Nebenjobs und ihre Geschichten

Oftmals ist der Beginn des Studiums von einigen existenziellen Fragen begleitet. Wer nicht im elterlichen Zuhause wohnhaft bleibt, muss sich überlegen, wo er stattdessen unterkommt und wie er sich eine alternative Unterkunft finanzieren kann. Nicht immer können die Eltern in vollem Umfang für die Lebenshaltungskosten aufkommen. Wie sich drei Studierende aus Basel dieser Herausforderung annehmen und welche Anlaufstellen du bei deiner eigenen Nebenjobsuche bedienen kannst, verrät dir dieser Artikel.

Nebenjob Callcenter
In einem Kaffee am Marktplatz in Basel treffe ich Jennifer. Die 21-jährige Studentin arbeitet nebenbei in einem Callcenter, das die Aufträge eines grossen Versicherungsunternehmens bearbeitet. Wir setzen uns und bestellen zwei Tassen Kaffee. Dann frage ich sie, wie sie zu ihrem Job bei einem Callcenter gekommen ist. Sie überlegt kurz und berichtet mir dann von den Anfängen ihrer Studentenzeit:

Zu Beginn des Studiums habe sie noch von ihren Ersparnissen aus einem Sommerjob und der Unterstützung der Eltern gelebt. Mit der Zeit sei der verfügbare Betrag auf ihrem Konto immer kleiner geworden und sie habe beschlossen, etwas dazu zu verdienen, um die eigenen Kosten tragen zu können. Im Internet sei sie schliesslich fündig geworden. Zwar habe sie nicht gezielt nach einem Job im Callcenter gesucht, aber ihr habe die Vorstellung gefallen mit fremden Leuten zu sprechen und dafür Geld zu bekommen.

Nachdem sie ihre Bewerbungsunterlagen eingereicht hatte, sei sie noch in der selben Woche zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Ich frage sie, wie sie die Anfangszeit in diesem neuen Job empfunden hat. «Zunächst bin ich von einer festangestellten Mitarbeiterin einige Tage eingearbeitet worden, bevor ich eigenständig arbeiten durfte», antwortet sie.

Gerade das selbsständige Arbeiten hat Jennifer gut gefallen. «Es ist gewöhnungsbedürftig und man braucht ein dickes Fell. Als Callcenter-Mitarbeiterin muss ich mich gelegentlich mit dem Unmut unzufriedener Kunden auseinander setzen. Dafür bin ich aber auch für eben solche Fälle geschult worden und bei besonders schwierigen Fällen ist immer der Teamleiter vor Ort, den ich zum Gespräch dazu holen kann», beschreibt Jennifer die schwierigen Seiten des Jobs. Mittlerweile sei sie sehr routiniert im Umgang mit den Kunden und sie komme gerne zur Arbeit.

Zum Abschluss des Gesprächs bitte ich Jennifer, mir die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit zu beschreiben. Sie erzählt mir, dass sie etwa 23 Franken in der Stunde verdiene und in der Regel zwischen 8 und 16 Stunden pro Woche arbeite. Ausserhalb des Semesters arbeite sie gelegentlich auch 20 oder mehr Stunden, wobei sie die flexible Einteilung an ihrem Arbeitsplatz sehr schätze. Die Arbeit in einem Callcenter, parallel zum Studium, könne sie nur empfehlen, wobei sie auch zugeben müsse, dass sich der Kopf nach einem langen Tag an der Uni und einer anschliessenden Schicht im Callcenter schwer anfühle.

Recherche im Internet
Oftmals ist das Internet erste Anlaufstelle zur Jobfindung. Hier können Arbeitgeber einen grossen Personenkreis mit geringem Aufwand ansprechen und Arbeitssuchende können über Suchfilter simpel und zügig ein grosses Angebot überblicken. Damit du bei der Nebenjobsuche weisst, wo du suchen musst, haben wir ein paar Websiten für dich rausgesucht.

Auf dem Unimarkt der Universität Basel findest du vielfältige lokale Angebote. Unter anderem findest du unter «Job Angebot» lokale Angebote zu Praktika, Studienteilnahmen, Teilzeitstellen, Vollzeitstellen bis hin zu einmaligen Jobangeboten. Unter «Job Suche» kannst du ein eigenes Profil mit deinem angestrebten Berufswunsch erstellen und so eventuelle Arbeitgeber auf dich aufmerksam machen. Eine weitere Anlaufstelle für die Jobsuche stellt die Jobscout24 dar. Hier findest du über die Suchfunktion schnell und einfach Stellenausschreibungen in der Region. Zudem listet Indeed Aushilfsstellen und Nebenjobangebote in der Region. Auch hier lohnt es sich bei der Jobsuche als Student einen Blick hinein zu werfen.

Nebenjob Kellnern
In Kleinbasel treffe ich Urs für ein gemeinsames Gespräch. Urs ist 27 Jahre alt und studiert genau wie Jennifer an der Universität Basel. Urs erzählt mir, dass er schon viele Nebenjobs gehabt habe. Mal habe er auf dem Fahrrad Paketlieferungen zugestellt, mal in einem Supermarkt ausgeholfen; momentan ist seit geraumer Zeit Kellner in einer Bar.

