„Meine Mutter hat nicht viel zu sagen.“

Die Rolle der Eltern bei der Studienwahl

In Erinnerung an die Zeit, als ich noch nicht wusste, was ich studieren wollte, habe ich mir die Frage gestellt: „Wie stark werden heutzutage eigentlich ‚Noch-Schüler‘ von ihren Eltern beeinflusst, wenn es um das zukünftige Studium geht?“ Dafür habe ich mich mit Fabian, 18, und seiner Mutter getroffen.

Fabian weiss schon ziemlich genau, was er studieren will: Theologie, wahrscheinlich in Verbindung mit Sport. Und wahrscheinlich an der Uni Basel. Basel war naheliegend, da er so zu Hause wohnen bleiben kann. Das bietet natürlich nicht nur finanziell viele Vorteile. Er hat sich für diesen Studiengang hauptsächlich aus Interesse entschieden. Allerdings gibt er zu, dass es auch ein bisschen eine Ausschlussentscheidung war, denn Naturwissenschaften sind eher nicht sein Fall und Sprachen sollten es auch nicht unbedingt sein. Auch seine Mutter bestätigt, dass die Richtung einfach mit der Zeit deutlich wurde. Sie sagt ganz klar: „Grundsätzlich ist er dafür verantwortlich und er muss das entscheiden!“

Studienwahl: Bauch- oder Kopfentscheidung?
Bei der Studienwahl setzen beide mehr auf Gefühl als Vernunft. So sagt Fabians Mutter: „Ich glaube, man ist nur darin gut, was man auch gerne macht. Und ein Fach lediglich aus Vernunft zu wählen, oder weil man denkt, man verdient dann viel Geld, das würde ich nie jemandem raten und als Kriterium nehmen.“

Und wie wäre das gewesen, wenn die Meinungen zu dem Studiengang komplett auseinander gegangen wären?

Fabian sagt: „Ich würde in dem Fall einfach gerne wissen, wieso sie anderer Meinung ist und welche Vorbehalte sie hat. Aber im Endeffekt mache ich, was ich will. Da hat sie nicht so viel zu sagen.“ Seine Mutter meint dazu: „Grundsätzlich wäre das ok. Ich würde sicher meine Bedenken anbringen. Ich würde vielleicht noch sagen, er sollte noch mit jemand anderem reden. Ich denke nicht unbedingt, dass die Eltern diejenigen sind, deren Meinung die Kinder am liebsten hören.“

Grossvater Theologe, Vater Theologe, Sohn Theologe?
Manchmal gibt es ja diese Familien: Der Beruf wird von einer Generation zur nächsten vererbt. Bei Fabian ist das nicht der Fall. Seine Mutter macht etwas komplett anderes: „Ich bin Kinderkrankenschwester. Aber Theologie ist schon ein Thema, das ich auch spannend finde. Also von dem her ist es nichts komplett abwegiges. Aber es ist nicht so, dass ich etwas in der Richtung machen wollte.“

Während Theologie also eine neue Berufsrichtung in Fabians Familie ist, verhält es sich beim Nebenfach Sport anders. Denn Fabians Vater hat Sport studiert. Fabian war schon von klein auf davon fasziniert und wollte gerne etwas in der Richtung machen.

Hoffnungen und Ängste
Das Bild der beiden davon, was in dem Studium auf Fabian zukommt, unterscheidet sich dann doch etwas. Für Fabian ist das, was zählt, der Spass: „Ich hoffe, dass ich gern an die Uni gehe – nicht so wie jetzt an der Schule meistens.“ Die Sprachen wie Altgriechisch und Lateinisch machen ihm dabei am meisten Angst. Dagegen hofft seine Mutter vor allem, dass er in ein gutes Umfeld kommt. Nette Mitstudenten, gute Dozenten: „Das ist auf jeden Fall sehr wichtig. Das Schwierigste ist, dass die Leute nicht passen. Inhaltlich glaube ich, wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du das, auch wenn es schwierig ist.“

Fachliche Unterstützung erwartet Fabian sowieso nicht von seiner Mutter, eher die moralische. Und die wird er auch bekommen, genau wie all die Infrastruktur, die jetzt auch schon besteht. Das ist seiner Mutter wichtig, denn „ich sage nicht, wenn du studierst, musst du alles allein machen.“ Und gegen ein leckeres Mittagessen auf dem Tisch hat bekanntlich keiner was.

Und wie ist das bei den anderen?
Alles in allem sind sich Fabian und seine Mutter da einig: Er soll machen, was ihm liegt. Doch wie ist das bei anderen Familien? Fabian meint dazu: „Also ich kenne schon Leute, deren Eltern wollen, dass sie etwas bestimmtes studieren und sie das dann auch machen. Die Eltern spielen sicher bei einigen eine grössere Rolle als bei mir. Um Respekt und Achtung von ihnen zu bekommen und ihnen zu gefallen.“

Fabians Mutter erzählt auch, dass ihre Eltern damals sehr glücklich über ihre Berufswahl waren, aber sich anderenfalls bestimmt mehr eingemischt hätten. „Sie hätten sicher mehr Einfluss auf mich genommen, als man es vielleicht heute macht.“

Wie ist das bei euch? Wollten eure Eltern, dass ihr etwas anderes studiert? Würdet ihr euch im Zweifelsfall gegen eure Eltern stellen?

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