Nachhaltigkeitswoche Basel: Kein Fleisch mehr?!

Vom 04. bis 08. März organisiert die Studierendengruppe SDUBS (Students for Sustainability at the University of Basel) die Nachhaltigkeitswoche Basel. Eine Woche lang gibt es im Kollegienhaus der Universität ein vielseitiges Programm rund um das Thema Nachhaltigkeit. Emanuel ist Teil des Organisationsteams und erzählt in seinem Gastbeitrag eine persönliche Geschichte zum Gastvortrag «Kein Fleisch mehr!? – Auslotung eines ökologischen und ethischen Dilemmas» von Dr. Florian Leiber vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL):

Fleisch und Milchprodukte zerstören unseren Planeten?! Als ich dies vor zwei Jahren erstmals im Internet las, musste ich stutzen. Wie denken wohl Herr und Frau Schweizer darüber? Wenn sie aus dem Fenster gucken, sehen sie eine schöne grüne Weide mit saftigem Gras und ihren Lieblingskühen Berta und Erika darauf, hintendran die Berge und den blauen Himmel (so zumindest meine Vorstellung).

Von einer zerstörten Welt aber keine Spur. Dass nicht alle Kühe, deren Fleisch und Milch wir im Supermarkt kaufen können, auch tatsächlich auf der schönen Weide grasen, die auf der Plastikverpackung abgebildet ist, war mir schon irgendwie bewusst. Aber halt eben nicht so richtig. Getrieben von der Neugier und Moral begann ich also vor zwei Jahren, wie wohl viele junge Menschen unserer Zeit, mich genauer über Nachhaltigkeit und unseren Konsum zu informieren. Was ich herausfand, beeindruckte mich – hier nur mal einige Punkte:

In Europa wird viel Futter für die Tierzucht importiert. Alleine Deutschland importiert jährlich 5,34 Millionen Tonnen Soja, davon 79% für Futtermittel. Diese ausgelagerte Produktion braucht anderswo (meist Südamerika) eine grosse Fläche Land. Dort könnte sonst eigentlich etwas anderes angebaut werden bzw. der Regenwald florieren. Deutschland beispielsweise braucht im Ausland eine Fläche von 21.000 km², um seinen inländischen Sojabedarf zu decken (zum Vergleich: die gesamte Schweiz hat eine Fläche von 41.000 km2).

Die rülpsende Kuh als Klimasünderin
CO2 ist nicht das einzige Treibhausgas. Es mag zwar lustig klingen, ist eigentlich aber ein grosses Problem: Kühe rülpsen, und zwar viel. Eine Kuh alleine schafft schon mal 300 Liter Methan am Tag. Methan ist 25- bis 100-mal schädlicher als CO2, gemessen in einer 20-jährigen Zeitspanne. Ein weiterer Aspekt sind die Transportwege: die Tiere werden oft nicht an dem Ort aufgezogen, wo sie geschlachtet werden. Für die Produzenten ist es günstiger, die Tiere jeweils an einem anderen Ort (oft auch in einem anderen Land) zu züchten, mästen und dann zu schlachten. Unter Umständen wird das Fleisch dann auch nicht da verkauft, wo es hergestellt wurde, sondern noch exportiert.

Und so habe ich damals für mich den Schluss gezogen, dass Fleisch für unser Klima nichts Gutes tut und die Nutztierhaltung unnötig sowie ethisch fragwürdig ist. Dass es auch Argumente für die Nutztierhaltung gibt, habe ich nicht erwartet, bis ich einen Gastvortrag von Dr. Florian Leiber vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hörte. Für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft brauchen wir Nutztiere.

Mit der Massentierhaltung, wie wir sie zurzeit betreiben, hat dies jedoch wenig zu tun. Es braucht einen grossen Wandel in der Viehhaltung und auch in unserem Fleisch- und Milchproduktekonsum. Die Lösung ist aber nicht, einfach alles wegzulassen. Habe ich damit auch deine Neugier geweckt? Dann lohnt es sich den Vortrag von Dr. Florian Leiber am 06. März 2019 um 18:15 im Kollegienhaus, Hörsaal 115 anzuhören!

Weitere Highlights der Nachhaltigkeitswoche
Wenn du während der Nachhaltigkeitswoche mal genauer herausfinden möchtest, wie viel CO2-Äquivalente in einem Mittagsmenü stecken, dann solltest du einen Besuch in der SV Mensa an der Bernoullistrasse einplanen. Die Mensa bietet täglich Klimamenüs mit berechnetem CO2-Ausstoss an. Die SDUBS wird mit einem Infostand auch vor Ort sein – kommt uns doch besuchen.

Zusätzlich zum Vortrag von Dr. Florian Leiber und den Klimamenüs gibt es natürlich noch mehr zu hören und zu sehen: ein weiteres Highlight ist zum Beispiel die Podiumsdiskussion ‘Brennpunkt Schweizer Klimapolitik’ mit Gletscherforscher Prof. em. Dr. Wilfried Haeberli, SP Nationalrat Beat Jans, Kurt Lanz aus der Geschäftsleitung von economiesuisse und Zoë Roth als Vertreterin der Climate Games Basel. Das volle Programm der Nachhaltigkeitswoche und weitere Informationen findet ihr auf Facebook und auf unserer Website. Für Fragen könnt ihr uns auch sehr gerne auf sdubs@unibas.ch kontaktieren – wir freuen uns auf euren Besuch!

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