Mit Pickel und Pinsel

Nicht alle Menschen freuen sich, wenn sie auf die Überreste eines menschlichen Skeletts stossen. Klassische Archäologen hingegen schon. Die Studentin Marta Imbach erzählt in ihrem Gastbeitrag, wie ihre Forschungsgruppe einen spektakulären Fund machte.

Einer der spannendsten Aspekte am Studium der Klassischen Archäologie ist der praktische Teil. Jedes Jahr findet eine ein- bis zweiwöchige Exkursion statt, wir müssen ein Museumspraktikum absolvieren und wir dürfen unsere Semesterferien auf Ausgrabungen verbringen.

Diesen Sommer war ich bereits zum fünften Mal für sechs Wochen in Süditalien, genauer in Francavilla Marittima (Kalabrien), um Gräber freizulegen. Das Team setzte sich aus insgesamt neun Studierenden, einer Anthropologin sowie einer wissenschaftlichen Zeichnerin zusammen. Es wurde von Prof. Martin A. Guggisberg, zusammen mit dem Grabungstechniker Norbert Spichtig und der Projektassistentin Dr. des. Camilla Colombi geleitet.

Die Reisekosten, Kost und Logis werden vom Projekt übernommen. Wir arbeiten dafür von 7 Uhr bis 17 Uhr. Arbeiten bedeutet auf einer Ausgrabung sehr vieles. Wir müssen innerhalb von sechs Wochen einen Bereich ausgraben, dokumentieren und wieder zuschütten. Das heisst zu Beginn der Kampagne wird die Fläche definiert und geputzt, um den Ausgangspunkt zu dokumentieren. Danach nehmen wir Pickel und Schaufel zur Hand und tragen eine erste Erdschicht ab. Die Gräber, die wir ausgraben, sind von der Form her in etwa oval, haben eine ungefähre Dimension von 2.5m x 3m und sind mit gerundeten Steinen bedeckt. In den ersten Wochen gehört daher auch Steine schleppen zum Aufgabengebiet. Je fortgeschrittener die Arbeiten sind, desto kleiner wird unser Werkzeug, bis wir am Ende tatsächlich mit Zahnarztwerkzeug und Pinsel hantieren.

Im Bereich, den wir bisher erforscht haben, ist die Erde sehr angriffig und von den Skelettresten der Bestatteten war daher meist nur sehr wenig zu sehen. Doch dieses Jahr wurden wir alle überrascht: Nach sechs Jahren stiessen wir zum ersten Mal auf ein für jedermann erkennbares Skelett! Auch sonst fanden wir 2014 sehr spannende und für dortige Verhältnisse gut erhaltene Objekte. Fibeln (Gewandspangen) aus Bronze, Perlen aus Bernstein, Werkzeug aus Eisen und Keramikgefässe.

Neben dem Freilegen ist das Dokumentieren für archäologische Untersuchungen äusserst wichtig, schliesslich wird durch das Ausgraben ein Zustand zerstört. Wir fotografieren daher sehr viel, beschreiben, was wir sehen, und messen mit einem Tachymeter alle Funde dreidimensional ein. Dadurch können am Ende einer Kampagne mit allen gesammelten Informationen am Computer 3D-Rekonstruktionen hergestellt werden. Die Funde packen wir auf der Grabung in Plastiktütchen und danach kommt alles ins Museum. Dort wird einiges von Museumsrestauratoren restauriert. Danach werden die Funde genau aufgenommen, fotografiert und von der Zeichnerin gezeichnet.

Auf der Grabung machen wir zwei Pausen mit Picknick und meistens gibt es am Nachmittag noch eine zusätzliche Pause für Kaffee oder Gelato. Abends gehen wir gemeinsam zum Essen in ein Restaurant und danach oft noch auf die Piazza des Dorfes… Dadurch können wir Kontakte mit den Francavillesi knüpfen und pflegen. In diesem Jahr haben wir beispielsweise zusammen viele Spiele der Fussballweltmeisterschaft geschaut. Und am Wochenende spielte ich sogar selbst einige Partien auf dem staubigen Platz des Dorfes mit.

Ansonsten nutzen wir die Wochenenden für Ausflüge in die Umgebung oder um sich am Meer zu erholen.

 

Mehr zum Master „klassische Archäöologie an der Universität Basel findet ihr hier.

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