«Das ist zwar oftmals mit einer Menge Stress verbunden, aber dafür ist das Trinkgeld gut und die Atmosphäre im Team sehr familiär», erklärt mir Urs. Auf die Frage, wie er zu seinem Job gekommen ist, erklärt mir Urs, dass er die Stelle über einen Bekannten erhalten habe. Dieser habe die Stelle auf Grund eines Ortwechsels zum Masterstudium aufgeben müssen und Urs gefragt, ob er sich den Arbeitsplatz mal angucken wolle.

Ich möchte von Urs wissen, wie er die erste Zeit in seinem neuen Job erlebt hat. Urs erklärt, dass er sich bereits beim Probearbeiten wohl gefühlt und dass ihn die Aussicht auf 26 CHF pro Stunde mit zusätzlichem Trinkgeld gelockt habe. «Klar ist es manchmal anstrengend nachts noch zu arbeiten, aber ich habe meine Entscheidung bislang nicht bereut», ergänzt Urs. Er arbeite meistens am Wochenende und sei dann von nachmittags bis spät nachts beschäftigt. Durchschnittlich komme er damit wohl auf 16 Stunden pro Woche, wobei man das nicht so genau sagen könne, da er den Dienstplan mit dem Team oft flexibel gestalte. Zuletzt sei er sowieso kein Morgenmensch und schätze den Umgang mit den Leuten in der Bar sehr, weshalb der Job wie geschaffen für ihn sei.

Jobsuche im Bekanntenkreis
Um deine eigenen Chancen zu erhöhen, ist es von Vorteil, deinen Bekanntenkreis zu involvieren. Je mehr Personen über die eigene Jobsuche Bescheid wissen, desto grösser sind die Chancen, wie im Fall von Urs, einen Job bereits vor der eigentlichen Ausschreibung zu ergattern. Auch soziale Netzwerke können hilfreich sein, um den eigenen Bekanntenkreis zu erreichen. Eine kurzer Facebookpost kann eventuell dafür sorgen, dass du bereits morgen ein Vorstellungsgespräch hast.

Nebenjob per App
Im Botanischen Garten treffe ich Leon. Er ist 22 Jahre alt, Student und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Leon hat sich vor einiger Zeit bei Coople angemeldet. Das ist eine Website mit eigener App, bei welcher sich jeder mit den eigenen Personalien oder dem eigenen Facebookaccount anmelden kann. Zusätzlich zur Anmeldung gibt man noch an, welche Berufsprofile und Branchen für einen selbst in Frage kommen und schon ist man dabei.

Leon erklärt, dass er sich selbst nicht auf eine Richtung beschränkt habe und einfach schaue, was für Angebote er so bekomme. Jobanfragen verwalte er ganz einfach über die App und die Auszahlung laufe nach der getanen Arbeit unkompliziert und zentral über Coople. Ich frage ihn, welche Jobs er bereits angenommen hat. «Ich habe Produktproben verteilt, war Fahrer für die Gäste einer Veranstaltung, habe Werbung in einem Kostüm gemacht, beim Aufbau von Messen geholfen und als Reinigungskraft geputzt. Langweilig wird es mir nie», erklärt Leon.

Selbstverständlich seien manche Jobs besser als andere, aber Leon geniesst die Abwechslung und die Bezahlung stimmt für ihn immer. Leon ist auf Grund der finanziellen Unterstützung seiner Eltern nicht auf die Arbeit angewiesen und die Nebenjobs würden lediglich sein Taschengeld aufbessern. Er könne sich nicht vorstellen, alleine vom Coopleverdienst zu leben, dafür sei ihm die Auftragslage dann doch zu inkonsistent.

Der Job sucht dich
Das Modell von Coople ist sicher ein besonderes, da es den Fokus auf temporäre Arbeiten ohne längerfristige Aufträge legt. Es bietet aber auch die einzigartige Möglichkeit, schnell und ohne viel Bürokratie für viele Arbeitsgeber erreichbar zu sein. Vielleicht ist das ja auch was für dich.

Fazit
Abschliessend zeigen diese unterschiedlichen Geschichten eins ganz deutlich: Es gibt ein riesiges Spektrum an Möglichkeiten einen Nebenjob zu finden und auch die Arbeitsformen selbst könnten unterschiedlicher nicht sein. Um den für dich passenden Nebenjob zu finden, musst du zunächst erstmal eines tun – ihn dir suchen.

Christoph Zäh

Während seiner Ausbildung zum Heilerziehungspfleger wurde Christoph Zäh klar, dass er seine Zukunft der Arbeit mit Menschen widmen möchte. Das Psychologiestudium soll nun die absolute Erleuchtung bringen. Wenn er sich nicht gerade durch die Statistiken der Welt wühlt oder in Embryonalstellung vor sich hin wimmert, weil Druckertinte jetzt teurer ist als menschliches Blut, dann boxt er sich den Kopf im Boxkeller frei oder sucht sich auf dem Rennrad, mit dem Snowboard oder im Kajak neue Herausforderungen.

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