindruck, als würden sie schon seit Jahrhunderten genau gleich durchgeführt werden und demnach mittlerweile schlummernd unter einer Staubschicht liegen. Ich denke da zum Beispiel an klassische Wasserglaslesungen, bei denen man mindestens grau meliertes Haar haben muss, um überhaupt Einlass zu finden.

Diesem Klischee kehrt das Programm des Festivals BuchBasel den Rücken. Es überrascht mit innovativen und experimentellen Formaten und scheint sich weg vom Wasserglas in Richtung prickelnder Prosecco zu bewegen. Die Veranstaltung «Shot Stories» zum Beispiel lädt zur Beizentour mit Autor*innen ein und beim literarischen Speeddating kann man Schreibenden für kurze Momente gegenübersitzen und ihren Worten lauschen. Gelesen wird nicht nur an Tischen, sondern auch in Schaufenstern oder mit musikalischer Begleitung und visuellen Interventionen. Eine Podcast-Reihe rund um die Gattung Poesie stellt unter Beweis, dass auch in medialen Fragen neue Formate ausprobiert werden.

Wer sich nun nicht durch das über 100 Veranstaltungen umfassende Programm wälzen möchte, dem verrate ich hier meine Tipps fürs Wochenende:

Carolin Emcke: «Ja heisst ja und…», Freitag 20.30 Uhr, im Volkshaus Basel (Festsaal)
Die politische Schriftstellerin Olga Tokarczuk hätte eigentlich am Freitagabend die Eröffnungsrede halten sollen. Dann wurde ihr im Oktober der Nobelpreis für Literatur verliehen, und durch den ganzen Trubel musste sie ihren Besuch in Basel absagen. An die Stelle Tokarczuks tritt eine nicht minder relevante Autorin und Journalistin: Carolin Emcke.
Die promovierte Philosophin ist eine Person jener seltenen Spezies, die den Spagat zwischen dem akademischen Zirkus und dem Zeitgeschehen gekonnt meistert, indem sie sich immer wieder zu aktuellen Themen äussert und in diese in ihren Büchern durchdacht beleuchtet. Emcke wird am Freitag neben der Eröffnungsrede auch ihr neustes Buch «Ja heisst ja und…» vorstellen und das loht sich bestimmt.

Staffellesung Prosa: Neues aus der Schweiz, Samstag, 14 Uhr im Volkshaus Basel (Galeriesaal)
Was haben Simone Lappert, Tabea Steiner und Ivna Žic gemeinsam? Sie sind jung, in der Schweiz gross geworden und 2019 für den Schweizer Buchpreis nominiert. In der Staffellesung Prosa stellen sie ihre neusten Bücher vor: Simone Lappert ihren zweiten Roman «Der Sprung», Tabea Steiner und Ivna Žic lesen aus ihren Debüts «Balg» und «Die Nachkommenden». Wer sich kurz vor der Verleihung des Preises am Sonntag nochmals ein Bild von den Texten verschaffen möchte, sollte diese Veranstaltung nicht missen.

«Shot Stories» die Beizentour, Samstag, 21 Uhr im Renée und im Klara, 22 Uhr im Sääli zum goldenen Fass
Organisiert vom Literaturmagazin Narr präsentiert das Festival in drei Kleinbasler Beizen Literatur zum Trinken, die sogenannten «Shot Stories». Das Prinzip ist einfach: auf Bestellung an der Bar erhält man ein Getränk und einen verlesenen Text, danach wird gemeinsam angestossen und geplaudert. Dieses Prozedere wird wiederholt, so lange bis schwere Zungen die Worte am Verlassen der Münder hindern.

Last but not least findet am Sonntag um 14 Uhr die Preisverleihung des Schweizer Buchpreises im Foyer des Theaters Basel statt und auch das dürfte bis zum Schluss spannend bleiben.

Lisa Gianotti

Beim Betrachten einer zerbrechlich verkrampften Hand von Egon Schiele hat sich Lisa Gianotti dazu entschieden, Kunstgeschichte zu studieren. Von der schwerwiegenden Nebeldecke über dem Aargau ist sie der Sonne nach Basel gefolgt. In Museen findet sie die Ruhe, die in ihrem Kopf nicht immer herrscht. Wenn sich keine Leinwand vor ihren Augen befindet, dann tönen Klänge im Ohr. Sie würde gerne seltener Seminararbeiten und öfter Gedichte schreiben und ist in allem, was sie tut, nur halb so schnell wie ihre Mitmenschen.

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